Kreis Südliche Weinstraße „Die Bahn soll ordentlich bezahlen“

Pünktlich wie die Bahn? Sie ist nicht da. Seit Dienstag fährt die Maximilianbahn zwischen Bad Bergzabern und Winden nicht mehr. Die Lokführergewerkschaft hat ihre Mitglieder zum längsten Streik in der Geschichte der Bahn aufgerufen. Gut, dass nicht auch die Busfahrer streiken. Es gibt einen sogenannten Schienenersatzverkehr, der die Pendler per Bus von Bad Bergzabern nach Winden bringt. Der Regionalexpress Neustadt-Karlsruhe, der in Winden die Pendler aus dem Südzipfel aufnimmt, fährt. Busfahrer Philipp Massold, der gestern morgen auf der Linie 541 von Bad Bergzabern nach Landau hinterm Steuer saß, war entspannt: „Wir merken nichts vom Streik. Wir fahren ganz normal.“ Um die Berufspendler aufzufangen, gebe es den Schienenersatzverkehr, also Extra-Busse, die die Berufstätigen und Schüler von Bad Bergzabern nach Winden bringen. Ja, die Pendler sind genervt, aber sie zeigen trotz allem Verständnis für den Streik der Gewerkschaft der Lokführer (GdL). Rudi Kechler aus Bad Bergzabern ist auch betroffen. Seit drei Wochen hat er einen neuen Job in Landau und dann gleich dieser Streik. Das kommt nicht gut an, er muss sicherstellen, seinen Schichtdienst einhalten zu können: „Der Zug ist halt schneller.“ Aber: „Das mit mehr Geld finde ich okay. Doch ich verstehe nur nicht, dass man sich nicht einig wird.“ Dann ist er wieder hin- und hergerissen: Altenpfleger oder Krankenschwestern könnten doch auch nicht so einfach streiken, wer soll denn dann die Menschen versorgen? Rudi Kechler ist auf die Bahn angewiesen. Er hat kein Auto mehr. Das hat er bewusst abgeschafft, aus Kostengründen. „Das Zugticket kostet 84 Euro im Monat, das Auto hat allein an Sprit 170 Euro gekostet.“ Von dem ersparten Geld leisten sich er und seine Frau zwei bis dreimal im Jahr einen Kurzurlaub am Bodensee. Dagmar Jäger, die mit im Bus nach Landau sitzt, hat volles Verständnis für den Streik der Lokführer: „Natürlich ist das ärgerlich für die, die pendeln. Aber in Deutschland verdienen die Lokführer mit am wenigsten in Europa. In Frankreich bekommen sie wesentlich mehr. Das kann eigentlich nicht sein.“ Alle in Europa müssten gleich verdienen. „Die Bahn erhöht ständig die Preise, dann sollen sie ihren Leuten auch die Gehälter anpassen“, sagt die überzeugte Bahnfahrerin aus der Kurstadt. „Es kann nicht sein, dass der Bahn-Chef Millionen im Jahr verdient. Die Vorstände werden belohnt fürs ganze Leben“, bringt es Dagmar Jäger für sich unmissverständlich auf den Punkt. „Ich habe 45 Jahre gearbeitet.“ Im Zusammenhang mit dem Lokführerstreik für mehr Lohn fällt auch das Schlagwort Altersarmut. Sie schüttelt den Kopf über Spargelbauern, die sich beklagen, weil sie nun den Mindestlohn von 8,50 Euro zahlen müssten. Dann erzählt sie auch von einer Bekannten, die nun von der Grundsicherung leben müsse, weil ihr angeblich Rentenpunkte für die Kindererziehung nicht anerkannt worden seien. Mitfahrer Rudi Kechler pflichtet ihr bei: „Die bei der Bahn da oben schwimmen wie Dagobert Duck im Geld.“ Kechler führt nach eigenen Angaben ein sparsames Leben. „Bei uns gibt es höchstens zweimal in der Woche Fleisch. Meine Frau hat ein Stück Rasen weggenommen und pflanzt dort jetzt Salat.“ Es arbeitet in ihm, er ist noch immer unsicher, wie er zum Streik stehen soll: „Ja, die Lokführer haben eine Riesenverantwortung für viele Menschen. Aber was ist mit dem Busfahrer da vorne, der hat auch eine große Verantwortung. Wo ist seine Lobby? Da ist niemand da.“