St. Martin RHEINPFALZ Plus Artikel Der Nato-Bunker: Zeitzeuge des Kalten Krieges

Armin Kupper (links) zeigt den Besuchern die Wassersammelstelle des Bunkers.
Armin Kupper (links) zeigt den Besuchern die Wassersammelstelle des Bunkers.

Oberhalb von St. Martin verbirgt sich im Wald ein gigantischer Zeitzeuge. Nur ein kalter Luftstrom, der aus einem vergitterten Eingang strömt, macht die Wanderer neugierig, was sich dahinter verbergen könnte. Dort liegt die Furcht des Kalten Krieges in Beton gegossen: Der Nato-Bunker.

Im Pfälzerwald in unmittelbarer Nähe von St. Martin befindet sich ein Nato-Bunker aus der Zeit des Kalten Krieges, der in der Zeit zwischen 1964 und 1972 erbaut wurde. Eine sehr weitläufige Anlage, die sich unscheinbar und gut versteckt im Wald verbirgt. Obwohl die Anlage nicht gerade geheim gehalten wird, was die öffentlichen Führungen beweisen, finden Interessierte über die Google Suche weder die Adresse noch einen Eintrag auf Google Maps. Nur wer eine geführte Tour in der Tourist Info der Gemeinde St. Martin bucht, erhält eine Wegbeschreibung. Seltsam wie doch ein dunkler Raum im Berg zu Spekulationen und dunklen Gedanken anregt.

Anfang der 1960er Jahre befürchtete man einen neuen Krieg, der durch weltweite Aufrüstung verheerende Folgen haben konnte. Von der Angst getrieben baute die Nato in ihrem Gebiet Bunker. Deutschland als außerordentlicher Grenzstaat des trennenden Eisernen Vorhangs wurde bevorzugtes Baugebiet. Der St. Martiner Bunker sollte im Kriegsfalle der Nachrichtenübermittlung dienen, denn man hielt das allgemeine zivile Postnetz für zu störanfällig. Mit seinen 3000 Quadratmetern Verkehrsfläche hätte der Bunker mehr als ausreichend Platz für 60 Fernmeldetechniker geboten.

Der Bau wurde nie fertiggestellt

Unterhalb des Waldweges vor dem Eingang befinden sich heute noch Fernmeldekabel, die von Heidelberg nach Zweibrücken reichen. Im gesamten deutschen Bundesgebiet wurden für das sogenannte Grundnetzschalt- und Vermittlungssystem der Bundeswehr, kurz GSVBw, 34 Standorte gewählt. 32 davon waren in normalen Doppelhaushälften untergebracht. Nur zwei wurden als Bunker angelegt. Dazu zählt jener in St. Martin, der nie fertig gebaut und eingerichtet wurde. Der andere liegt in Niederbrombach, der eine vollständige Ausrüstung bis hin zur perfekten Küchenzeile erhielt und tatsächlich in Betrieb genommen wurde.

Der Bau des St. Martiner Nato-Bunkers erfolgte in zwei Abschnitten. Nach einem Erschließungsstollen von rund 630 Metern, der 1964 erbaut wurde, entstand ab 1967 der Verkehrsstollen mit vier Quer- und zwei Verbindungsstollen und einer Baulänge von insgesamt 470 Metern. Bereits 1972 legte man den immer noch im Bau befindlichen Bunker still. Die weltweite Entspannung machte ihn begrüßenswerterweise überflüssig. Die riesige Anlage im Berg erzeugte bei der Erstellung einen immensen Aushub von 30.000 Kubikmetern Erdreich, für den die damaligen Bauherren erst einmal eine Verwendung oder zumindest eine Ablagestelle finden mussten. Mit einem Teil der Erdmasse wurde eine Senke aufgefüllt, worauf ein Parkplatz entstand. Auf dem anderen Teil spielt St. Martin heute Fußball. Für den Bau des Bunkers wurden im Gegenzug 6.000 Kubikmeter Beton eingebracht.

Zurzeit ist die Luftfeuchtigkeit hoch

Heute ist das Bauwerk während Führungen im Sommerhalbjahr zu besichtigen. Armin Kupper ist Gästeführer für die Gemeinde St. Martin. Der Pensionär kennt den Bunker aus seiner Tätigkeit als Revierförster und seiner Zeit bei der Bundeswehr. Er leitet am Samstag die Bunkerführung. Kupper erzählt die Geschichte des Bunkers, macht auf die technischen Details aufmerksam und begleitet die mit warmer Kleidung und Taschenlampen ausgestattete Gruppe in das Innere des spärlich beleuchteten Bunkers. Dort herrschen im Jahresverlauf konstante zwölf bis 13 Grad Celsius. Zurzeit ist die Luftfeuchtigkeit so hoch, dass sich Nebel in den Hallen des Bunkers bildet. Unheimlich wirkt der Bunker ohnehin durch die kahlen Betonstollen, die sich schon bildenden kleinen Stalagmiten und die komplette Finsternis. Die Atmosphäre ist ein wenig gruselig, wenn man für solche Schwingungen oder verschrobenen Gedanken empfänglich ist – oder einfach zu viele Filme geschaut hat. Man habe wohl die Lagerung von Sprengstoff in verschütteten Schächten vermutet, meint Kupper und weist auf einige Wände, an denen man Spuren einer unsinnigen Suche nach Hirngespinsten entdecken kann. Jedoch sei hier niemals Sprengstoff seitens der Nato gelagert worden, bekräftigt er.

Zwei Taucher fanden den Tod

Die tragische Geschichte um die beiden verunglückten Taucher im Bunker verstärkt die mystische Stimmung. Der Bunker verfügt über einen Wasserschacht mit Sammelstollen, welcher im Ernstfall für eine eigene Trinkwasserversorgung vorgesehen war. Dieser 58 Meter tiefe und 2,50 Meter breite Brunnen, der 180 Meter weit in den Berg reicht, beinhaltet einen Wasservorrat von rund 1000 Kubikmetern. Er wurde eine Zeit lang für professionelle Tauchtrainings genutzt. Bei einer Übung jedoch verlor ein Taucher die Orientierung und riss in seinem Todeskampf seinen Lehrer mit in den Tod. Daraufhin wurde die weitere Nutzung für Tauchschulen untersagt.

Auch wenn man sich während der Begehung auf die immense Bauleistung konzentriert, auf das ausgeklügelte Bewässerungssystem und die erstaunlich frische Luft im Inneren des Komplexes bemerkt, dann bleibt immer noch ein kleines Gruseln über ein Bauwerk, das aus Angst vor Krieg entstand.

Noch Fragen?

Die Besichtigung des Bunkers ist nur von April bis Oktober möglich. Anmeldung: Büro für Tourismus St. Martin, Telefon 06323/5300.

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