Kreis Südliche Weinstraße RHEINPFALZ Plus Artikel Der Mann und die Natur

In Neustadt geboren, lebt und arbeitet Dieter Kühn in Wörth. Seine Werke präsentiert er nun in Bad Bergzabern. Foto: Norman Krau
In Neustadt geboren, lebt und arbeitet Dieter Kühn in Wörth. Seine Werke präsentiert er nun in Bad Bergzabern.

Bad Bergzabern: „Wie gemalt“ lautet der Titel der Ausstellung, die ab Sonntag in der Artgalerie am Schloss läuft. Zu sehen sind Werke vom Wörther Künstler Dieter Kühn. Auf beeindruckende Weise schafft er es, die Betrachter seiner Bilder in die Irre zu führen.

„Wie gemalt“ steht über der Schau mit Fotografiken und Collagen von Dieter Kühn aus Wörth bei der Südpfälzischen Kunstgilde in Bad Bergzabern. Entsprechend der Überschrift erscheinen die Exponate auf den ersten Blick tatsächlich wie gemalt. In der Tat sind die oft farbenfrohen Bilder aber mehrfach bearbeitete und übermalte Fotografiken oder Fotocollagen.

Auf den zweiten Blick, beim intensiven Hinschauen, entdeckt der Betrachter den fotografierten „natürlichen“ Ursprung einer Form: Grün-blaue Farbkompositionen lassen im Hintergrund noch in zarten Konturen ihren Ursprung in Palmenblättern erkennen, rote Kirschen hat Kühn auf einer grünen Wiese arrangiert und danach übermalt, das „Herbstblatt“ hat er auf einen gemalten Hintergrund gedruckt. Seine Faszination von der Blütenpracht auf der Insel Mainau hat der Wörther Künstler durch Verschiebungen für die Augen des Betrachters in ein bunt schillerndes Kaleidoskop verwandelt. Die „gelbe Balance“ von Pflanzenstrukturen mutet beim flüchtigen Hinschauen zunächst wie ein von oben fotografierter Straßenzug an.

Als Ausgangspunkt seiner Arbeiten fotografiert Dieter Kühn die Natur in seinem Umfeld: Blätter von Palmen, schilfumwachsene Teiche mit Seerosen, Bäume, die sich im Altrhein spiegeln, Licht- und Schattenspiele von Uferlandschaften an Flüssen und Bächen, aber auch Blicke aus dem Fenster in blühende Gärten oder stimmungsvolle Horizonte. Im nächsten Schritt werden diese realen Bilder am Computer farblich und formal verfremdet. Diese Verfremdungen zerlegt Kühn in Bildausschnitte und fügt diese wie Bausteine zu neuen Bildfindungen, die entweder den ersten natürlichen Eindruck verdichten oder bis zur Abstraktion auflösen. Von Hand mit Aquarellfarben, Pastellkreide oder Buntstiften übermalt, werden reproduzierbare Ausdrucke zu Unikaten. Ein Firnis aus Acrylharz lässt die Farben strahlen und schützt die Kunstwerke vor dem Verblassen.

Dieter Kühn lebt und arbeitet in Wörth. 1944 ist er in Neustadt geboren und hat von 1965 bis 1969 in Karlsruhe an der Kunstakademie bei Harry Kögler, Walter Herzger und Fritz Klemm Malerei sowie an der Karlsruher Universität Geografie studiert. Bis zur Pensionierung 2004 hat er am Europa-Gymnasium in Wörth beide Fächer unterrichtet. Sein künstlerisches Schaffen sieht Kühn selbst geprägt vom Spannungsfeld zwischen Formverneinung und Formfindung in den späten 50er- und zu Beginn der 60er-Jahre. Nach der Hochzeit der abstrakten Malerei kehrte mit Künstlern wie Gerhard Richter und Georg Baselitz die figürliche Darstellung auf die Leinwände zurück. Ausgehend von der Malerei im eigenen Frühwerk, hat sich Kühn seit 2015 zunehmend der mit malerischen Mitteln ergänzten digitalen Grafik verschrieben.

Zur Darstellung seiner künstlerischen Entwicklung von der Leinwand mit klassischem Farbauftrag zum übermalten Druck auf Fotopapier, zeigt Dieter Kühn in der Schau auch Malereien und Zeichnungen aus früheren Jahren, bis in die späten 1980er Jahre zurück. Zur Eröffnung in der Artgalerie am Schloss am Sonntag um 11 Uhr spricht die Kunsthistorikerin und Expertin der Fotokunst, Josefine Raab. Gildepräsidentin Monika Cirica-Schneider wird die Gäste begrüßen, die junge Gitarristin Julia Skuballa gestaltet den musikalischen Rahmen.

Info

Ausstellung bis 31. März in der Artgalerie, Schlossgasse 3 in Bad Bergzabern. Öffnungszeiten sind Freitag von 16 bis 18 Uhr und Sonntag von 15 bis 18 Uhr.

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