Edenkoben RHEINPFALZ Plus Artikel Der Edenkobener Bahnhof hat eine wechselvolle Geschichte

Zwei Bahnsteige hat das 2003 erneuerte Areal. Den Platz des einst so prunkvollen Bahnhofs hat ein funktionelles Gebäude eingenom
Zwei Bahnsteige hat das 2003 erneuerte Areal. Den Platz des einst so prunkvollen Bahnhofs hat ein funktionelles Gebäude eingenommen.

EDENKOBEN. Für die Generationen vor dem Zweiten Weltkrieg gehörte der Bahnhof in Edenkoben zu den schönsten in der Pfalz, ein wahres Kleinod. Leider fiel doch einer Explosion am 5. Januar 1945 zum Opfer. Einen Bahnhof gibt es zwar heute auch noch, doch vom Glanz früherer Tage ist nichts geblieben.

An diesem Katastrophentag kurz vor Kriegsende explodierte ein im Bahnhof wartender Militärzug, der Munition und Treibstoff transportierte. Den Zug traf eine Fliegerbombe und durch die verheerende Sprengwirkung wurde das Empfangsgebäude des Bahnhofs völlig zerstört.

Erst 1956 entstand ein Neubau an gleicher Stelle. Dieses für damalige Verhältnisse zwar funktionelle, aber architektonisch wenig gelungene Bauwerk, hat seine ursprüngliche Funktion mittlerweile längst verloren. Wie viele andere ihrer Gebäude hat die Deutsche Bahn (DB) auch ihre Immobilie in Edenkoben vor einigen Jahren an einen privaten Investor verkauft.

1855 wurde der Bahnhof eingeweiht

Zwischen 1847 und 1849 entstand zwischen Ludwigshafen und dem saarländischen Bexbach die nach König Ludwig I. von Bayern, dem Erbauer der Villa Ludwigshöhe, benannte Pfälzische Ludwigsbahn. Im Zuge dessen gab es Überlegungen, ob eine Strecke am Haardtrand entlang, von Neustadt über Landau bis ins elsässische Weißenburg, nicht ebenso wünschenswert wäre, was gerade auch die militärisch Verantwortlichen so sahen. Die Ereignisse und Folgen des Revolutionsjahres 1848 brachten diese Überlegungen aber zum Erliegen.

Im Januar 1850 erschien dann in Neustadt eine Broschüre, die ebenfalls einen Schienenweg über Landau nach Weißenburg favorisierte. Als Grund wurde unter anderem mit der größeren Siedlungsdichte der Gemeinden in der Region gegenüber den unmittelbar am Rhein gelegenen Orten argumentiert. Scheinbar war die Argumentation schlüssig, und so wurde 1852 entschieden, eine Linie entlang des Gebirges einzurichten. Der Streckenabschnitt Neustadt-Landau erlebte am 18. Juli 1855 seine erste Fahrt und der Edenkobener Bahnhof seine Eröffnung. Das Bahnhofsgebäude, zu dessen Bau der bayerische König Maximilian II. am 3. November 1852 grünes Licht gegeben hatte, musste auf seine Fertigstellung aber noch bis zum 24. November 1856 warten. Mit dem Neubau wollte der König wohl seinem Vater ein adäquates Bahnhofsgebäude bieten, wenn dieser anlässlich der Besuche „seiner“ Villa am Bahnhof Edenkoben Station machte. Schon rein äußerlich erinnerte der damalige Bahnhof architektonisch sehr an die Villa.

Nach dem Krieg wird zunächst eine Baracke gebaut

Wie seine Vorfahren besuchte auch der letzte bayerische König, Ludwig III., ältester Sohn des beliebten Prinzregenten Luitpold und Enkel Ludwigs I., Edenkoben. 1913 wurde er am Bahnhof von einer großen Menschenmenge herzlich empfangen. Eine Fahr- beziehungsweise Bahnsteigkarte benötigte er wohl nicht, wohl aber andere Reisende. So erhielt der Bahnhof zu Beginn des 20. Jahrhunderts Bahnsteigsperren, die sicherstellten, dass nur Personen mit einer Fahr- oder Bahnsteigkarte den Bahnsteig betreten oder verlassen konnten. Nach knapp 70 Jahren ihres Daseins entfernte man die Sperren im Jahr 1971.

Nach der Zerstörung des Bahnhofes 1945 baute man direkt nach dem Krieg eine Baracke, um den Bahnhofsbetrieb sicherzustellen, ehe 1956 das neue Empfangsgebäude in Betrieb genommen wurde. Als um die Jahrtausendwende der Fahrkartenverkauf durch Bahnpersonal eingestellt wurde, baute die Deutsche Bahn die Zahl der Bahnbediensteten Stück für Stück ab, sodass den Reisenden keine direkten Ansprechpartner mehr zur Verfügung standen.

Zwei Bahnsteige gibt es heute

Was aber noch einige Zeit möglich war, war der Einkauf am Kiosk in der Wartehalle. Dort konnten Zugfahrende Reiseutensilien oder auch ein Souvenir zur Erinnerung an den Aufenthalt in Edenkoben kaufen. Von der Tageszeitung, der Illustrierten und den Romanheftchen, über Backwaren und Schokolade bis hin zu Zigaretten und Getränken aller Art reichte das Angebot. Heute hingegen muss man sich selbst vorsorgen, wenn man von der Eisenbahnhaltestation Edenkoben aus auf Reisen geht, denn Einkaufsmöglichkeiten hat diese schon lange nicht mehr zu bieten.

Eine Erneuerung des Bahnhofsareals erfolgte ab April 2002 und wurde 2003 abgeschlossen. Dabei erhielt die Bahnstation höhere Bahnsteige, den Mittelbahnsteig ersetzte ein Seitenbahnsteig und die Fußgänger konnten nun mittels einer Unterführung zu den Bahnsteigen gelangen. Seit dem Umbau sind die Gleise und das ehemalige Bahnhofsgebäude barrierefrei zu erreichen. Aktuell hat der Bahnhof den Bahnsteig 1 mit einer Länge von 160 Metern, der den Zügen in Fahrtrichtung Landau/Winden/Weißenburg/Karlsruhe dient, und den 210 Meter langen Bahnsteig 2, der für die Gegenrichtung nach Neustadt bestimmt ist.

„Bahnhof Lounge“ statt traditioneller Wirtschaft

Verlässt man die Bahnsteige, befindet man sich heute nur noch seitlich des Hauptgebäudes auf Gelände der Deutschen Bahn AG. Dort sind eine Bushaltestelle und ein Fahrkartenautomat eingerichtet. Der in Privatbesitz befindliche Gebäudekomplex wurde vor Jahren seitens der DB auch der Stadt Edenkoben zum Kauf angeboten, doch fragte man sich bei den Verantwortlichen: „Was wollen wir mit einem Bahnhof in unserem Besitz?“ Also nahm man Abstand vom Kauf. Der sich auf zwei Flurstücken befindliche Gebäudekomplex wurde laut Grundbucheintrag im Jahr 2014

von der Bahn an den privaten Investor überschrieben.

Im eigentlichen Bahnhofsgebäude, dem früheren „Wartesaal“, wo auch die Bahnhofswirtschaft untergebracht war, findet sich heute wieder ein gastronomischer Betrieb. Dieser erinnert zumindest seinem Namen nach an die eigentliche Nutzung, nennt sich die Lokalität doch „Bahnhof Lounge“. Hier kann man von 7 bis 24 Uhr einkehren. Silviya Petrowa, die vor 18 Jahren aus Bulgarien nach Deutschland kam, hat hier zunächst als Bedienung gearbeitet, ehe sie im April 2020 als Pächterin trotz aller Probleme, die Corona mit sich brachte, selbst die Verantwortung übernahm.

Eventueller Haltepunkt für neue Sommerstrecke

Die Lounge ist nicht mehr mit der ehemaligen Wirtschaft zu vergleichen. Der Innenraum wurde komplett neu gestaltet und der große helle Raum hat das doch recht muffige Interieur der früheren Jahre längst vergessen lassen. Damals wie heute können sich Reisende und Gäste nach getaner Arbeit hier ein kühles Getränk oder einen Kaffee gönnen und dabei nette Gespräche führen. Im Nebenraum kommen Freunde des Dart- oder Billardspiels auf ihre Kosten. Der gemütliche Außenbereich lädt zum Verweilen ein. Das vielleicht gerade dann, wenn man seinen Zug verpasst hat und der nächste erst wieder in einer Stunde losfährt. Neben der Lounge hat man die Möglichkeit im Büro von Tipico seine Sportwetten zu platzieren, während im direkt anschließenden ehemaligen Bahnhofsteil, wo der Güterumschlag stattfand, zwei Unternehmen ihr Domizil gefunden haben.

Zuletzt kam Edenkoben als eventueller Haltepunkt für die in den Sommermonaten eingerichtete Zugverbindung zwischen Neustadt und Bundenthal-Rumbach ins Gespräch. Eine Antwort auf die Anfrage von Stadtbürgermeister Ludwig Lintz an die DB, entgegen der Planung Edenkoben mit seinen interessanten Ausflugszielen als Haltepunkt in diesen Fahrplan aufzunehmen, steht noch aus.

Die Serie

Früher tummelten sich dort viele Reisende, heute haben etliche alte Bahnhofsgebäude eine neue Bestimmung gefunden. In manchen sind beispielsweise Wohnungen entstanden, in anderen Gaststätten. In unserer Serie „Abgefahren“ stellen wir in loser Folge die umgenutzten Stationen in der Südpfalz vor und fahren Zug durch deren Geschichte.

Frontansicht des 1856 eingweihten Bahnhofsgebäudes.
Frontansicht des 1856 eingweihten Bahnhofsgebäudes.
Historische Postkarte aus dem 19. Jahrhundert.
Historische Postkarte aus dem 19. Jahrhundert.
Eine der ersten farbigen Postkarten des Bahnhofs.
Eine der ersten farbigen Postkarten des Bahnhofs.
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