Kreis Südliche Weinstraße Der Albtraum nach dem Brand
Es war der 30. Mai 2012, als in einem Haus in der Kettengasse wegen eines technischen Defekts ein Brand ausbrach. Die Feuerwehr konnte damals gerade noch verhindern, dass das Feuer auf andere Häuser übergreift. Die Brandruine ist inzwischen abgerissen. Das Nachbarhaus an der Ecke Marktstraße/Kettengasse mit der Döner-Gaststätte „Tollan“ wurde unbewohnbar, elf Menschen haben damals ihr Zuhause verloren. Bewohnt worden war es von den Familien Pilic und Yildiz: von Mutter und Großmutter Özcan Pilic, ihrem Schwager Niyazi Yildiz und ihrem Sohn Alper Pilic, letztere mit ihren Frauen und Kindern. Die Familien sind vor rund 40 Jahren aus der Türkei nach Deutschland gekommen und haben längst einen deutschen Pass, nach Bad Bergzabern kamen sie 1993, das „Tollan“ war von 1999 bis 2012 geöffnet. Der Schock nach dem Brand saß tief, nicht nur die Wohnung und die persönliche Habe waren weg, sondern auch die Existenzgrundlage, die Familien haben die Gaststätte gemeinsam betrieben. Sie fanden Wohnungen und Arbeit, zusätzlich mussten sie bis vor Kurzem den noch bestehenden Kredit für das stark zerstörte Haus, das ihnen gemeinschaftlich gehört, abbezahlen. Dem Schock des Brandes folgte die immer noch andauernde Auseinandersetzung mit der Versicherung. Die erste Schätzung für den Wiederausbau hatte sich auf 200.000 Euro belaufen, die Schätzung des Architekten lag bei 435.000 Euro, bisher hat die Versicherung 313.000 Euro bezahlt. Die letzte Rate in diesem Jahr. „Wir wollen doch nur das Geld, das uns zusteht“, sagt Niyazi Yildiz, der die Welt nicht mehr versteht. Von einer der bisher elf Kanzleien, die die Familie mit der Wahrung ihrer Interessen beauftragt hat, habe er die Auskunft erhalten nach Prüfung der Aktenlage werde ein Vororttermin anberaumt. Als er nach zehn Monaten nachgefragt habe, sei ihm mitgeteilt worden, dass ein weiteres Ausüben des Mandats nicht möglich sei, erzählt Yildiz. Immer wieder in den vergangenen Jahren haben die Familien Hilfe bei Ulrike Brunck von der Diakonie gesucht, die ihnen mit Rat und Tat zur Seite stand, auch mit einem Schreiben an die Anwaltskammer. Doch es war vergebens. Gerecht ist das, was sie bisher erlebt haben, für sie nicht, zudem hat der Stress physische und psychische Spuren hinterlassen. 2016 konnten sie mit dem Wiederaufbau des Hauses beginnen. „Das Büro für Stadtsanierung hat uns mit einem Zuschuss für den historischen Teil des Hauses geholfen“, erzählen sie in der ehemaligen Gaststätte, die noch im Rohbau ist, wie das ganze Haus. Mit dem Baustart begann der nächste Albtraum. Die Familien hatten einen Generalunternehmer beauftragt, der Termin der Fertigstellung sollte im vergangenen Jahr sein. „Es war Naivität, wir hatten keine Erfahrung, mussten arbeiten und waren nicht immer auf der Baustelle“, sagen sie im Rückblick. Der Generalunternehmer hat hingeschmissen, der Architekt, der die Familie darüber gar nicht informiert hat, ebenso. Jetzt stehen sie vor einem Rohbau und wissen nicht wirklich, wo sie anfangen sollen, sie haben teils den Überblick verloren, die Verzweiflung hat die Oberhand gewonnen. Die Unklarheiten aus der Vergangenheit, die noch aufgearbeitet werden müssen und vor allem die Aufgaben in der Zukunft müssen bewältigt werden. „Wir brauchen jemanden, der Ahnung von Bau und Finanzen hat und uns erst mal bei einer Bestandsaufnahme hilft“, wünschen sich die Familien. Auf der Basis einer soliden Analyse könne man dann die weiteren Schritte planen, um schnellstmöglich wieder im eigenen Haus wohnen und arbeiten zu können. Info Wer der Familie mit fachlichem Rat bei Bau und Finanzen helfen möchte, kann sich bei Ulrike Brunck melden, die den Kontakt herstellen wird, Telefon: 06343 70670.