SÜW RHEINPFALZ Plus Artikel Deponie in Offenbach: Der Grünschnitt-Ritter mit der Corona-Lanze

Dieter Trapp weiß, wie er seine Kundschaft auf Abstand halten kann.
Dieter Trapp weiß, wie er seine Kundschaft auf Abstand halten kann.

Kokolores und Corona: Wer in den zurückliegenden Wochen seinen Grünschnitt bei der Deponie in Offenbach loswerden wollte, ist sehr wahrscheinlich einem Herrn begegnet, der ein wenig aussieht wie Sir Lancelot mit Warnweste: Dieter Trapp. Warum der Aufzug?

Die Fahrt zur Grünschnittdeponie gehört für viele so selbstverständlich zum Samstagnachmittag wie der „Tatort“ zum Sonntagabend. Gerade für Gartenbesitzer ist jetzt Hochbetrieb angesagt. Und zurzeit kann ja der Blick in die Natur auch noch besonders beruhigend wirken. Da blühen die Tulpen, da zwitschern die Meisen. Und man selbst denkt sich: Ach, ihr seid echt großartig. Macht einfach weiter mit eurem Programm und lasst euch von diesem Virus nicht die gute Laune verderben.

Vielleicht gehört ja auch Dieter Trapp zu dieser Gattung der Gute-Laune-Wesen, die auch außerhalb von Corona-Zeiten nicht immer leicht zu finden sind. Der 72-Jährige ist so etwas wie der Capo del Governe der Deponie, wie es der Italiener vielleicht im Spaß sagen würde, der Chefeinweiser der Annahmestelle für Grünschnitt in Offenbach, wie es die Verwaltung vielleicht im Ernst sagen würde. Seit sechs Jahren sorgt der Rentner als Minijobber für Ordnung auf der Anlage. Nur sieht er derzeit etwas anders aus als sonst.

Musik auf der Deponie: „Ich lasse alles laufen“

Trapp trägt nun eine orangene Warnweste. Darauf hat seine Tochter die Worte „Abstand halten“ geschrieben und die Form des Virus nachgezeichnet, die Botschaft muss klar sein. Um die Kunden einweisen und dabei trotzdem ordentlich Abstand halten zu können, hat sich der Rentner auch mit einer Lanze der etwas anderen Art ausgestattet. „Die habe ich schon seit 30 Jahren, ich habe sie damals für den Karneval gebastelt.“ Zum Spaß hat Trapp der Hand am Ende der Lanze auch noch einen Gummihandschuh angezogen. Virologen wären begeistert.

Wegen der Pandemie gelten für die Deponie andere Regeln. Trapp muss jetzt am Eingangstor der Anlage alle Autos zählen, die aufs Gelände fahren. „Als wir das erste Mal nach der kurzzeitigen Schließung samstags wieder aufgemacht haben, habe ich 465 Autos gezählt. Normalerweise sind es samstags zwischen 60 und 80.“ Vergangenen Samstag seien es 221 Fahrzeuge gewesen. Genauigkeit muss dann schon sein. „Da waren auch ein paar Leute aus Landau dabei, die ja normal nicht nach Offenbach kommen dürfen. Aber ich wollte sie nicht fortschicken.“

„Eine Frau hat sich persönlich bedankt bei mir“

Um die Gartenfreunde bei Laune zu halten, sorgt der Chefeinweiser mit seinem Megafon für Unterhaltung, damit kann er Musik abspielen. „Ich lasse alles laufen. Zum Beispiel Schlager.“ Die Reste vom Lorbeerbaum vom Anhänger holen und dabei Hansi Hinterseer im Ohr haben – was kann es Schöneres geben. Trapp sagt jedenfalls, die Leute freuten sich, dass er gerade jetzt etwas gute Laune versprühe. „Eine Frau hat sich schon persönlich bei mir dafür bedankt.“ Und deshalb wird Dieter Trapp wohl nicht der Corona-Depression anheimfallen, alles geht doch irgendwie vorbei. Und tapfere Ritter braucht es ja zu allen Zeiten.

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