Bad Bergzabern
„Das ist Diskriminierung“: Widerstand gegen Handyparken [mit Video]
Sind die Pläne der Stadt Bad Bergzabern bezüglich des Handyparkens, also des Parktickets per App, ein Aufreger oder hat sich da ein Thema bei wenigen Menschen hochgeschaukelt?
Wer sein Auto am Haus des Gastes beziehungsweise an der Südpfalz-Therme in Bad Bergzabern abstellt, sollte immer genügend Bargeld dabei haben, genauer: Münzen. Karten akzeptieren die Parkautomaten nicht. Und weil sie auch nicht wechseln, sollte der Nutzer stets den passenden Betrag parat haben. Damit soll im Laufe des Jahres Schluss sein.
Wieso Handyparken eingeführt wird
Neben den Automaten möchte die Stadt einen zusätzlichen Service etablieren: das Handyparken. Heißt: Sobald dieser Service eingeführt ist, sollen Parktickets alternativ über eine App mit dem Smartphone gekauft werden können. Der Vorteil: Nutzer können den Parkvorgang von unterwegs verlängern oder auch früher stoppen, um nur für die exakte Parkdauer zu bezahlen. Hat Charme. Die Frage ist nur: Will und kann das jeder?
Die Diskussionen zum Handyparken sind nicht deshalb aufgekommen, weil Menschen diese Bezahloption verteufeln. Sie stören sich vielmehr an den Überlegungen von Stadtbürgermeister Hermann Augspurger, dass es auf lange Sicht ausschließlich Handyparken geben soll. Laut Augspurger verursachen die Automaten zu viele Kosten. Aufgrund von Wartungen und wegen des speziellen Papiers, das für die ausgedruckten Parkscheine benötigt wird, sollen sie auf lange Sicht verschwinden. Anfangs werde man aber zweigleisig fahren, versichert der Stadtchef. Heißt, dass es neben der analogen Bezahlmöglichkeit diese digitale Alternative geben wird.
Wie ist das Meinungsbild?
Für Günter Angermann beispielsweise ist das völlig okay, nach solch einer Eingewöhnungsphase auf die reine digitale Lösung umzusteigen. Allerdings werde sich die Gesellschaft mit solchen digitalen Lösungen anfreunden müssen, so der 68-Jährige. Andere Länder machten es vor. „Und den Fortschritt kann man nicht aufhalten“, sagt der Bellheimer. Holm Herbig, der an diesem Nachmittag im März ebenfalls sein Auto an der Therme abgestellt hat, sieht es ähnlich. Nur, weil er 82 Jahre alt sei, heiße es nicht, dass er diesen Parkplatz meiden würde, wenn es nur Handyparken geben würde. „Das muss man mir nur einmal zeigen, dann wird das schon gehen“, ist der Mannheimer überzeugt. Andere sehen das kritischer.
So sprach beispielsweise Hubert Fingerle aus Klingenmünster in einem Leserbrief von Diskriminierung. „Nicht nur in meinem Bekanntenkreis gibt es zahlreiche Ältere, die überhaupt kein Handy oder nur ein älteres Normalhandy besitzen“, kommentierte er den Artikel „Parken auch ohne Kleingeld“, in dem es auch um die Handyparken-Pläne in der Kurstadt ging.
In Landau ein Erfolgsmodell
Von ähnlichen Sorgen hat auch Sandra Reichenbacher inzwischen mitbekommen. Sie ist die Geschäftsführerin der Staatsbad Bad Bergzabern GmbH. Die Gäste ihrer Südpfalz-Therme dürfte die Thematik ihrer Ansicht nach am meisten betreffen, weil vor allem sie den benachbarten Parkplatz oder den dahinter, am Haus des Gastes, nutzen würden. Abgesehen von Menschen, die mit dem Auto angefahren kommen und zur benachbarten Kinderärztin möchten oder ein anderes Ziel vor Augen haben.
Wie Reichenbacher berichtet, kommt es bei ihr in der Therme häufiger vor, dass Menschen noch Geld wechseln müssen, um sich ein Parkticket besorgen zu können. „Viele sind verwundert, dass dort nur mit Münzgeld bezahlt werden kann.“ Weil eben das Zahlen per Karte oder Handy inzwischen verbreitet sei. Umgekehrt kennt sie aber auch Badegäste, in der Regel ältere, für die Bargeld das Mittel der Wahl ist. Auch weil sie kein Smartphone nutzen oder es mit in die Therme nehmen möchten. Insofern wäre es für beide Personengruppen optimal, wenn zweigleisig gefahren werde.
In Landau ist Handyparken jedenfalls ein Erfolgsmodell. Vor sechs Jahren eingeführt, wird mittlerweile jedes vierte Parkticket dort mit dem Smartphone gekauft. Das hatte die Stadt auf Anfrage mitgeteilt. Die Servicepauschale, die manche App-Anbieter für jeden Parkvorgang fordern, zahlen die Nutzer.
