Bad Bergzabern
Das große Reinemachen: Schüler und Soldaten säubern Denkmal und Ehrenfriedhof
Es wird geschrubbt, Gras, Blätter und Unkraut werden entfernt. 34 Schüler und Soldaten des Elektronikzentrums der Bundeswehr haben den Soldatenfriedhof und das Ehrendenkmal am Liebfrauenberg wieder in einen würdigen Zustand versetzt. Ihr Beitrag zum Volkstrauertag war besonders eindrücklich. Bundesweit wird es am Sonntag Gedenkfeiern anlässlich des Volkstrauertages geben. Vor Denkmälern für die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges. Für die Opfer von Kriegen und Gewalt, die zahllos auch nach dem Zweiten Weltkrieg in vielen Ländern der Erde bestattet wurden und werden. Und auch, um angesichts des gegenwärtigen Kriegsgeschehens in Europa innezuhalten.
Mit Schaufeln, Besen, Metallbürsten und Rechen haben 21 Schüler im zweiten Ausbildungsjahr als Elektroniker für Geräte und Systeme beim Elektronikzentrum der Bundeswehr den Soldatenfriedhof in Bad Bergzabern gereinigt. Eine Tradition des Elektronikzentrums, das diese Arbeit schon viele Jahre lang macht.
„Keiner von uns will das erleben“
Laub wurde vom Gräberfeld entfernt, auf dem mehr als 800 Soldaten bestattet sind, die meisten sind im hart umkämpften Gebiet der Südpfalz gefallen. Ihre Lebensdaten stehen auf in die Erde eingelassenen Steinen, von denen das Moos entfernt wurde, damit die Namen wieder sichtbar werden. Der Platz vor dem großen Denkmal, auf dem die Gedenkveranstaltung stattfindet, wurde vom Unkraut befreit und mit frischem Kies bestreut. Die Sandsteintreppe zum Ehrenfriedhof musste mit der Stahlbürste geschrubbt werden. Zwischen 17 und 27 Jahre alt sind die Schüler, die sich bei der Arbeit ihre ganz eigenen Gedanken gemacht haben. „Es sind viele Soldaten in unserem Alter dabei, keiner von uns will das erleben“, sagt Jonathan.
„Es musste damals und heute nicht sein“, findet Jan. Alle Schüler sind zum ersten Mal bei dem Einsatz auf dem Soldatenfriedhof dabei. „Ich habe das Grab eines 16-Jährigen gesehen, er war zwei Jahre jünger als ich“, sind die Gedanken von Luca. Nachdenklich ist auch Rebecca beim Säubern der Grabsteine. „Ich laufe hier zwischen den Gräbern von Soldaten, ich finde es immer traurig, wenn Menschen im Krieg sterben müssen, sie hatten noch ihr ganzes Leben vor sich“, sagt sie.
„Die Schüler hatten zur Vorbereitung eine Unterrichtseinheit zu den Themen Krieg, Vertreibung und Flucht“, erzählt Stabsfeldwebel Thomas Barthel. Er zeigt einen kleinen, in die Sandsteinmauer am Ehrendenkmal eingelassenen Metallkasten, in dem die Daten aller Gefallenen auf Papier nachzulesen sind. Für jedermann einsehbar. „Wir haben vor Jahren einen Mann abgestellt, der ein halbes Jahr lang die Karteikarten aus dem Archiv der Stadt, die teils sehr schwer lesbar waren, in diese Listen übertragen hat“, erzählt Barthel. Froh ist er, dass die Daten digitalisiert sind, denn im vergangenen Jahr war die Liste verschwunden und konnte so problemlos ersetzt werden. „Es ist ein toller Einsatz der Schüler“, sagt der Leiter des Elektronikzentrums Wolfgang Eder, der auch an die 59 gefallenen Soldaten aus dem Krieg in Afghanistan erinnert. „Durch den Krieg in der Ukraine ist das Gedenken jetzt mehr in die Öffentlichkeit gerückt“, findet er.
Viel ist über das Denkmal nicht bekannt
Jenseits der Öffentlichkeit auf dem Liebfrauenberg geht ein weiterer Einsatz von Soldaten des Elektronikzentrums vonstatten, und zwar am Ehrendenkmal für die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges. Es steht unterhalb der Kapelle am Liebfrauenberg an einem Wanderweg. Groß, halbrund aus Sandsteinen gemauert und mit zwei Sitzgelegenheiten. Jesus am Kreuz, Maria und Johannes der Täufer links und rechts von ihm, sind als Figuren aus rotem Sandstein unter der Inschrift „Es ist vollbracht“ zusehen. Viel wisse man nicht über das Denkmal, erklärt Hauptmann Thomas Weidmann. 1916 wurde es für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges errichtet. „Die Jahreszahl des Kriegsendes konnte 2016 natürlich noch nicht eingemeißelt werden, deshalb blieb das Feld für das Datum des Kriegsendes damals offen“, erklärt Oberstabsfeldwebel Olav Bier.
Das damalige Instandsetzungszentrum in Bad Bergzabern, das heutige Elektronikzentrum der Bundeswehr, hat die Pflege des Ehrendenkmals übernommen. 2007 wurden die großen Sandsteinfiguren abgenommen und restauriert. In diesem Jahr musste das ganze Denkmal mit einem Hochdruckreiniger gesäubert werden. Unterstützung kam von der Feuerwehr Bad Bergzabern, die das Wasser für den Reiniger geliefert hat. „Das Ehrendenkmal war handdick mit Moos bewachsen, und alles war voll Dreck“, erzählen die Soldaten. Bei den Fugen war viel Handarbeit nötig. Im Frühjahr sollen die Sandsteinfiguren wieder restauriert werden, damit der weiche Sandstein nicht Wind und Wetter zum Opfer fällt.