Kreis Südliche Weinstraße Das ganze Spektrum der Polizeiarbeit
. „Das Pfalzklinikum in Klingenmünster ist ja wie ein Dorf – und kein ganz kleines“, stellt Dieter Wolff, Leiter der Polizeiinspektion Bad Bergzabern, fest. Rund 2000 Beschäftigte hat das Pfalzklinikum an seinen 14 Standorten in der Pfalz, davon weit über 1000 in Klingenmünster. Es verfügt über rund 1000 Betten, dazu kommen viele ambulante Angebote. Jährlich werden rund 30.000 Menschen behandelt und betreut, die große Mehrzahl davon in Klingenmünster. Dazu kommen die vielen Besucher. Ein Blick auf die stets vollen Parkplätze rund um das Klinikum lässt erahnen, welche Menschenmengen sich täglich auf dem riesigen Gelände aufhalten. Entsprechend vielfältig ist das Aufgabengebiet von Polizist Uwe Bauer. Er ist zuständig für das Pfalzklinikum. „Da wird das ganze Spektrum abgedeckt“, sagt Bauer. Anzeigen werden aufgegeben, „die nicht unbedingt einen Bezug zum Pfalzklinikum haben müssen“. Mal geht es um Diebstahl, mal um Einbruch, oft sind es aber auch Verkehrsdelikte, um die sich die Polizei kümmern muss, zumeist kleinere Unfälle auf den Parkplätzen. Oft wird Bauer auch von anderen Polizeidienststellen um Hilfe gebeten. Die Patienten im Pfalzklinikum kommen schließlich nicht nur aus der Südpfalz. Seit 2014 ist Bauer als Bezirksbeamter bei der Polizeiinspektion Bad Bergzabern für das Pfalzklinikum zuständig, nachdem sein Vorgänger, der diesen Job über 20 Jahre ausgeübt hat, in den Ruhestand gegangen ist. „In dieser Funktion ist Vertrauen ganz wichtig, deshalb zählt hier Kontinuität ganz besonders“, betont Bauers Vorgesetzter Dieter Wolff. Bezirksbeamte spielen bei der Polizei in Rheinland-Pfalz eine wichtige Rolle. Sie sollen kompetente Ansprechpartner sein, den Kontakt zu Bürgern und Institutionen in ihrem Bezirk pflegen und die anfallenden Straftaten bearbeiten. „Ich bin zwei bis drei Tage pro Woche hier im Pfalzklinikum, die andere Zeit bin ich in der Inspektion mit Sachbearbeitung beschäftigt“, sagt Bauer. Ein Büro hat er in Klingenmünster nicht. Grundsätzlich tritt er im Pfalzklinikum in zivil auf. Das wirkt vertrauenserweckender. Vertrauen – das ist das wohl am meisten gebrauchte Wort bei der Beschreibung der Zusammenarbeit von Polizei und Pfalzklinikum. „Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit ist für uns natürlich von zentraler Bedeutung“, sagt Sven Kaufmann, Pflegedienstleiter der Kliniken für Neurologie und Gerontopsychiatrie. Schließlich gibt es in der Bevölkerung immer noch Vorbehalte gegen das Pfalzklinikum, auch wenn diese in den vergangenen Jahren deutlich abgebaut werden konnten. „Transparenz ist für uns deshalb sehr wichtig, so weit das im rechtlichen Rahmen möglich ist“, ergänzt Gerd Wagner, Pflegedienstleiter der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Wagner und Kaufmann verweisen auf die Projektgruppe „Dialog und Sicherheit“, die sich mindestens einmal pro Jahr trifft. In ihr werden auch sicherheitsrelevante Themen besprochen. Neben Vertretern des Pfalzklinikums und der Polizei nehmen auch die örtlichen Bürgermeister, Schulleiter, die Leiter von Kindergärten, Vereinsvorsitzende und viele andere Vertreter von gesellschaftlich relevanten Gruppen teil. „Das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung ist uns sehr wichtig“, betont Kaufmann. Etwa vier bis fünf Mal pro Jahr müsse ein Hubschrauber angefordert werden, weil eine Person aus dem Pfalzklinikum vermisst werde, sagt Werner Bollinger von der Polizei Bad Bergzabern. Der Hubschrauber kommt dann aus Willingen bei Koblenz oder aus Hessen. Fast immer wird auch eine Suchhundestaffel eingesetzt. Unterstützt wird die Polizei in diesen Fällen auch von der Freiwilligen Feuerwehr des Pfalzklinikums. Es gibt standardisierte Verfahrensabläufe. Wird eine Person vermisst, bespricht Uwe Bauer den Fall zunächst mit dessen Bezugstherapeuten. Da kommt ihm zugute, dass er inzwischen die Therapeuten fast alle persönlich kennt. „Wir gehen dann in der Regel recht schnell an die Öffentlichkeit“, sagt er. In vielen Fällen gehe es schließlich um hilflose Personen. „Es ist natürlich auch davon abhängig, ob Suizidgefahr besteht“, ergänzt Gerd Wagner. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Suchaktion ist der Fall für die Polizei aber noch lange nicht beendet. „Wir legen sehr großen Wert auf die Einsatznachbetrachtung“, sagt Dieter Wolff. „Was ist gut gelaufen, was ist schlecht gelaufen?“ Der Inspektionsleiter lobt dabei die Zusammenarbeit mit dem Pfalzklinikum: „Das läuft hochprofessionell ab.“ Immer mal wieder wird Bauer um Amtshilfe gebeten, weil gegen einen Patienten ein Haftbefehl besteht. Den Fall überprüft er dann, so einfach festnehmen, kann er den Patienten aber nicht. Es hängt davon ab, ob jemand per Gerichtsbeschluss oder freiwillig in der Klinik ist. „Die Freiheit ist eines der höchsten Güter, die wir haben“, betont Sven Kaufmann. Hat sich jemand freiwillig in die Klinik begeben, kann er sie auch jederzeit wieder verlassen. Natürlich besteht in schwerwiegenden Fällen die Möglichkeit, einen Gerichtsbeschluss zu erwirken. „Aber“, so Bauer, „oft sind das eher harmlose Fälle.“ Ein Patient hat eine Strafe trotz mehrfacher Aufforderung nicht bezahlt: Irgendwann winkt dann der Haftbefehl. Die Handschellen müssen aber nicht gleich klicken.