Billigheim-Ingenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Caterer in der Corona-Krise: Hof und Garten werden zu Restaurant

Sonja Weiß-Wellauer (58) ist gelernte Restaurantfachfrau, ihr Mann Klaus Wellauer (64) ist Werbekaufmann. Das Paar hat seinen Ga
Sonja Weiß-Wellauer (58) ist gelernte Restaurantfachfrau, ihr Mann Klaus Wellauer (64) ist Werbekaufmann. Das Paar hat seinen Garten für Gäste geöffnet.

Die Catering-Branche gehört zu den besonders gebeutelten in der Corona-Krise. Nach dem Aus für Veranstaltungen brachen viele Einnahmen weg. Sonja Weiß-Wellauer vom gleichnamigen Party-Service in Billigheim ließ sich nicht entmutigen. Kurzerhand hat sie den Garten und den Hof ihres Wohnhauses für die Gästebewirtung geöffnet. Nach vielen Hürden.

„Es war ein Kraftakt, bis wir unsere in der Not geborene Idee verwirklichen konnten“, sagt Sonja Weiß-Wellauer der RHEINPFALZ. Sie ist Geschäftsführerin des Familienunternehmens. Seit 2002 betreibt sie mit ihrem Mann Klaus Wellauer und einem fünfzehnköpfigen Team die Weiß & Wellauer GmbH im Billigheimer Gewerbegebiet. Nun sind es noch drei Mitarbeiter. „Nie zuvor mussten wir um unsere Existenz bangen. Wir waren jeweils von März bis Dezember ausgebucht.“ Allen voran aktiv war das Catering-Unternehmen auf regionalen Weinfesten, aber auch auf Messen und Märkten sowie bei Stadtfesten. Auch außerhalb der Pfalz. Bis zum Corona-Gau.

Nachdem alle Versuche auf staatliche Unterstützung durch ihre Bank ins Leere gelaufen seien, hätten Frust und Enttäuschung in Tatendrang umgeschlagen, sagt Weiß-Wellauer. Neben ihren schon zuvor im Hofladen und im Internet angebotenen handgemachten „Pfälzer Gourmet Spezialitäten“ entschied sich die Familie auch für Angebote zum Mitnehmen, die vom Fingerfood über Pfälzer Hausmannskost bis zu mediterranem Speisen reichen, vom Fitnesssalat über Spargel-Schnitzel, Saumagen, Garnelen-Pfännchen bis hin zu Rumpsteak-Variationen. Mit Weinen von Winzern aus der Region, die auch ihre ersten Gäste waren. „Sie, Freunde und Kunden haben uns die Treue gehalten. Besonders die Billigheimer und Rohrbacher haben uns unterstützt, was wir sehr zu schätzen wissen und wofür wir allen sehr dankbar sind“, sagt Weiß-Wellauer.

Oase in mediterranem Stil

Auf das neue kulinarische Angebot mitten im Gewerbegebiet, Industriestraße 12 a, weist seit Kurzem ein Schild am Straßenrand hin. Die letzte Hürde zur Eröffnung musste über das Ortsgremium genommen werden, das in seiner Sitzung Ende Mai dem Antrag der Familie für eine Außenbestuhlung auf dem Firmengelände einstimmig entsprach. Nun dürfen in dem attraktiv umgestalteten Hof des Anwesens rund 20 Gäste speisen. Und damit nicht genug. Aus dem großen Garten der Besitzer wurde ein mit Kieswegen versehenes und mit heimischen wie mediterranen Pflanzen gestaltetes gastronomisches Freigelände. Eine Oase mit lauschigen 48 Plätzen und Tischen im Landhausstil. Mal mit, mal ohne Blick auf den Swimmingpool. Und sollte der Andrang größer werden, bietet die Terrasse noch mal zehn weitere Plätze.

Sei’s drum, dass dafür ein Stück Privatsphäre geopfert wurde, wie das Ehepaar anmerkt. Die positive Resonanz der Gäste zeige, „dass sich all die Mühen für dieses Vorhaben gelohnt haben“. Und die Familie wird weiterkämpfen, denn überm Berg ist sie freilich nicht. „Die vom Bund angekündigte Hilfe brauchen wir ebenso wie die schon bedachte Gastronomie“, sagt Weiß-Wellauer. „Wir wissen nicht, wie lange wir so noch durchhalten. Wir wollen aber die Hoffnung nicht aufgeben.“

Info

Der Hof des Caterers ist wie folgt geöffnet: donnerstags und freitags ab 17 Uhr, samstags ab 16.30 Uhr, sonntags und an Feiertagen ab 12 Uhr.

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