Annweiler
Buchmann legt Kartonmaschine still und streicht bis zu 45 Stellen
Seit über 120 Jahren wird in Sarnstall Karton hergestellt. Das Areal der Firma Buchmann erstreckt sich über zwei Straßenseiten und ist fast so groß wie der Stadtteil selbst. Für rund 360 Mitarbeiter ist die Kartonfabrik Brötchengeber. Ein wichtiges, regional verwurzeltes Unternehmen, das soziale Verantwortung trägt, dafür steht Buchmann. Indes, viel Aufhebens haben die Sarnstaller darum nie gemacht. Die Buchmänner gehören eher der Kategorie verschlossene Auster an. Umso mehr verwundert es, dass sich das Unternehmen nun von sich aus an die RHEINPFALZ wendet. Man merkt: Große Veränderungen stehen an.
Immer mal wieder ist in den vergangenen Jahren zu hören, dass es der Kartonfabrik wirtschaftlich nicht mehr so gut geht. „Das stimmt, wir hatten große Schwierigkeiten. Das Unternehmen lief lange Zeit defizitär“, gibt Geschäftsführer Daniel Schätzle zu, der seit 2017 an Bord ist. Vor etwa einem Jahr habe man das Ruder rumreißen können. Die Auftragsbücher seien voll. „Seit 2018 können wir den Umsatz steigern und die Verluste, die das Unternehmen schreibt, reduzieren“, berichtet er, ohne genaue Zahlen nennen zu wollen. Um das Ganze erreichen zu können, habe das Unternehmen viel investiert – und wird sich nun von Altlasten trennen.
Alte Maschine nicht mehr wettbewerbsfähig
Gemeint ist die Kartonmaschine 2 aus dem Jahr 1929, die zum 31. März 2021 stillgelegt wird, wie das Unternehmen ankündigt. Sie ist eine von zwei Papiermaschinen, mit denen Buchmann Kartons herstellt. Problem der KM2: Sie ist mit ihrer geringen Arbeitsbreite von 2,50 Meter und ihrer begrenzten Geschwindigkeit nicht mehr wettbewerbsfähig, wie Schätzle verdeutlicht. Während moderne Maschinen auf eine Jahresproduktion von 300.000 bis 400.000 Tonnen kämen, schaffe diese gerade mal ein Zehntel.
Es sei nicht geplant, eine neue Maschine als Ersatz anzuschaffen. Vielmehr will Buchmann in seine andere Maschine investieren und das Unternehmen ganz um diese herum ausrichten. So handhabten es auch viele Mitbewerber. Der Karton, der auf der verbleibenden Anlage KM3 herstellt wird, ist Recycling-Material für Faltschachteln, etwa für Cornflakes- oder Pizzaschachteln, die in verschiedene EU-Länder geliefert werden. Auf der alten Maschine wurde höherwertiger Karton aus Frischfasern produziert, der beispielsweise für Pharmaverpackungen genutzt wird. Dafür musste Buchmann das Rohmaterial zukaufen, was sowohl unter ökonomischen als auch ökologischen Aspekten nicht mehr vertretbar sei, so Schätzle.
Möglichst keine betriebsbedingten Kündigungen
„Es wurde lange an der Maschine festgehalten. Aber jetzt müssen wir diesen Verlustbringer rausschneiden“, macht Schätzle deutlich. Das trifft die Belegschaft hart. „Wir haben Leute, die haben 45 Jahre daran gearbeitet. Es ist nicht einfach für sie“, berichtet Betriebsratsvorsitzender Uwe Brandenburger auf Anfrage der RHEINPFALZ. Die Hälfte der KM2-Mannschaft sei über 30 Jahre an der Maschine tätig. Die Nachricht, dass diese nun das Ende ihrer Tage erreicht habe, trübe die Stimmung im Betrieb sehr, ist Brandenburgers Einschätzung. Oberste Priorität des Betriebsrats sei es nun, dass alle Mitarbeiter weiterbeschäftigt werden können und es trotz Stellenabbaus zu keinen betriebsbedingten Kündigungen komme, macht er deutlich. „Es ist wichtig, dass uns die Geschäftsleitung einen Plan vorlegt, wie es weitergehen soll“, sagt Brandenburger. Für den 23. November ist ein erstes Treffen zwischen Chefetage und Betriebsrat terminiert. In einer Arbeitsgruppe sollen dann Lösungen gesucht werden.
Denn die Stilllegung der Produktionslinie betrifft unmittelbar 30 Mitarbeiter. Mittelfristig könnte es sogar zu einem Abbau von bis zu 45 Stellen kommen, kündigt der Geschäftsführer an. Ziel der Unternehmensleitung sei es aber, die Umstrukturierung ohne betriebsbedingte Kündigungen zu vollziehen. Altersteilzeit, Frührente, Arbeitsplätze an anderer Stelle erhalten – das sind die Pläne. Schätzle macht aber auch deutlich, dass befristete Verträge nicht verlängert werden.
Ziel: Standort erhalten
„Den Produktionsverlust von rund 30.000 Tonnen können wir mit der KM3 wettmachen“, ist Schätzle zuversichtlich. Investitionen im zweistelligen Millionenbereich seien dafür in den nächsten Jahren geplant. Bis 2025 will Buchmann auf 310.000 Tonnen pro Jahr kommen, aktuell liegt das Unternehmen mit beiden Maschinen bei 280.000 Tonnen. „Das erklärte Ziel ist es, den Standort und die Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Umfeld zu stärken und damit auch zu sichern“, betont Schätzle.