Billigheim-Ingenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Bischoff-Mühle: Großer Mehllieferant mit bewegter Geschichte

Familie Bischoff und ihre Nachfahren produzieren in zehnter Generation Mehl in der Mühle.
Familie Bischoff und ihre Nachfahren produzieren in zehnter Generation Mehl in der Mühle.

Am rauschenden Bach: Von den ursprünglich neun Getreidemühlen entlang des Kaiserbaches ist als Mühlenbetrieb nur noch die Obermühle übrig geblieben. Bekannt ist sie heute als Bischoff-Mühle – eine der größten noch aktiven Mühlen der Region. Die Mühlenromantik vergangener Tage ist hochmodernenr Technik gewichen.

Handwerks- und Großbäckereien der Region setzen auf die Mehle der Bischoff-Mühle. In gut sortierten Supermärkten und natürlich im eigenen Mühlenladen können Endverbraucher das in Appenhofen gemahle Getreide erwerben. Die Bischoff-Mühle ist in der Südpfalz wohlbekannt. Heute führt sie Müllermeister Edmund Frey, unterstützt von seiner Ehefrau Margit. Die Familie betreibt die Mühle in zehnter Generation seit 1748.

Die Geschichte der Mühle lässt sich aber sogar bis zum Jahr 1586 zurückverfolgen, damals noch unter dem Namen Obermühle. In diesem Jahr erschienen drei Familien aus Steinweiler vor dem Dorfgericht zu Appenhofen, um einen Schuldbrief von 90 Gulden zur „Besserung an ihrer Mühle zu Appenhofen, oben am Bach und dem gemeinen Weg gelegen“ aufzunehmen. Die Mühle wurde vom Stift Klingenmünster verpachtet und von Joachim Heber, als erstem bekannten Müller als kurpfälzische Mühle betrieben. Schon 1739 waren in der Mühle ein Schälgang und zwei Mahlgänge in Betrieb. Zu dieser Zeit war Heinrich Friedrich Martin der Besitzer, der die Mühle für 2250 Gulden gekauft hatte. In einer Urkunde ist die Rede von einer Mühl- und Wohnbehausung, Hof, Stall, Äcker, Wiesen und Weinberge samt Zubehör.

So entstand der Name Bischoff-Mühle

1748 ersteigerte Konrad Jacob, der auch Eigentümer der Untermühle war, die Obermühle, verkaufte sie aber im gleichen Jahr an Adam Schmidt aus Eberbach. Dieser übertrug die Mühle im Jahr 1762 an seinen Schwiegersohn Andreas Bischoff, dem Namenspaten der heute noch so benannten Bischoff-Mühle. Schon 1755 wurde Bischoff vor dem kurpfälzischen Gericht als Bürger angenommen. Nach dem Tod des alten Schultheißen Heinrich Friedrich Martin im Jahr 1791 wurde Andreas Bischoff das Amt übertragen. Seine Frau Maria Katharina gebar ihm zehn Kinder. Von den fünf Buben verblieb nur einer, nämlich Johann Adam Nepomuk (1759 – 1824), als Stammhalter. Nach seinem Tod wurde Andreas Bischoff in Appenhofen begraben. Heute noch erinnert das steinerne Grabkreuz in unmittelbarer Nähe der Johann-Baptist- Kapelle an den Mann, der die Geschichte der Gemeinde Appenhofen geprägt hat.

Seine Sohn heiratete 1782 Eva Barbara aus Bellheim. Ein Jahr später wurde dem Ehepaar die Obermühle übereignet. Auch Johann Adam Nepomuk Bischoff wurde zum Schultheißen von Appenhofen ernannt und war zudem ab 1801 Bürgermeister. 1820 erhielt sein Sohn Georg Adam die Mühle, der 1829 ebenfalls zum Bürgermeister ernannt wurde. Mit seiner Ehefrau Elisabeth aus Offenbach hatte er elf Kinder.

Besitz wird unter Kindern aufgeteilt

1858 teilte der inzwischen zum Witwer gewordene Georg Adam Bischoff seinen Besitz unter seinen vier noch lebenden Kindern auf. Georg Adam Bischoff II. erhielt die Mühle. In dieser Zeit löste er die alte kurpfälzische Wasserpacht von 1731 auf. Aus seiner Ehe mit Appolonia aus Oberhausen gingen elf Kinder hervor. In der nächsten Generation hatte Anton Bischoff das Eigentumsrecht über die Mühle. Er war verheiratet mit Elisabeth aus Mörsch. Das Ehepaar hatte sieben Kinder. In dieser Zeit wurde die Mühle erweitert und erneuert.

1928 übernahm Theodor Bischoff die Mühle von seinem Vater. Er hatte jeweils 4000 Goldmark an seine Geschwister zu zahlen. Aber schon im Jahr 1908 war man durch den Einbau eines Dieselmotors unabhängig von der Wasserkraft des Kaiserbachs. Neue Walzenstühle verbesserten den Mahlvorgang und die Ausbeute. 1938 wurde die erste elektrische Turbine eingebaut. Damit ging das alte von Wasser getriebene Mühlrad in die Geschichte ein. Theodor Bischoff heiratete 1930 Margarethe aus Mertesheim. Von den fünf Kindern kamen die beiden Söhne durch tragische Unfälle ums Leben.

In Kriegsjahren viele Hungernde versorgt

Theodor Bischoff bleibt auch seines sozialen Engagements wegen unvergessen. In den Kriegs- und Nachkriegsjahren ließ er keinen Bittenden weggehen, ohne ihm mit Mehl oder einem Stück Brot geholfen zu haben. Einen schweren Schicksalsschlag hatte die Familie Bischoff zu verkraften, als der Schwiegersohn, Müllermeister Kurt Frey, durch einen Unfall in der Mühle sein Leben verlor. Theodor Bischoff führte daraufhin die Mühle solange fort, bis sein Enkel Edmund Frey, Müller und Kaufmann, den Mühlenbetrieb übernahm und bis heute führt.

Mittlerweile dominiert in der Mühle hochmoderne Technik. Der Wirtschaftsbetrieb muss sich gegen die Konkurrenz durchsetzen. Die Mühle wird fortlaufend modernisiert und verbessert. Getreidesilos, Mehlsilos, Erweiterung des Fuhrparks und der Lagerkapazität erfordern immer Investitionen. Für die Endverbraucher wurde vor einigen Jahren ein Mühlenladen eröffnet, in dem Mehl, Grieß, Müsli, Dinkelmehl, aber auch Backzutaten angeboten werden. Dieser Laden erfreut sich großer Beliebtheit, wie Frey berichtet. Obwohl Sohn Johannes Frey, ebenfalls gelernter Müller, die Mühle in der elften Generation weiterführen will, wagt Edmund Frey noch keine Prognosen.

Die Serie

Fließgewässer waren für das Müllerhandwerk früher unersetzlich. An Bächen aufgereiht wie an einer Perlenkette prägten Mühlen das Landschaftsbild. Viele sind dem Mühlensterben, um die vorletzte Jahrhundertwende, zum Opfer gefallen. Welche Geschichte steckt hinter den Bauwerken in der Südpfalz? Und wie werden die Anwesen heute genutzt? Diesen Fragen gehen wir in unserer Serie „Am rauschenden Bach“ nach.

Ein alter Mühlstein.
Ein alter Mühlstein.
Das heute noch erhaltene Grabkreuz von Andreas Bischoff.
Das heute noch erhaltene Grabkreuz von Andreas Bischoff.
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