Kreis Südliche Weinstraße Bis zum letzten Körnchen

Walter Paul hatte immer ein offenes Ohr für die Probleme seiner Kunden, sei es mit Tieren oder Menschen.
Walter Paul hatte immer ein offenes Ohr für die Probleme seiner Kunden, sei es mit Tieren oder Menschen.

Walter Paul, Inhaber des Fachgeschäfts „De Same Paul“ in Bad Bergzabern, hatte mehr als 45 Jahre auch immer ein offenes Ohr für die Probleme seiner Kunden, sei es mit Tieren oder Menschen. Krank war er in all den Jahren nie, und das bei einer Sechs-Tage-Woche. Sein Laden wirkt ein bisschen wie aus der Zeit gefallen. Kein raffiniertes Konzept, das zum Kauf verführt. Die Theke steht seit der Geschäftseröffnung. 1952 hatte seine Mutter Magdalena Paul ein Geschäft für Sämereien und Gartenbedarf wenige Meter vom jetzigen Standort entfernt eröffnet. „Ich bin im Laden aufgewachsen“, erinnert sich der heute 63-jährige Sohn, der in Kleinsteinfeld geboren ist. „Als rei, des geht zwischedurch“, begrüßt er einen Kunden während des Gesprächs mit der RHEINPFALZ. Hugo braucht Hirse für seine Hühner, die Paul aus einem großen Sack holt und abwiegt. „Ich hab’ dies Johr 72 junge Schwalbe am Haus g’habt“, erzählt der Kunde. 1970 machte Paul eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann in Karlsruhe und arbeitete bis 1975 bei seinem Lehrherrn, bis er 1976 das elterliche Geschäft übernahm, das im selben Jahr in die Marktstraße umzog. Das Haus mit einer großen Wohnung und dem Ladengeschäft steht jetzt zum Verkauf. Ein etwas flaues Gefühl habe er schon, wenn er jetzt die Türen schließe. Er habe viele langjährige Kunden, da seien auch persönliche Beziehungen entstanden, sagt der Tierfachmann. Das beweist der nächste Kunde, der Tierbilder aus dem Urlaub mitgebracht hat und Paul in die Probleme seiner Ehe einweiht. „In den 70er- und 80er-Jahren hat das Geschäft gebrummt, die Leute kamen aus der ganzen Region und aus Weißenburg. Weniger wurde es mit den zunehmenden Geschäftsschließungen ab 1995“, erzählt der zweifache Vater, der seine Frau Ilona, die im Geschäft mitgearbeitet hat, 1980 geheiratet hat. Sämereien, Düngemittel, Pflanzenschutzmittel, Futter für Fische, Vögel, Hühner, Igel oder andere Kleintiere, alles für den Hund und fachliche Beratung – das Angebot in dem kleinen Laden war groß. Viele Kunden kämen jetzt aus Altersgründen nicht mehr, Laufkundschaft sei ausgeblieben, viele würden auf der grünen Wiese oder im Internet kaufen, manche nach einer Beratung bei ihm, erzählt der Kaufmann, dessen Umsatz um gut ein Drittel eingebrochen ist. „Ich ziehe die Reißleine, bevor ich ganz in die Miesen komme“, sagt er zur Schließung. Jeden Dienstag hat Paul über die Jahre Setzlinge in Lustadt gekauft: Salat, Zucchini, Tomaten, Paprika, was eben im Garten so wächst. Die Qualität wussten seine Kunden immer zu schätzen. Und es bot sich natürlich auch an, von der früher gegenüber liegenden RHEINPFALZ-Redaktion alte Zeitungsausgaben zu verwenden, um die Setzlinge darin einzupacken. „Ich brauch en Propeller fer mei Pump“, sagt ein weiterer Kunde. Eine Pumpe ist noch vorrätig, die 21 Aquarien sind bereits leer. „Allein der Unterhalt der Aquarien hat 4500 Euro im Monat gekostet“, sagt Paul. Auf rote Zahlen in der Bilanz will er es nicht ankommen lassen. „Fische sind mein Hobby, auch daheim“, berichtet Paul. Nicht zählen kann er die Ratschläge, die er zu Schädlingen im Garten, Problemen mit Fischen oder Vögeln gegeben hat. Die letzten Bestände stehen noch in den Regalen, vor der Ladentür noch einige Vogelhäuschen aus Holz, in den Käfigen zwitschern noch einige Vögel, in wenigen Tagen wird alles leer sein. „Ich hoffe, sie können uns helfen, wir brauchen Kackebeutel“, sagt ein Paar mit Hund zu Paul, das zu Besuch in der Kurstadt ist. Sie werden direkt bedient. „Ich gehe lieber in so schöne kleine Läden, ich bin für die Unterstützung des Einzelhandels“, sagt wiederum ein langjähriger Kunde, der es sehr schade findet, dass „De Same Paul“ schließt.

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