Kreis Südliche Weinstraße Billigheim-Ingenheim: Träumerisch anmutend
Zu seinem Jahreskonzert hatte der Evangelische Kirchenchor Ingenheim in die protestantische Kirche Ingenheim eingeladen. Unter dem Motto „Cantemus – Lasst uns singen“ hatten Chor und Chorleiterin Birgit Kern eine interessante Programmfolge aus der Welt der neueren Kirchenmusik gewählt.Diese überwiegend moderne geistliche Chormusik aus Europa geriet zu einem bemerkenswerten, geradezu Kammermusik ähnlichen Konzertereignis. Im voll besetzten Kirchenraum begrüßte der Chorvorsitzende Ralf Piepenbrink die Konzertbesucher, sowie die musikalischen Mitstreiter und Instrumentalpartner des Chors, die Flötistin Jessica Marwitz, den Organisten Daniel Kaiser, Stefan Heinlein an der Gitarre und den jungen Leopold Hirsch am Schlagzeug.
Mit Lorenz Maierhofers „Cantemus“, einer durchaus lebhaften Komposition startete der Chor sehr solide und gekonnt auf den Punkt gesungen ins Programm. Schöner Chorklang in der Folge dann auch bei den von der souverän agierenden Instrumentalgruppe begleiteten Liedern aus dem Liederbuch der protestantischen Landeskirche, wie zum Beispiel „Da wohnt ein Sehnen tief in uns“, homogen und dennoch wohltuend gepflegt. Auch bei „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“ oder „Du bist mein Zufluchtsort“ gefiel der leistungsorientierte Chor mit sauber differenziertem Singen, rhythmusbetont, fast tänzerisch, mit bemerkenswerter stimmlicher Klarheit und sprachlicher Ausformung.
Bei den fünf Teilen von Christopher Tamplings „Missa Festiva“ mit der bestechenden Orgelbegleitung Daniel Kaisers überzeugte der Chor mit adäquater sängerischer Gestaltung, ruhig und getragen beim „Kyrie“ oder dem „Agnus Dei“, jubelnd, glänzend und kraftvoll beim „Gloria“. Mark A. Millers facettenreiches „I Believe“, mit zarten, leicht und schwebend führenden Frauenstimmen in diesem feinfühlig-melodiösen liedhaften und damit komplexen Satz erfüllte den Anspruch von Chorsingen mit hoher gesanglicher Reife und enormer Klangqualität. Louis Lewandowskis Psalmenvertonungen „Wohlan preiset den Ewigen“ und „Befiehl dem Ewigen deinen Weg“ aus dem 19. Jahrhundert gestalteten die Sängerinnen und Sänger in sauberer Intonation und Artikulation.
Die Flötistin Jessica Marwitz begeisterte bei Arthur Honeggers Flötensolo „Danse de la Chevre“, eine anspruchsvolle Komposition, die von der Solistin in sanft dahinströmender Melodik, fast träumerisch anmutend mit großer Sensibilität und erstaunlicher technischer Perfektion dargeboten wurde.
Der bekannte Organist und Pianist Daniel Kaiser erwies sich im Laufe des Konzerts nicht nur als feinsinniger Begleiter des Chors am Piano und Mitglied der exzellenten Instrumentalgruppe dieses Abends. Überaus eindrucksvoll war auch sein Orgelsolo bei Frederick William Holloways Partien aus der „Suite Arabesque, op. 57“, daraus das „Andante morisco – Arabia Deserta“. Wobei Daniel Kaisers reifes Orgelspiel den Zuhörer die arabische Wüstenlandschaft ahnen lässt, gekonnt ebenso das „Allegretto leggiero – Arabia Felix“ ein Satz von angenehmer musikalischer Leichtigkeit. Die Orgel dann massiv-gewaltig beim Finale der „Suite Arabesque“, versetzt mit sehr melodiösen Passagen oder auch gekonnt virtuos vom Organisten vorgestellt. Großer Applaus des begeisterten Auditoriums war der Lohn für den Kirchenchor.