Kreis Südliche Weinstraße Berliner Mauer am Viehstrich

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„Es ist alles so, wie Manfred es verlassen hat“, sagt Martin Robert Galle, der neue, ehrenamtliche Leiter des Westwallmuseums in Bad Bergzabern. Er hat großen Respekt vor der Arbeit seines Vorgängers, die er mit einem bestens eingespielten freiwilligen Helferteam fortführen möchte. Zudem will er das Museum deutlich stärker als Touristenattraktion publik machen. Denn das kleine Museum, das 1998 auf Privatinitiative von Hans und Helga Fuchsgruber eröffnet wurde, damit niemals vergessen wird, was in dieser Region unter der Hitlerdiktatur passiert ist, hat damals wie heute alle Aufmerksamkeit verdient. „Gerade die jungen Leute haben oft keine ja Ahnung, dass der Zweite Weltkrieg auch direkt vor der eigenen Haustür stattfand“, sagt Galle, selbst Vater eines 26-jährigen Sohnes. „Man sollte sich in Erinnerung rufen, dass die Südpfälzer bei der Evakuierung der ,Roten Zone’ genauso Flüchtlinge waren wie die Menschen, die heute aus Syrien und anderen Ländern nach Deutschland kommen. Dass viele Dörfer an der Grenze bis zu 95 Prozent zerstört und genauso platt waren wie das heutige Aleppo“, erklärt der in Landau lebende Hobby-Historiker die Beweggründe für sein Engagement. „Wir sind ein Team von etwa sieben Leuten, die sich über weitere Helfer freuen. Alle packen mit an, damit hier Heimatkunde zum Anfassen stattfinden kann – damit’s auch nicht vergessen wird.“ Das Museum sei dafür ein herausragender Ort, weil es einen Originalschauplatz zeige. „Seine drei Artilleriebunker sind in ganz Deutschland die einzigen, die es noch vom Westwall gibt.“ Und die betonschwere Siegfriedlinie war bekanntlich über 600 Kilometer lang und zog sich von Kleve an der niederländischen Grenze bis zur Schweiz. Der Oberotterbach-Abschnitt mit seinen Bunkern, Panzergräben und Höckerlinien als besonders dicht organisiertes Teilstück mittendrin. „Ich vergleiche das hier mit der Berliner Mauer“, meint Galle. „Es war eine waffenstarrende Grenze“, die auf die Menschen auch psychische Auswirkungen hatte. Denn wer seine Arbeitskraft für den Bau verweigerte, kam ins Straflager. „Da gab es keinen freien Willen, keine Wahl, keine Möglichkeit, lieber kreativ etwas anderes zu machen.“ Mit solchen Einsichten will Galle, dessen Interesse für die Militärgeschichte durch die Biografie seines Großvaters geweckt wurde, der als Offizier den Ersten Weltkrieg überlebte, den Bogen in die Gegenwart schlagen. „Was sind Grenzen? Was ist Krieg? Was ist Vertreibung? Wenn man es hautnah erleben muss, fühlt es sich anders an, als wenn man es im Fernsehen aus Syrien sieht oder als Videospiel nachempfindet“, meint der gelernte Restaurantfachmann und Hotelbetriebswirt, der seit vielen Jahren als „Reiseleiter für militärhistorische Touren amerikanischer Veteranenverbände“ arbeitet und in dieser Mission vor allem in Frankreich unterwegs ist. Über die „Entdeckung“ der Maginotlinie und die ebenfalls als Touristenattraktion ausgebaute Festung Schoenenbourg, für die er sich schon als Jugendlicher engagierte, und dort Hans Fuchsgruber kennenlernte, kam der gebürtige Münchner, der seit seiner Kindheit in Landau lebt, auch zum Westwallmuseum. Zu seinem neuen Ehrenamt allerdings kam er „wie die Jungfrau zum Kind“, weil es eben eine Lücke zu füllen galt. Jetzt will er einen Beitrag dazu leisten, dass das Museum in der Gesellschaft stärker wahrgenommen wird und im Kontext mit den anderen rheinland-pfälzischen Westwallmuseen, aber auch mit den Westwall-Wanderwegen der Region einen Beitrag zur Geschichte vor Ort leistet. Froh ist er über die zugesagte Unterstützung der Landeszentrale für Politische Bildung, die dafür ein „durchgängiges Konzept“ erarbeitet. Froh wäre er auch über viele Interessierte, die mit anpacken wollen – „sei es, weil sie gut über Geschichte erzählen können oder einen Wochenenddienst im Westwallmuseum leisten wollen“, das mangels Kapazität mit reduzierten Öffnungszeiten, aber zwei festen Führungen pro Öffnungstag in die Saison 2017 startet. „Willkommen ist jeder ohne braunen Hintergrund und jeder, der akzeptiert, dass bei den Ehrenamtlichen dieses Museums, die nicht im Verein organisiert sind, der geschichtliche Aspekt und nicht die militärische Affinität im Vordergrund steht.“ Info Das Westwallmuseum in Bad Bergzabern öffnet am Karfreitag, 14. April, 10 Uhr , und lädt dann jeden zweiten und vierten Sonntag im Monat sowie an allen Feiertagen von 10 bis 16 Uhr in die Bunkeranlagen ein. Saisonende ist am 1. November. Neu sind fixe Führungen jeweils um 11 und 14 Uhr. Eintritt, 3 Euro, mit Führung 5 Euro.

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