Bad Bergzabern
BBS SÜW: Erste ausgebildete Fachkräfte für Smart Home und Industrie 4.0
Die Haustür kann technisch so aufgerüstet werden, dass diese mit dem Fingerabdruck geöffnet werden kann. Das Licht in der Küche kann mithilfe des Smartphones ausgeschaltet werden. Und auch die Heizung lässt sich aus der Ferne regulieren. Die Digitalisierung macht sich immer mehr in den eigenen vier Wänden bemerkbar. Stichwort Smart Home, vernetztes Zuhause.
Doch damit Kaffeemaschine, Garagentor und Co. nicht isoliert bedient, sondern Teil eines funktionierenden Systems werden, braucht es Fachleute wie Philipp Stahl, der beim Landauer Unternehmen Avril tätig ist. Er plant Smart-Home-Systeme. Das Wissen, das er dafür benötigt, hat er sich innerhalb der vergangenen drei Jahre an der Berufsbildenden Schule (BBS) in Bad Bergzabern angeeignet.
15 Absolventen in der ersten Abschlussklasse
Stahl ist einer von 15 jungen Menschen, die an der Fachschule Elektrotechnik ihre Weiterbildung im Fachbereich Informationstechnik und Digitalisierung abgeschlossen haben. Heißt, dass sie nun dafür qualifiziert sind, die Bereiche Elektronik beziehungsweise Elektrotechnik und Informatik miteinander zu verknüpfen. So erklärt es BBS-Lehrer Peter Weinrich.
Um den Sinn hinter der Weiterbildung besser zu verstehen, nimmt Weinrich die Jalousie als Beispiel. Damit diese mit einem Schalter bedient werden kann, brauche es Spezialisten aus dem Elektro-Bereich. Da Hausmeister heutzutage für mehrere Gebäude zuständig sein können, wäre es für sie von Vorteil, wenn die Lamellen auch kurzfristig je nach Wetterlage automatisch hoch- oder runtergefahren werden. Dazu müssten die Anlagen aber auf Wetterdaten zugreifen. Das muss programmiert werden.
Abschlussprojekt als Schulungsmodell
Die Weiterbildung wird aber nicht nur für das Tätigkeitsfeld im Bereich Smart Home benötigt, sondern auch in der industriellen Produktion. Jan Glensks Arbeitgeber Evias etwa programmiert dazu Anlagen zu diversen Zwecken, zum Beispiel für die Herstellung von Impfstoffen, wie der 26-Jährige berichtet. Damit die Verantwortlichen einen Überblick über die Funktionalität der Geräte in den Fertigungsstraßen haben und bei Bedarf reagieren können, wenn die Anlagen beispielsweise überhitzen, braucht es intelligente Sensoren, die sie benachrichtigen. Somit kann der Arbeitsablauf in Fabriken optimiert werden.
Einen Prototyp solch eines Messdatenaufnehmers hat Glensk hergestellt, der nun in der Arbeitswelt eingesetzt werden soll. Von Stahls Abschlussprojekt, ein Schaltsystem, sollen hingegen die nachfolgenden Jahrgänge an der BBS profitieren. Es soll als Schulungsmodell dienen, mit dem das Smart-Home-System eines exemplarischen Haushalts besser nachvollzogen und ergänzt oder verändert werden kann. Schließlich können mit einem statt unzähligen Schaltern unter anderem das Licht, die Heiztemperatur und die Jalousie bedient werden. Wenn auch die Musik darüber gesteuert werden soll, könne dies ohne große Aufwand ergänzt werden.
BBS-Weiterbildungsform wird nachgeahmt
Stahl und Glensk sind Einser-Schüler, deren Projekte in der Art der Ausführung, in puncto Qualität, herausragend waren, sagt Weinrich. Wobei es im Abschlussjahrgang weitere Absolventen mit einer Eins vor dem Komma beziehungsweise mit anspruchsvollen Projekten gab. In den nächsten beiden Jahrgängen werde es immer Absolventen geben, die mit besonderen Leistungen auf sich aufmerksam machen werden, ist Weinrich überzeugt.
Dass die BBS in der Kurstadt die einzige Einrichtung mit dieser Weiterbildungsmöglichkeit für Elektriker, Elektroniker, Fachinformatiker und Co. ist, hat diverse Gründe. Zum einen haben die Fachbereiche Elektrotechnik und Informatik eine lange Historie an der Einrichtung. Zum anderen gibt es in Bad Bergzabern und Umgebung eine Vielzahl an Firmen in dieser Branche. Nach Angaben von BBS-Schulleiterin Petra Reuter waren es letztlich auch die Unternehmen, die diese Weiterbildung angestoßen haben. Vor allem das Technologienetzwerk Südpfalz, in dem renommierte regionale Unternehmen aus der Branche vertreten sind, und die Bundeswehr, die in Bad Bergzabern ihr Elektronikzentrum hat, haben das Projekt unterstützt.
Wie Reuter informiert, hat auch die Art der Weiterbildung Nachahmer gefunden. Gewöhnlich werden diese in Vollzeit an der BBS angeboten, wobei die Schüler dann zwei Jahre aus dem Betrieb raus sind. Wenn das Wissen nach der Arbeit in einer Abendschule vermittelt wird, sei die Abbrecherquote hoch. Die Weiterbildung in puncto Digitalisierung wird neben den Beruf angeboten: Die Schüler sind drei Tage im Betrieb, zwei Tage an der BBS.
Info
Für das kommende Schuljahr werden an der BBS Bad Bergzabern noch Anmeldungen für die dreijährige Weiterbildung in der Fachrichtung Informationstechnik und Digitalisierung angenommen. Infos gibt es unter Telefon 06343 935000 oder auf der Webseite unter www.bbs-suew.de.