Kreis Südliche Weinstraße Bauen ist Familiensache
Es ist ein ganz normaler Tag im Jahr 2014, als Suellen Pavlik sich dazu entschließt, sich auf die Spuren ihrer Ahnen zu begeben. Die pensionierte Kunstlehrerin setzt sich vor ihren Computer in ihrem Haus in Kansas und beginnt mit der Recherche. Ihre Internetsuche führt sie nach Deutschland, genauer gesagt in die Südpfalz. Ihre Vorfahren heißen mit Nachnamen Riedinger und Hornbach. Pavlik stößt auf eine erstaunliche pfälzisch-amerikanische Familiengeschichte. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts herrschten in der Pfalz desolate wirtschaftliche Verhältnisse, die viele dazu zwangen, ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten auszuwandern. Unter ihnen war auch ein gewisser Egid Joseph Hornbach – ein Vorfahre der Hornbachs, die später eine Baumarktdynastie aufbauten. Das Schicksal trieb ihn und seine Familie nach Yorkville, wo Egids Sohn John sich in die Nachbarin verliebte und diese auch heiratete. Crescentia Riedinger war ihr Name, die Tochter von Ludwig Riedinger, einem aus Kandel stammenden Bauherren, der ebenfalls mit seiner Familie in die USA emigriert war. Vor einigen Tagen steht eine Gruppe Amerikaner vor dem Hornbachzentrum in Bornheim: Es sind James Fackler, Matthew Hornbach, Ellen Hornbach-Kellogg, Ann Fackler und Sarah Hornbach-Yoder. Sie sind die Nachfahren von John Hornbach und Crescentia Riedinger. Pavlik, die Ahnenforscherin, hatte die Reise in die einstige Heimat ihrer Vorväter in die Wege geleitet. Sie selbst kann aber nicht dabei sein. Grund: Es gab technische Probleme mit dem Flieger. Die Stimmung der fünf Gäste aus Übersee ist deshalb aber nicht getrübt. Sie sind von der Schönheit der Südpfalz beeindruckt, besonders der Saumagen hat es den Männern und Frauen aus Texas und Florida angetan. Aber am meisten interessieren sie sich für ihre Vorfahren. Deshalb werden sie durch den Stammsitz von Hornbach geführt. Geschichte, Expansion, wirtschaftlicher Erfolg – das sind die Themen, um die es geht. Die Amerikaner sind begeistert, besonders von der Qualität deutscher Produkte. Es ist aber nicht ihre erste Station an diesem Tag. Am Morgen waren sie zu Gast an der Grundschule in Kandel. Sie heißt Ludwig-Riedinger-Grundschule. Namensgeber und Baumeister der Schule ist Crescentia Riedingers Vater. Durch Kandel zu laufen und zu wissen, welche Bedeutung die Familie für die Gemeinde gehabt habe, sei der schönste Moment ihrer Reise gewesen, erzählt Ellen Hornbach-Kellogg im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Matthew Hornbach, Professor für Geophysik, war besonders von dem aus seiner Sicht fortschrittlichen Energiesystem der Grundschule begeistert. Wie kam es zu diesem Besuch in Kandel? Nachdem Pavliks Recherchen sie zu der Internetseite der Schule geführt hatten, entwickelte sich eine Brieffreundschaft mit dem Roschbacher Hartmut Christmann, dem ehemaligen Rektor der Ludwig-Riedinger-Grundschule. Ein Glücksfall: Gemeinsam trugen sie aus Puzzlestücken die Geschichte der Familie Riedinger zusammen, die längst in Vergessenheit geraten war (siehe „Zur Person“). Übrigens: Im Jahr 1826 gab es einen Auftrag für den Bau einer Schule in Bornheim. Den Zuschlag erhielt Mathes Hornbach, ebenso ein Vorfahre der Familie. Das Baugewerbe hatte wohl schon immer eine große Bedeutung für die beiden Familien, die später zu einer verschmolzen.