Kreis Südliche Weinstraße Bastel-Schürzen umgeschnürt

Die Bastel-Ladys-Runde und der Han im Korb, Atelierleiter Sebastian Wiehe.
Die Bastel-Ladys-Runde und der Han im Korb, Atelierleiter Sebastian Wiehe.

«Rohrbach.»„Ich bin total begeistert von der Erfahrung hier. Und ich liebe diese Halle“, ist das Fazit von Anne Stafford-Axmann, eine Texanerin, die in Bad Bergzabern zu Hause ist. Mit dieser Halle meint sie das große Hobby-Depot des Rohrbacher Bastel-Unternehmens Efco Creative, das zu unserer ersten RHEINPFALZ-Sommertour in diesem Jahr eingeladen hat. Die beiden Geschäftsführer, die Geschwister Pia und Martin Erler, führen unsere zwölf Leser an unzähligen Bastel-Accessoires und Deko-Beispielen vorbei, die das Unternehmen in petto hat. „Wir führen 18.000 Artikel“, berichtet Martin Erler und ein staunendes Raunen geht durch die Gruppe. Da stehen Pappmaché-Kästchen in der einen Ecke, ein mit Kork aufgepimptes Ikea-Sofa in der anderen, dazwischen Stanzarbeiten, bedruckte Textilien, Kalligrafie-Material, ein Anker aus Knetbeton oder eine rosa Schultüte, aus der sich ein Einhorn-Kopf räkelt – und natürlich dürfen auch die „Trendtiere“ Flamingo und Lama aus Papier und Stoff nicht fehlen. Wo man hinblickt, überall gibt es etwas zu entdecken. Bei den Lesern – übrigens eine reine Ladys-Runde – leuchten die Augen. Besonders als sie hören, dass das Unternehmen im Herbst hier einen Kreative-Outlet-Markt eröffnen wird, in dem auch Bastel-Workshops angeboten werden. Zu solch einem nimmt die Runde jetzt auch Platz. An einem großen Tisch ist bereits für jeden ein Arbeitsplatz mit allen Utensilien vorbereitet, um einen schnöden Stoffbeutel in ein kreatives Glitzer-Teil zu verwandeln. Atelierleiter Sebastian Wiehe – der Hahn im Korb – erklärt alles Schritt für Schritt, damit auch Bastelneulinge keine Startschwierigkeiten haben. Obwohl, Bastelneuling ist hier keiner. Alle Damen hantieren zu Hause auch schon gerne mit Schere und Kleber. Wie Karin Lausterer: „Als ehemalige Erzieherin und jetzt Omi von fünf Enkelkindern sind meine Bastelarbeiten bei Kindergeburtstagen sehr gefragt.“ Auch wenn die Taschen-Deko mit der Diamond-Glitzerfarbe ganz neu für sie ist, ist der Upcycling-Fan gleich in seinem Element. Schablone mit ablösbarem Kleber einsprühen, auf die Tasche heften und dann Farbe drüberspachteln, fertig ist die Anker-Tasche, die gleich zum nächsten Schwimmbadbesuch mitgenommen werden soll. „Keine Sorge“, beruhigt Sebastian Wiehe, „wenn Sie gut drübergebügelt haben, ist die Farbe waschfest. Bisher hatte ich noch keine beglitzerte Waschmaschine.“ Die fünfjährige Marlene hat mehr Gefallen an der Ananas-Schablone gefunden. Ihre Mutter freut sich: „Eine tolle Idee für den Kindergeburtstag.“ Ideen mitnehmen möchte auch Ulrike Daum, die eine Selbsthilfegruppe für Frauen, die an Krebs erkrankt waren, leitet. Einmal im Jahr macht sie mit ihren Frauen etwas Kreatives. „Das hier kommt mir unheimlich entgegen.“ Aber jetzt müssen die Taschen erst einmal eine Runde trocknen. Ein guter Zeitpunkt für eine Führung über das 12.000 Quadratmeter große Betriebsgelände, auf dem Efco Creative nicht nur Produkte anderer Hersteller, sondern auch zahlreiche Eigenmarken lagert, kommissioniert und an den Fachhandel in ganz Europa verschickt. Das Familienunternehmen, das Inge und Lutz Erler, die Eltern der heutigen Geschäftsführer, 1974 in einem Wohnhaus in Vaihingen in Baden-Württemberg gegründet haben, beschäftigt heute 100 Mitarbeiter und zählt zu den drei größten Anbietern von Bastel- und Hobbybedarf in Deutschland. „1994 baute mein Vater die erste Halle mit 3000 Quadratmetern und sagte: ,Die reicht uns ewig.’“, erinnert sich sein Sohn beim Rundgang. Nun ja, es sollten mehrere Erweiterungen folgen. Über vier Etagen stapeln sich Kartons bis unter die Decke. „Hier lagern Waren im Wert von etwa fünf Millionen Euro Einkaufspreis“, berichtet Martin Erler, während er die Gruppe durch die zweite Halle führt. Was in großen Kartons ankommt, muss portioniert und in kleine Tütchen verpackt werden. Dafür arbeite das Unternehmen mit der Awo, der Südpfalzwerkstatt oder Heimarbeitern zusammen, erklärt der Geschäftsführer. Efco Creative war beispielsweise auch das erste Unternehmen auf dem freien Arbeitsmarkt in Rheinland-Pfalz, das einen Mitarbeiter mit Behinderung über das Projekt „Budget für Arbeit“ angestellt hat. Mittlerweile ist Mike Mattern, der Herr über die Styropor-Abteilung, seit zehn Jahren dabei. Für die Leser-Gruppe geht’s zurück in die Kreativ-Werkstatt. Dort wartet schon Workshop Nummer zwei auf sie: Anhänger mit Efcolor auf Emaille-Optik bringen und mit Stempelkissen dekorieren. Bastel-Schürzen umgeschnürt. Es geht weiter.

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