SÜW RHEINPFALZ Plus Artikel Bankkunde vermisst Maßnahmen gegen Sprengung von Geldautomaten

Nach Angaben der Polizei ist der Bank-Pavillon in Rohrbach völlig zerstört worden.
Nach Angaben der Polizei ist der Bank-Pavillon in Rohrbach völlig zerstört worden.

In Spielfilmen geschieht der Bankraub oftmals am Schalter. Doch schon längst sind es die Geldautomaten, die im Fokus der Kriminellen sind. Allein in der Südpfalz sind innerhalb weniger Jahre zahlreiche Anlagen gesprengt worden. Wieso werden sie nicht besser gesichert?

Bornheim, Queichheim, Schweigen-Rechtenbach – allein in der Südpfalz sind in den vergangenen Jahren zahlreiche Geldautomaten gesprengt worden. In Rohrbach schlugen Kriminelle kürzlich zum wiederholten Male zu. Vor gut zwei Wochen haben sie den Bank-Pavillon am Modepark Röther stark beschädigt. Das Polizeipräsidium Rheinpfalz teilt auf Anfrage mit, dass die genaue Schadenshöhe noch nicht feststeht. „Wir gehen derzeit aber von einem geschätzten Sachschaden in Höhe von etwa 150.000 Euro aus.“ Es wurde auch Bargeld erbeutet. „Zur Höhe geben wir jedoch grundsätzlich keine Auskunft.“

RHEINPFALZ-Leser Bernd Schade bezeichnet es als ärgerlichen Umstand, dass wieder längere Zeit auf den Automaten verzichtet werden muss. Die Bestätigung folgt von der Sparkasse Südpfalz, die den Automaten zusammen mit der VR-Bank SÜW-Wasgau betreibt. Nach Angaben von Sparkassen-Sprecher Philipp Schneider wird derzeit geprüft, ob der Pavillon noch repariert werden kann oder durch einen neuen ersetzt werden muss. „Gleichzeitig muss ein neuer Geldautomat beschafft werden. Hier bestehen wie in vielen Teilen der Wirtschaft leider nach wie vor erhebliche Lieferengpässe.“ Insofern stehe zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht fest, wann Bankkunden am Modepark Röther wieder mit Geldscheinen versorgt werden.

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„Gegen enorme kriminelle Energie machtlos“

Inzwischen gibt es laut Bernd Schade effektive Maßnahmen, die Diebe vor solchen Taten abschrecken. So gebe es die Möglichkeit, dass im Fall der Zerstörung oder des gewaltsamen Öffnens des Geldautomaten der Inhalt, sprich die Geldscheine, durch einen Farbzusatz unbrauchbar gemacht oder zerstückelt werden. Darauf angesprochen, teilt Schneider mit: „Die Sparkasse Südpfalz setzt auf eine Vielzahl verschiedener Sicherungssysteme, die das gestohlene Bargeld unbrauchbar machen und Sprengungen erschweren.“ Aus Sicherheitsgründen könne er allerdings keine Details nennen. „Aber gegen enorme kriminelle Energie sind wir am Ende machtlos.“

Die zentralen Ermittlungen bei Geldautomaten-Sprengungen in Rheinland-Pfalz werden seit September 2019 vom Landeskriminalamt geführt. Die Behörde teilt auf Anfrage der RHEINPFALZ mit, dass der Verband für Sachversicherer umfassende Hilfen für den Schutz von Geldautomaten zur Verfügung stellt. Zudem gebe es Empfehlungen an die Bundesverbände der Kreditwirtschaft. Das Konzept sehe einen Methodenmix vor, um die Interventionszeit zu verkürzen. Heißt: Mechanische und elektronische Sicherungen sollen helfen, dass die Polizei im Notfall schneller an Ort und Stelle ist.

Einfärbe-Systeme nicht empfohlen

So wird neben Videoüberwachung unter anderem darauf gesetzt, Foyers mit Geldautomaten in der Nacht zu schließen. Vermieden werden auch Geräte, die im Innern keine zusätzliche Wand eingebaut haben und dadurch leichter geöffnet werden können, um mit einem Gasgemisch eine Sprengung einzuleiten. Bekannt sind in der Branche auch Vernebelungstechniken, die durch eine Notrufstelle ausgelöst werden können.

Die Nutzung von Einfärbe-Systemen, die Schade anspricht und welche im Ausland genutzt werden, ist hierzulande nicht das Mittel der Wahl. Nach Angaben des Landeskriminalamts sind sie nicht wirksam, weil sie bereits vor ihrer Auslösung zerstört werden können. „Zertifizierte Einfärbe-Systeme zum Schutz vor Sprengangriffen sind in Deutschland nicht bekannt und werden somit nicht empfohlen.“

Akteure tauschen sich aus

Es wird zudem geprüft, welche Sicherheitsvorkehrungen effektiv sind beziehungsweise optimiert werden können. Dafür hat eine Projektgruppe der Kommission Polizeiliche Kriminalprävention in Abstimmung mit der Deutschen Kreditwirtschaft einen Bogen erarbeitet, in dem bestimmte Angaben zu den Taten erfasst werden. Des Weiteren tauschen sich die Akteure – Vertreter der Landeskriminalämter, Sicherheitsbeauftragten der Banken, Vertreter der Geldautomaten-Hersteller und Mitarbeiter der Unfallkasse – in Gesprächen über die Thematik aus.

Hinweise zu den Taten nimmt das Polizeipräsidium Rheinpfalz unter der Rufnummer 0621 9632773 entgegen, auch jede Polizeidienststelle kann kontaktiert werden.

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