Kreis Südliche Weinstraße
Bad Bergzabern: Stadtwald wird aufgeforstet – auch mit Baumspenden aus Umweltaktion
Der Jahrhundertsommer 2018 bot traumhafte Bedingungen für den Borkenkäfer – sehr zum Leidwesen der Fichten in den deutschen Wäldern. Auch im Stadtwald Bad Bergzabern mussten unzählige Bäume gefällt werden. Derzeit ist das zuständige Forstamt Annweiler damit beschäftigt, den Wald aufzuforsten. Auch mit Hilfe von Petra und Christian Albrecht, die Edeka-Märkte in Bad Bergzabern, Bornheim und Herxheim betreiben.
Der Donnerstagmorgen ist extrem ungemütlich. Das Thermometer zeigt fünf Grad, dazu regnet es. Forstamtsmitarbeiter Ulrich Schmitt ist trotz der widrigen Umstände damit beschäftigt, auf einer abgeholzten Lichtung im Stadtwald bei Blankenborn Bäume zu pflanzen. Früher standen hier Fichten. „Jetzt pflanzen wir Nussbäume, die sind widerstandsfähiger als Fichten“, sagt Revierleiter Tobias Keller. „Die Fichten werden aufgrund des Klimawandels auf Dauer aus den deutschen Wäldern verschwinden, höchstens in ein paar Bergwäldern werden sie überleben“, prophezeit Stefan Asam, Leiter des Forstamts Annweiler. Heiße trockene Sommer, die noch dazu unendlich lang sind wie im vergangenen Jahr, setzen den Fichten zu.
Gepflanzt werden auf der sogenannten Kalamitätsfläche 45 Nussbäume. Gestiftet hat sie Familie Albrecht. Seit Februar beteiligt sie sich mit ihren Einkaufsmärkten an der Edeka-Aktion „Mehrwegnetze als umweltfreundliche Alternative“. Kunden, die beim Einkauf eine Mehrwegbox oder ein Mehrwegnetz benutzen, erhalten einen Klebepunkt auf ihrer Baumpflanzkarte. Wer zehn Punkte gesammelt hat, kann die Karte im Markt abgeben. Für jede volle Karte spendieren die Albrechts einen Baum. „Bis jetzt sind 20 Karten in Bad Bergzabern und acht in Bornheim abgegeben worden“, sagt Christian Albrecht. Er musste also in Vorleistung treten. „Es läuft ja erst an. Dass wir die 45 zusammenbekommen, daran habe ich keine Zweifel“, betont Albrecht. Er ist davon überzeugt, dass sich in Zukunft noch viel mehr Kunden an der Aktion beteiligen werden.
Neue Baumpflanzaktion im Herbst geplant
„Im Herbst werden wir eine neue Aktion starten“, verspricht Albrecht. Derzeit können die Kunden in der Obst- und Gemüseabteilung Mehrwegnetze benutzen. Für den Fleisch- und Wursteinkauf gibt es Boxen. Demnächst will Albrecht die Kaffee-to-go-Becher aus seinen Märkten verbannen. Wer seine eigene Kaffeetasse mitbringt, bekommt einen Punkt. „Wir müssen umdenken. Wir müssen schauen, wie wir dabei helfen können, den Verpackungsmüll zu reduzieren“, betont Albrecht.
Der Supermarkt-Betreiber ging auf Revierleiter Keller zu und fragte, welche Bäume gebraucht werden. Beim Forstamt war man von der Albrechts Idee begeistert. Denn 2018 war ein Katastrophenjahr. „Und es geht leider weiter“, klagt Forstamtsleiter Asam. Er zeigt auf zwei riesigen Fichten, deren Rinde sich schält. „Vor wenigen Tagen sahen die noch gesund aus, doch durch das warme Wetter der vergangenen Tage sind die Borkenkäfer wieder aktiv geworden“, so Asam. Die kranken Bäume müssten so schnell wie möglich aus dem Wald.
Fichten fallen dem Klimawandel zum Opfer
Aber Asam befürchtet, dass sich die Plage trotzdem weiter ausbreiten werde: „An so einen massiven Schädlingsbefall kann ich mich nicht erinnern.“ 400 bis 500 Festmeter mussten im Revier gefällt werden. „Das ist ein Drittel des Jahreseinschlags.“ Dass keine Fichten mehr gepflanzt werden, sei eine Folge des Klimawandels. Die Durchschnittstemperatur ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen – und wird noch weiter steigen. „Als Förster müssen wir für den Wald in 50 oder 100 Jahren sorgen, deshalb müssen wir Baumarten pflanzen, die überleben können“, sagt Asam.