Kreis Südliche Weinstraße
Bad Bergzabern: Seniorenbüro gründet „Plus-Minus-60er“-Gruppe

Beim neuen Angebot des Seniorenbüros der Stadt Bad Bergzabern stehen statt Kaffee und Kuchen gemeinsame Spaziergänge, Fahrradtouren, Kinobesuche und viele weitere Aktivitäten im Vordergrund. Das Alter der Teilnehmer spielt fast keine Rolle.
Mittwochabends im Jugendraum des protestantischen Gemeindehauses in Bad Bergzabern: Eine mehrköpfige Gruppe sucht den Zahnstocherkönig. Es handelt sich um ein Spiel, bei dem jeder Teilnehmer fünf Zahnstocher erhält. Wird die Frage eines Mitspielers mit Ja oder Nein beantwortet, muss ein Stäbchen abgegeben werden. Nach einigen Minuten wird die Zeit angehalten und der Sieger ermittelt. Für die Truppe ist das jedoch zweitrangig. Für sie ist es weniger ein Wettstreit, sondern eher ein Kennenlernspiel, das vor allem bei Kindern und Jugendlichen beliebt ist. Die Teilnehmer sind aber deutlich älter. Sie sind auch nicht auf einer Freizeit, sondern wollen in ihrer Heimatstadt neue Bekanntschaften machen.
„Plus-Minus-60er“ lautet der Name der Gruppe, die der Seniorenreferent der Stadt Bad Bergzabern, Rainer Brunck, zusammen mit seinem ehrenamtlichen Team neu gegründet hat. Die Teilnehmer können sich an jedem zweiten Mittwoch der Gruppe anschließen, um gemeinsam etwas zu unternehmen. So könnte mit Gleichaltrigen gewandert werden, Schwimmen und eine gemeinsame Kochaktion wären auch denkbar. Was genau gemacht wird, das hängt vom Interesse der Teilnehmer ab. Sie legen bei den einzelnen Treffen den nächsten Programmpunkt fest. „Es geht darum, dass die Menschen auch im Alter aktiv bleiben und mit anderen in Kontakt kommen. Wir möchten mit der Gruppe den Impuls für neue Freundschaften geben, dass sich einzelne auch sonst verabreden“, erklärt Brunck.
Zum ersten Treffen sind sieben Frauen und Männer gekommen. Bevor es offiziell losgeht, wird sich ausgetauscht. Die meisten halten sich jedoch zurück, zu sehr sind die Herrschaften darauf gespannt, was sie erwartet. „Das merkt man schon an Ihrer Sitzhaltung“, sagt Brunck lachend. Er verschränkt dabei die Arme, ähnlich wie der ein oder andere Besucher im Raum. Kein Wunder, hatten sie doch nur einen Hinweis in der RHEINPFALZ beziehungsweise im Südpfalzkurier zu diesem neuen Angebot gesehen. Was ihre Neugierde geweckt hat und was genau sie sich von dieser neuen Gruppe erhoffen, kann die RHEINPFALZ nicht in Erfahrung bringen. Die Senioren scheuen sich davor, sich dazu zu äußern.
Das wundert Rainer Brunck nicht. Die Hemmschwelle sei bei den älteren Menschen ohnehin sehr groß, solch ein Angebot wahrzunehmen. „Wer zu solch einer Veranstaltung kommt, gibt ja damit auch zu, dass er einen Bedarf hat. Dass er mehr Kontakte mit Gleichaltrigen haben möchte, als er hat. Damit tun sich viele schwer, sich das einzugestehen“, sagt der Seniorenreferent. Damit die Menschen mit dem Beginn des Rentenalters nicht in ein Loch fallen, sondern einen Umschwung erfahren und die freie Zeit genießen, initiieren Brunck und sein „Umschwungteam“ neue Angebote.
In der Gruppe sei man sich einig, dass man die Bürger nicht allein mit Seniorennachmittagen aus dem Haus locken kann. Zumal die Begriffe „Senior“ oder „Alter“ abschreckend wirken, da sich die Betroffenen jünger fühlen und etwas erleben möchten. So kommt es, dass neben dem „Plus-Minus-60er“-Treffen neuerdings auch E-Bike-Touren für die älteren Mitbürger angeboten werden. Zweimal im Monat wird sich auf ein Rad geschwungen und ein neues Ziel angesteuert.
Am Ende des anderthalbstündigen Abends hat sich die „PlusMinus60er“-Gruppe entschlossen, beim nächsten Treffen im Juni gemeinsam spazieren zu gehen. Der Kurpark soll das Ziel sein, um im Freien sich austauschen und die Sonne genießen zu können.
Info
Die neu gegründete Gruppe „Plus-Minus-60er“ trifft sich an jedem zweiten Mittwoch im Monat, das nächste Mal am 12. Juni, um 18 Uhr am Haus der Familie . Luitpoldstraße 22 in Bad Bergzabern. Fragen beantwortet Seniorenreferent Rainer Brunck telefonisch unter der Nummer 06343 6100680.