Kreis Südliche Weinstraße RHEINPFALZ Plus Artikel Bad Bergzabern: Schloss-Hausmeister Albert Getto geht nach 27 Jahren in Ruhestand

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Er bedruckt 1,5 Millionen Blatt Papier pro Jahr, bringt Gardinen zur Reinigung, kümmert sich um verstopfte Toiletten oder kranke Falken und leistet Erste Hilfe. Albert Getto ist seit 27 Jahren Hausmeister im Bad Bergzaberner Schloss. Eigentlich wollte er keine vier Wochen bleiben, jetzt geht er in den Ruhestand.

Seit 1984 ist die Verbandsgemeindeverwaltung in den Mauern des Jahrhunderte alten Schlosses untergebracht. 1992 hat Albert Getto als Hausmeister dort angefangen. Und er empfindet es heute noch als etwas Besonderes, in diesem Gebäude zu arbeiten. Seine Zentrale ist im Gewölbekeller mit Blick auf den Schlossinnenhof. In dem Gebäude sind 50 Büros, drei Teeküchen, ein Bürgerbüro, Keller und Speicher, rund 100 Mitarbeiter der Verbandsgemeinde arbeiten darin. Das bedeutet lange Wege auf drei Stockwerken, die dem passionierten Marathonläufer aber nichts ausmachen. Den Fahrstuhl benutzt Getto nie. „Ich habe vor Jahren jeden Quadratzentimeter aufgelistet“, erzählt er, denn Getto ist auch für die Reinigungskräfte und den Putzmitteleinkauf zuständig. Allein 2500 Quadratmeter Teppichboden müssen im Schloss gesaugt werden. In sein Aufgabengebiet fallen auch die Druckerei der Verbandsgemeinde, in der unter anderem die dicken Haushaltspläne für 21 Gemeinden, Broschüren oder Jahresberichte gedruckt werden. „Ich kaufe rund 1,5 Millionen Blatt Papier pro Jahr, 15 Tonnen Altpapier werden nebenan zerschreddert“, erzählt Getto.

Telefondienst am ersten Arbeitstag

Gelernt hat Albert Getto, der an Silvester 1956 in Oberotterbach geboren wurde, Möbelschreiner bei der Schreinerei Anton Vogel, damals ein florierender Betrieb mit 28 Angestellten wenige Meter vom Schloss entfernt. „Holz hat mich geprägt, ich habe auch zu Hause eine Werkstatt“, erzählt Getto. Es hätte für ihn nach 21 Jahren in der Firma auch so weitergehen können, wenn er nicht nach einem Urlaub beim Feierabendbier erfahren hätte, dass in seinem Unternehmen Kurzarbeit gemacht wird. „Dass ich das so erfahren musste, hat mich geärgert, und ich habe gekündigt“, sagt Getto. Er bewarb sich auf die freie Stelle als Hausmeister in der Verbandsgemeindeverwaltung, aber seinen Start hatte er sich anders vorgestellt. „Ich saß in der Zentrale, weil die Mitarbeiterin krank war, und habe Telefondienst gemacht“, sagt Getto. Doch dann spielte sich alles ein. Seit Jahrzehnten kennt der Hausmeister jeden Winkel des Schlosses, ist mit Wasser, Strom und Haustechnik bestens vertraut. Getto hat Schränke ein- und umgebaut, 3000 Meter Netzwerkkabel verlegt und für den technisch einwandfreien Ablauf von Veranstaltungen im Schlossinnenhof gesorgt, Beflaggung je nach Anlass inklusive. „Geht nicht, gibt’s nicht“ ist sein Motto.

Getto kümmert sich auch um Turmfalken

Getto ist auch als Ersthelfer für Notfälle ausgebildet und betreut im Westflügel des Schlosses einen Falkenkasten, den er angebracht hat und in dem fast jedes Jahr Turmfalken brüten. Einmal habe er im Hof einen unterernährten Falken gefunden und zu einer Tierauffangstation gebracht, der Vogel habe überlebt, erzählt Getto. Er sei froh, dass er jetzt mehr Freizeit habe, sagt der passionierte Marathonläufer. 500 Wettkämpfe hat er bisher bestritten, 14-mal ist er den Marathon in Zermatt gelaufen. Zudem war Getto über Jahrzehnte ehrenamtlich im Gemeinderat und Kirchenverwaltungsrat aktiv. „Ich will mich jetzt erst mal einige Wochen langweilen, vielleicht fahre ich auch mit dem Traktor Richtung Süden.“ Das hat sich Getto für den Ruhestand vorgenommen.

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