Kreis Südliche Weinstraße RHEINPFALZ Plus Artikel Bad Bergzabern: Helmut Matheis feiert seinen 102. Geburtstag

Helmut Matheis spielt nicht nur Schach, sondern auch Klavier.
Helmut Matheis spielt nicht nur Schach, sondern auch Klavier. Foto: van

Was für ein Leben. 1917, während des Ersten Weltkriegs, wurde Helmut Matheis geboren. In Ulm lernte er den Widerstandskämpfer Hans Scholl kennen. Später wurde er als Erfinder von Schriftarten bekannt. Am Donnerstag feiert der Pfälzer seinen 102. Geburtstag in Bad Bergzabern.

„Ich bin immer noch da“, sagt Helmut Matheis mit einem Lächeln im Gesicht, als er die Tür zu seiner kleinen Wohnung in Bad Bergzabern öffnet. Seit seinem 90. Lebensjahr lebt er in der Südpfalz – und heute feiert er seinen 102. Geburtstag. Wenn es ihn überkommt, spielt er Schach gegen sich selbst oder setzt sich an sein Klavier. Aber am liebsten male er, sagt der Kalligraf, der eine Reihe von Schrifttypen entworfen hat und damit deutschlandweit bekannt geworden ist. Was hat er in seinem langen Leben erlebt, was hat ihn geprägt?

Matheis wird am 21. November 1917 in Speyer geboren. Seine Eltern betreiben ein Möbelgeschäft in Ludwigshafen, dann kommt die Weltwirtschaftskrise. Sie müssen den Laden schließen. Die Familie entscheidet sich, nach Ulm zu ziehen. Matheis’ Eltern eröffnen am Münsterplatz ein Bettengeschäft. Und der Junge besucht das Gymnasium. Dort lernt er Hans Scholl kennen, der Mitbegründer der Widerstandsbewegung „Weiße Rose“. „Der Hans“, erzählt Matheis, „der war ein feiner Kerl. Doch der Nationalsozialismus war stärker.“

„Habe besser gezeichnet als geschossen“

Nach dem Abitur 1937 wird Matheis zum Reichsarbeitsdienst verpflichtet. Dann kommt er zur Wehrmacht, darf aber während seines Militärdienstes zunächst ein Studium der Kunst und Medizin in München absolvieren. Sein Fazit aus diesen Jahren: „Ich habe besser gezeichnet als geschossen.“ Allerdings muss Matheis schließlich doch an die Front. In der Ukraine wird er an der Hand schwer verwundet. Mit einem der letzten Lazarettzüge geht es nach Tutzing in Bayern. Danach muss er allerdings wieder zurück an die Front. Aber Matheis kehrt heil zurück.

Nach dem Krieg wohnt er mit seiner Frau Ursula in München. Die beiden hatten sich in Rothenburg ob der Tauber kennengelernt. Matheis macht sich selbstständig und erfindet Schriften – etwa für Glückwunschkarten. Bei der Firma Ludwig und Mayer in Frankfurt entwickelt er seine Leidenschaft weiter. Der Kalligraf wird zu einem der führenden Schrifttypenentwickler in Deutschland. Diese heißen beispielsweise Slogan oder Primadonna und sind bis heute gebräuchlich. Matheis entwarf sogar das Sportabzeichen für den Sportbund im Auftrag des damaligen Präsidenten Willi Daume. Als Typograf in der Schriftgießerei in Frankfurt kreierte er aber viele Veranstaltungsplakate.

„Südpfalz ein idealer Ort“

Klar ist: Die Arbeiten des nun 102-Jährigen wirken bis in die Gegenwart. Im April gab es beispielsweise eine Ausstellung seiner Werke im Museum für Kalligraphie und Handschrift im Gut Königsbruch in Bruchhof. Titel: „Ausstellung der Hundertjährigen“.

Mit seiner Frau Ursula lebte Helmut Matheis zuletzt am Starnberger See. 65 Jahre waren sie verheiratet. Als Ursula vor 14 Jahren starb, zog es ihn die Pfalz zurück. Matheis erinnert sich noch gut an die vielen Wanderausflüge mit der Familie in der Südpfalz und an das milde Klima. „Es ist ein idealer Ort“, wie er mit einem Lächeln bemerkt.

x