Kreis Südliche Weinstraße RHEINPFALZ Plus Artikel Bad Bergzabern: Gymnasium tüftelt an Medienkonzept für den Unterricht

Mithilfe der Dokumentenkamera kann Lehrer Michael Vollstedt besser veranschaulichen, welche Stellen im Text relevant sind. Foto:
Mithilfe der Dokumentenkamera kann Lehrer Michael Vollstedt besser veranschaulichen, welche Stellen im Text relevant sind.

Bund und Länder wollen Schulen finanziell fördern, damit die Digitalisierung auch bei ihnen vorangetrieben wird. Lehrkräfte des Alfred-Grosser-Gymnasiums haben bereits Vorstellungen, wie die digitalen Möglichkeiten im Unterricht optimal eingesetzt werden können. Wie sieht ihr Medienkonzept aus?

W-Lan, Whiteboards, Laptops, digitale Lernprogramme und Plattformen – es gibt viele Mittel und Möglichkeiten, um die Digitalisierung an den Schulen voranzutreiben. Damit das gelingt, stellt der Bund fünf Milliarden Euro zur Verfügung. Die finanzielle Förderung ist Bestandteil des „Digitalpakts Schule“, worauf sich Bund und Länder im Frühjahr dieses Jahres verständigt haben. Die Gelder sollen an jene Schulen verteilt werden, die zu ihrem Antrag ein Medienkonzept vorlegen können, teilt die Kreisverwaltung Südliche Weinstraße auf Anfrage der RHEINPFALZ mit. Heißt: Bevor es finanzielle Hilfen gibt, sollen Schulen erklären, in was sie das Geld investieren möchten. Lehrkräfte am Gymnasium im Alfred-Grosser-Schulzentrum in Bad Bergzabern haben ihre Hausaufgaben schon gemacht. Bereits vor anderthalb Jahren haben sie ein Medienkonzept verabschiedet. Ein PC mit einer mobilen Tastatur und Maus, eine Dokumentenkamera, ein Whiteboard und ein Beamer, der über W-Lan genutzt werden kann – mehr braucht es laut den beiden Lehrkräften Michael Vollsted und Lukas Stass nicht, um die digitalen Möglichkeiten in der Schule optimal nutzen zu können. Mithilfe dieser Geräte könnten Lehrer und Schüler etwa veranschaulichen, welche Stellen sie in einem Gedicht markiert haben, sie können Internetvideos abspielen, etwa den Beitrag vom Youtuber Rezo, der jüngst hohe Wellen in der Politik geschlagen hat, und darüber sprechen oder Grafiken präsentieren. „Die Kosten für die Ausstattung halten sich mit rund 2000 Euro im Rahmen“, sagt Lukas Stass, der am Gymnasium Geografie und Biologie unterrichtet, Michael Vollstedt ist Deutsch- und Geschichtslehrer.

Digitalisierung braucht kompetente Lehrkräfte 

Dass die Kombination Rechner-Beamer-Dokumentenkamera für einen modernen Unterricht ausreicht, haben die beiden Lehrkräfte dieses Schuljahr bereits getestet. Und zwar in der Klasse 8c, deren Klassensaal Modellcharakter hatte, weil er als einziger im Schulgebäude mit jenen Geräten ausgestattet war, auf die Stass und Vollstedt setzen. Die technische Ausstattung des Klassenraums ist das eine, um die Digitalisierung in der Einrichtung voranzutreiben. Entscheidend ist auch die Frage, wie die digitalen Medien im Unterricht zum Einsatz kommen. „Durch Digitalisierung wird der Unterricht nicht automatisch besser. Der Schlüssel sind kompetente Lehrkräfte und sinnvolle multimediale Tools“, erklärt Stass. Er selbst habe im Geografieunterricht beispielsweise digitale Poster entwerfen lassen. Seine Schüler gingen der Frage nach, wie der Entwicklungsstand bestimmter Nationen ist. Unterteilt in Topografie und Klima, Tourismus, Politik und Kultur trugen die Jungen und Mädchen Wissenwertes zu den Ländern zusammen. „Die Schüler lernten, zuverlässige Quellen im Internet zu recherchieren, die Informationen digital aufzubreiten, Diagramme zu erstellen“, erklärt Stass. Kollege Vollstedt ließ seine Schüler mit Playmobilfiguren für ein Video Sagen nachspielen. „So sollten sie die Schlüsselszenen des Stücks herausarbeiten“, sagt Michael Vollstedt.

Schüler werden selbst zu Lehrern

Zwei Beispiele, die zeigen, wie mit digitalen Medien gearbeitet werden kann, um Schülern auf einer anderen Weise Schulstoff näherzubringen und ihnen gleichzeitig Medienkompetenzen zu vermitteln. Um den Austausch im Kollegium zu fördern, soll es ab dem kommenden Schuljahr regelmäßig den „Roten Salon“ geben. So wird das monatliche Treffen der Lehrer bezeichnet. Eines der Ziele, die Stass und Vollstedt mit dem Medienkonzept verfolgen, ist die Etablierung des Flipped Classroom, zu deutsch umgedrehter Unterricht. So wird eine Unterrichtsmethode bezeichnet, bei der Schüler selbst zu Lehrern werden, indem sie Erklärvideos erstellen, die leistungsschwächere Schüler dann abrufen sollen, wenn sie Fragen haben. Geplant ist, dass alle Klassenräume im Schulgebäude so technisch ausgestattet werden wie in der Klasse 8c. Dafür wird mit Investitionen in Höhe von 60.000 Euro gerechnet. Die Anschaffungskosten für Geräte wie Laptops und Ipads einberechnet, betragen die Gesamtkosten 250.000 Euro. Geht es nach ihm, sollen zu Beginn des neuen Schuljahres die Klassenräume modern ausgestattet sein. Wie die Kreisverwaltung auf Anfrage der RHEINPFALZ mitteilt, kann derzeit keine Aussage getroffen werden, wann die Fördergelder an die Schulen verteilt werden. Wie viel Geld die Schulträger erhalten, müsse ebenfalls in den Förderrichtlinien festgehalten werden, die bis Ende Juni feststehen sollten. Klar sei, dass 241 Millionen Euro an rheinland-pfälzische Schulen ausgeschüttet werden.

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