Kreis Südliche Weinstraße Bad Bergzabern: Besuch in Stadtbücherei

749 Bad Bergzaberner haben einen Leseausweis der Stadtbücherei. Während der Öffnungszeiten haben Susann Hardies (rechts) und Cha
749 Bad Bergzaberner haben einen Leseausweis der Stadtbücherei. Während der Öffnungszeiten haben Susann Hardies (rechts) und Charlotte Blättner vom Bücherei-Team alle Hände voll zu tun.

Das gedruckte Buch gilt als eine der größten Erfindungen der Menschheit. Es gibt aber viele Zeitgenossen, die im Zeitalter der Digitalisierung dieses Kulturgut für überflüssig halten. Ein Besuch in der Stadtbücherei ergibt da ein ganz anderes Bild.

Drei Mal pro Woche hat die Stadtbücherei in Bad Bergzabern geöffnet: montags und mittwochs von 15 bis 18 Uhr und freitags von 9 bis 12 Uhr. Wer sich in dieser Zeit in den Räumen im Alten Rathaus aufhält, der kann nicht glauben, dass die Leseratten auszusterben drohen. Der Andrang ist groß, die beiden Damen, die die Rückgaben beziehungsweise Ausleihen erfassen, haben alle Hände voll zu tun. „Wir hatten im Jahr 2017 insgesamt 27.996 Entleihungen“, sagt Bernhard Eiberger. Er ist der Herr der Zahlen, zuständig für die Statistik. In einer öffentlichen Bücherei ist das keine unwichtige Aufgabe, über alles muss genau Buch geführt werden. Unter anderem deshalb beginnt die Arbeit des Personals gut eine Stunde vor den Öffnungszeiten und endet erst lange nachdem der letzte Kunde die 2009 modernisierte Bücherei verlassen hat. Fünf Teilzeitbeschäftigte hat die Stadtbücherei. Neben Eiberger sind dies Leiterin Susann Hardies, Charlotte Blättner, Helene Proske und Gabi Schubert. Das Team hat in dieser Besetzung erst im Sommer die Arbeit aufgenommen. Außerdem helfen drei Ehrenamtliche stundenweise aus.

Älteste Kunde ist 100 JAhre alt

„Mit nur 91 Ausleihen war der 8. Januar der schlechteste Tag des Jahres“, erzählt Eiberger. Die höchste Tagesquote im vergangenen Jahr liegt bei 330 Ausleihen. Von 8341 Einwohnern der Kurstadt haben 749 einen Leseausweis für die Stadtbibliothek. 111 Bücherwürmer sind zwölf Jahre oder jünger, 425 sind zwischen zwölf und 60 Jahren alt, 213 sind über 60. Der älteste Kunde ist 100 Jahre alt. Er kommt allerdings nicht mehr persönlich in die Bücherei. „Er ruft an und fragt, ob wir das Buch, das er gerne lesen möchte, da haben. Wenn ja, dann bringen wir es ihm vorbei“, sagt Eiberger. Damit die Stadtbücherei beim Literaturangebot immer auf dem aktuellsten Stand ist, dafür sorgt Susann Hardies. Die studierte Germanistin und Buchhändlerin liest, wie ihre Kollegen auch, alle greifbaren Rezensionen. Weckt ein Buch das Interesse, wird es besorgt. „Wir kaufen nur bei den beiden örtlichen Buchhandlungen ein“, sagt Hardies.

Wunschliste für Kunden

Im Eingangsbereich der Bücherei liegt eine Wunschliste aus. Dort können die Kunden eintragen, welche Bücher sie vermissen. Ganz oben steht „Die Geschichte des verlorenen Kindes“, der kürzlich erschienene vierte Band der neapolitanischen Saga von Elena Ferrante. „Das Buch haben wir bereits, es gibt aber eine Warteliste, viele wollen das lesen“, sagt Hardies. In der Regel besitzt die Stadtbücherei jedes Buch nur einmal. Abgenutzte Bücher oder solche, die schon lange nicht mehr ausgeliehen wurden und auf der „Langweilerliste“ landen, werden regelmäßig aussortiert. Sie werden beim hauseigenen Flohmarkt verkauft. Auf diesem Weg kommt Geld in die Kasse, um neue Literatur zu kaufen. Andere Einnahmequellen für den Büchererwerb sind Mahngebühren und Spenden.

16.377 Medien liegen bereit

Die öffentliche Bücherei ist zwar eine Einrichtung der Stadt, doch die Kommune zahlt nichts für den Kauf von Büchern. Sie stellt das Gebäude, zahlt für Strom, Wasser und sonstige Aufwendungen und übernimmt die Personalkosten. Gut 50.000 Euro stehen dafür im Haushalt der Stadt. Auf mehrere Räume und rund 150 Quadratmeter sind die 16.377 Medien, die die Stadtbücherei im Angebot hat, verteilt. Dazu gehören nicht nur Bücher, sondern auch CDs, DVDs, Hörbücher, Zeitschriften und Spiele. „Wir schauen, dass wir für jedes Alter und möglichst jedes Interesse etwas dabei haben“, sagt Susann Hardies. Als eine seiner wichtigsten Aufgaben sieht es das Bücherei-Team an, Kinder und Jugendliche zum Lesen zu animieren. Charlotte Blättner betreut aktuell ein Projekt mit den Kindergärten der Stadt. Susann Hardies überlegt, ob sich die Stadtbücherei nächstes Jahr am Lesesommer beteiligen soll. 127 Neuanmeldungen hatte die Stadtbücherei im vergangenen Jahr, ein Großteil davon waren Kinder und Jugendliche – sowie Flüchtlinge, die übers Lesen ihre Deutschkenntnisse verbessern wollen.

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