Bad Bergzabern RHEINPFALZ Plus Artikel Büro Lichtblick hilft im Bürokratiedschungel

Helfen anderen Menschen (von links): Werner Ertl, Gudrun Wagner-Scherer und Rainer Brunck.
Helfen anderen Menschen (von links): Werner Ertl, Gudrun Wagner-Scherer und Rainer Brunck.

Für viele ist das Büro Lichtblick das, was der Name ausdrückt. Auch für Maria Müller, die lange Angst hatte, ihren Briefkasten überhaupt zu öffnen. Das Projekt der Diakonie bekommt jetzt den Bürgerpreis des Landes.

Maria Müller möchte anonym bleiben, deshalb hat die Redaktion ihren Namen geändert. Aber sie ist bereit zu einem Gespräch mit der RHEINPFALZ zusammen mit Gudrun Wagner-Scherer vom Büro Lichtblick, von der sie seit zwei Jahren unterstützt wird. „Ich stehe auf Kriegsfuß mit meinem Briefkasten und dem, was drin ist. Es ist für mich der Horror“, erzählt sie. Sie wisse schon, was man mit dem Kram, der einem ins Haus flattere, tue, aber sie brauche Anlauf, um Briefe zu öffnen, noch mehr, um die Post dann auch zu erledigen. „Post aufzumachen, ist für mich ein Hammerjob“, sagt sie.

Die Ursache sieht sie darin, dass 2014 eine für sie sehr wichtige Reha abgelehnt wird und dann auch noch der Vermieter wegen Eigenbedarfs kündigt. „Das sind eigentlich ganz normale Dinge im Leben, aber ich fühlte mich klein, verlassen und hilflos, ich habe mich mit den Briefen geplagt“, sagt die 50-Jährige. Dann liest sie vom Büro Lichtblick in Bad Bergzabern, in dem Ehrenamtliche Menschen unter anderem bei unerledigter Post helfen. Sie wagt den für sie großen Schritt, Kontakt aufzunehmen, und trifft sich mit Gudrun Wagner-Scherer. Die Rentnerin ist in der Kurstadt aufgewachsen und lebt seit drei Jahren wieder hier. Sie ist Bauzeichnerin, hat unter anderem in einer Verwaltung gearbeitet. „Sie können mich nachts um drei wecken, um Nebenkosten abzurechnen“, sagt sie und erinnert sich an die Anfänge mit Maria Müller.

Es fängt klein an und dann kommt mehr dazu

„Es begann mit einem Antrag an die GEZ wegen Gebührenbefreiung“, berichtet sie. Bei vielen Hilfesuchenden fange es erst mal so klein an, dann komme erfahrungsgemäß aber immer mehr dazu. Inzwischen sind von Maria Müller einige Ordner angefüllt, damit ein Antrag für eine Pflegestufe gestellt werden kann. Denn ihr Schützling ist gesundheitlich stark eingeschränkt. „Erst mal sortieren wir, auch zusammen mit einer weiteren Ehrenamtlichen, die sich mit diesem Thema gut auskennt“, sagt Wagner-Scherer. Für Maria Müller ist der Weg noch nicht zu Ende, aber sie hofft, dass das irgendwann der Fall sein wird. „Es ist zusammen mit Frau Wagner-Scherer jetzt viel besser, ich brauche nicht mehr so viele Nerven, Zeit und Kraft, der Druck ist raus“, sagt sie heute. Mit einem großen Lob für ihre „freundliche und zugewandte“ Helferin, die viele Geschichten von bisher 62 Hilfesuchenden erzählen kann.

Immer mit der gebotenen Schweigepflicht. Die Klienten sind jung oder alt, vermögend oder überschuldet. Frauen, die nach dem Tod ihres Mannes ihre finanzielle Situation nicht überblicken. Menschen, die mit einer Plastiktüte voll ungeöffneter Post kommen. Menschen, die den Überblick über ihre Finanzen völlig verloren haben. Initiator des späteren Büros Lichtblick ist Werner Ertel, heute Mitte 70. Als Einzelkämpfer beginnt er vor elf Jahren eine ehrenamtliche Tätigkeit bei der Diakonie in Bad Bergzabern. Er war sein ganzes Berufsleben im gewerblichen Kreditgeschäft einer Bank tätig und beginnt im Ruhestand, Menschen in wirtschaftlicher Not zu helfen. Zunächst mit Anträgen für eine Grundsicherung oder Wohngeld. Und er bringt Ordnung in ihr Finanzchaos. „Mir geht es gut, mir fehlt nichts, ich wollte etwas zurückgeben“, sagt er zu seiner Motivation.

Diskretion oberstes Gebot

Seine Erkenntnisse aus vielen Fällen entwickelt er zu einem Konzept, das er Dekan Dietmar Zoller vorstellt. 2020 ist es der Grundstein für das Büro Lichtblick, in dem heute sechs Menschen ehrenamtlich tätig sind, die schon Hunderte von Stunden investiert haben. Leiter ist der Seniorenbeauftragte der Diakonie, der studierte Sozialarbeiter Rainer Brunck. Diskretion und Verschwiegenheit sind oberstes Gebot, die „Fälle“ werden in regelmäßigen Teamsitzungen besprochen, denn die Ehrenamtlichen haben ganz unterschiedliche Qualifikationen. „Miteinander sichten, zusammenarbeiten, Lösungen finden“, ist das Motto, für das sich alle einsetzen, auch bei Bedarf in Kooperation mit anderen sozialen Einrichtungen.

Für dieses Engagement bekommt das Büro Lichtblick am Sonntag in der Staatskanzlei in Mainz den Brückenpreis für „Bürgerschaftliches Engagement gegen soziale Benachteiligung, Ausgrenzung, Hass und Diskriminierung“, der mit 1000 Euro dotiert ist. Damit ist die Einrichtung für den Deutschen Engagementpreis im kommenden Jahr nominiert. Die Ehrenamtlichen sind Gisela Bähr, Otto Börg, Werner Ertel, Conny Greszer, Ursula Hagenbusch, Hans-Jürgen Konschak und Gudrun Wagner-Scherer.

Info

Telefonisch erreichbar und geöffnet ist das Büro Lichtblick im Haus der Familie in der Luitpoldstraße 22 in Bad Bergzabern montags von 10 Uhr bis 12 Uhr, Ansprechpartner ist Seniorenreferent Rainer Brunck, Telefon 06343 931775.

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