Bad Bergzabern RHEINPFALZ Plus Artikel Bürgermeisterwahl: FWG-Kandidat Hermann Augspurger im Porträt

Hermann Augspurger (FWG) möchte neuer Verbandsbürgermeister werden.
Hermann Augspurger (FWG) möchte neuer Verbandsbürgermeister werden.

Am 16. Oktober wird in der Verbandsgemeinde Bad Bergzabern ein neuer Bürgermeister gewählt. Für die Freien Wähler geht Hermann Augspurger ins Rennen. Der Stadtbürgermeister verrät, welche Themen für ihn Priorität haben.

Hermann Augspurger (FWG) hat „Spaß daran gefunden, mit der Verwaltung zusammenzuarbeiten und für die Bürger etwas zu tun“. Das sagt er zu seiner Motivation, nach drei Jahren als Stadtbürgermeister nun den Posten als Verbandsbürgermeister in Bad Bergzabern anzustreben. „Außerdem soll man ja im Alter etwas Neues beginnen“, schiebt der 56-jährige Müller und Winzer mit einem Augenzwinkern hinterher.

Was die praktischen Handlungsfelder betrifft, ist ein Verbandsbürgermeister „etwas eingeschränkter als ein Stadt- oder Ortsbürgermeister“, stellt er fest. In erster Linie führt er die Verwaltung – und dort sieht Augspurger Handlungsbedarf. „Die Verwaltung muss für die Bürger da sein“, sagt er. Das sei sie aber nicht in dem Maße, wie sie es sollte. „Ich sehe eine Abschottung der Verwaltung. Außer dem Bürgerbüro ist alles geschlossen.“

Bürgernahe Verwaltung ist „Frage des Respekts“

In Sachen Zugang soll sich aber unter einem Chef Hermann Augspurger Einiges ändern. Er habe mitbekommen, dass jemand einen Termin buchen wollte und erst in acht Wochen einen bekommen habe. „Das ist mir deutlich zu lang.“ Doch nicht nur für die Bürger ist es seiner Erfahrung nach schwierig, Kontakt aufzunehmen, „teilweise ist es auch für die Ortsbürgermeister schwierig, in die Abteilungen zu kommen“. Damit wolle er jedoch keinesfalls sagen, dass die Verwaltung schlecht sei. „Das stimmt nicht“, betont Augspurger. „Das liegt nur an der Organisation, nicht an den Personen.“ Daher möchte er die Abläufe so verändern, dass dem Bürger wieder mehr Nähe vermittelt wird. „Das ist auch eine Frage des Respekts.“

Ebenfalls beschleunigt werden sollen die Abläufe im Schloss durch das Voranbringen der Digitalisierung. „Man sollte nicht mehr wegen jedes Stück Papier ins Schloss müssen“, meint er. Wobei es ihm nicht darum geht, manche Dinge nur noch per Klick erledigen zu können. „Es geht nicht um ein Entweder-oder, sondern um ein Sowohl-als-auch.“

Bürgermeister verstärkt zusammenbringen

Ein Anliegen ist Augspurger, „die Ortsbürgermeister verstärkt zusammenzubringen“. Unter anderem, um Erfahrungen auszutauschen, und so Probleme in einzelnen Gemeinden einfacher lösen zu können. Vorstellbar wären etwa häufigere Bürgermeisterrunden. Momentan treffe man sich drei, vier Mal im Jahr, sagt er. „Ich möchte ein Wir-Gefühl schaffen.“

Vor massiven Schwierigkeiten sieht er Ortsgemeinden beim Thema Kindertagesstätten. Durch das Kita-Zukunftsgesetz des Landes müssen fast alle Einrichtungen umgebaut, erweitert oder komplett neu gebaut werden. Grundsätzlich liegt das in der Zuständigkeit der Kommunen, aber Augspurger wäre an dieser Stelle als Verbandsbürgermeister „sehr gerne unterstützend tätig“.

Kitas auf VG übertragen „würde Sinn ergeben“

Prinzipiell schwebt ihm jedoch eine andere Lösung vor: „Die Kitas auf die Verbandsgemeinde zu übertragen, würde arbeitstechnisch Sinn ergeben“, sagt er. So gäbe es für alle Einrichtungen die gleichen Ansprechpartner und auch die gleiche Satzung. Eine Entscheidung, ob man das so machen möchte oder nicht, könne natürlich nur aus den Gemeinden kommen, weiß Augspurger. „Ich würde das aber mit den Bürgermeistern zumindest durchdiskutieren.“

Sollte das Modell so umgesetzt werden, würde die Verbandsgemeinde aber nicht nur die Verantwortung, sondern auch die Kosten für die Kitas übernehmen. „Das würde natürlich zwangsläufig zu einer Erhöhung der VG-Umlage führen“, erklärt Augspurger – ein heikles Thema. Aktuell liegt die Umlage bei 33,6 Punkten. Das heißt, die Ortsgemeinden müssen von 100 Euro, die sie einnehmen, 33,60 Euro an die Verbandsgemeinde abgeben. Eine Erhöhung ist schon seit Längerem in der Diskussion. „Das sehe ich aus der Sicht der Gemeinden sehr kritisch“, sagt er. „Zwei Punkte mehr wäre der Genickbruch für die Stadt“, ergänzt er klipp und klar.

Schwimmbaderhalt nicht um jeden Preis

Den Erhalt des Steinfelder Schwimmbads bezeichnet Augspurger als zweischneidiges Schwert. „Für die Leute am Viehstrich wäre es schon ein herber Verlust von Lebensqualität. Deshalb sollte man es auch, so lange es geht, betreiben.“ Das bedeutet, kleinere Reparaturen werden durchgeführt. „Wenn aber etwas Großes kommt, müssen wir uns zusammensetzen und schauen, ob es noch weitergehen kann.“

Klar ist für ihn, dass es keinen Stadt- und Verbandsbürgermeister in Personalunion geben wird. Gewinnt Augspurger also die Wahl, ist spätestens 2024 Schluss als Chef der Kurstadt. In diesem Falle würde er auch seine Tätigkeit als Winzer und Müller in der familieneigenen Stadtmühle aufgeben. Sollte es nicht reichen zum Verbandsbürgermeister, „kandidiere ich 2024 – Stand heute – wieder als Stadtbürgermeister“.

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