Bad Bergzabern RHEINPFALZ Plus Artikel Bürger protestieren gegen Teich-Zuschüttung im Kurpark

Das Wasser in dem Teich wurde abgelassen.
Das Wasser in dem Teich wurde abgelassen.

„Entsetzt, fassungslos, stinksauer, traurig“ – das sind nur einige Reaktionen von vielen Bürgern. Anlass ist der leere Teich im Bad Bergzaberner Kurpark. Er soll bleiben, fordern viele. „Ich war dagegen und muss es jetzt ausbaden“, sagt der Stadtbürgermeister.

Libellen fliegen über das Schlammloch, das Wasser ist bereits abgelassen. Der Bagger, der den Teich zuschütten soll, steht schon bereit. Einige kleine Fische schwimmen noch in den letzten Pfützen, die geblieben sind. Die RHEINPFALZ hat sich mit Helga Weiner-Jansen verabredet, deren Skulptur „Grenzgänger“ unweit des Teichs im Kurpark von Bad Bergzabern steht. Sie hat eine Bekannte mitgebracht, diese wiederum zwei Bekannte. Dann kommen immer mehr Menschen zu der Gruppe, die am Teich steht.

„Ich habe vergangenen Freitag Leute gesehen, die die Fische mitgenommen und erzählt haben, dass der Teich wegkommt. Mich hat der Schlag getroffen, ich war entsetzt“, erzählt Helga Weiner-Jansen. Sie gehe oft im Kurpark spazieren und liebe dieses Plätzchen. Es sei eine schöne Anlage, die sich entwickelt habe. Ihren Ärger und ihre Trauer hat sie auf einem Schild ausgedrückt, das zunächst vom Gartenbauamt entfernt wird, am Montag dann aber wieder steht. „Dieser Teich wird beerdigt, kein Wasser mehr, muss man das hinnehmen?“, steht darauf.

150 Goldfische und ein Karpfen

Aufgewühlt sind alle Bürger, die den Teich und seine Umgebung als Herzstück des Kurparks sehen. „Ich bin platt und stinksauer, ich habe letzte Woche noch die Kois gefüttert“, erzählt Josef Ritter. Fünf große Kois seien im Teich geschwommen, er schätze rund 150 Goldfische und ein großer Karpfen. „Solch eine Gartengestaltung sollte man nicht zerstören. Um den Teich sind rund 50 Sitzgelegenheiten“, sagt der Architekt. Er sei Anziehungspunkt für alle Bürger gewesen, vom Kind bis zum Senior, sind sich die Anwesenden einig.

„Der Teich soll bleiben. man konnte hier entschleunigen“, findet Lisa Krautheim, die in der Nähe wohnt. „Die Anlage ist ein Herzstück des Kurparks, hier sitzen immer viele Leute“, sagen Anne Salewski und Hans-Jürgen Konschak von der Seniorengruppe 60 plus. Letzterer schreibt am selben Tag an Stadtbürgermeister Hermann Augspurger. Viele Bürger seien sehr erregt darüber, dass der Teich zugeschüttet werden soll. „Wir bitten Sie höflich, die Maßnahme aufzuschieben.“

„Hier wird ein Biotop zerstört“

„Es war hier immer schön, der Teich soll bleiben“, findet auch Familie Kiesewetter, die am selben Abend noch acht teils bis zu 20 Zentimeter große Teichmuscheln aus dem Schlamm rettet. Über die „wunderschönen Seerosen“, die jetzt achtlos am Rand liegen, regt sich Gabriela Strauß auf. „Es sind einige Hundert Bürger, die sich aufregen. Ich war immer mit meiner 88-jährigen Mama hier, die in der Nähe wohnt“, erzählt sie. Sie sagt, dass die Maßnahme zumindest vorher hätte kommuniziert werden müssen. „Hier wird ein Biotop zerstört, um ein anderes zu schaffen. Das kann nicht sein“, sagt Gerhard Buben.

Zum Stand der Dinge äußert sich Stadtbürgermeister Hermann Augspurger auf Nachfrage der RHEINPFALZ. „Ich kann die Planung jetzt nicht umschmeißen. Ich war dagegen, es war nicht die Idee der derzeitigen Stadtspitze“, so Augspurger. Die Arbeiten am Teich seien Teil der Planung der Offenlegung des Erlenbachs, die in der letzten Legislaturperiode vom alten Stadtrat verabschiedet worden seien. Danach werde der kleine Bach am Südrand des Kurparks durch den neuen Spielplatz, der etwa in Höhe der Minigolfanlage entstehen werde, in den Erlenbach umgeleitet. Dadurch gebe es keinen Zufluss mehr in den Teich am Haus des Gastes, informiert Augspurger. „Der Teich wird verfüllt. Die Folie war kaputt und damit undicht, und im Sommer floss zu wenig Wasser“, so der Stadtbürgermeister.

Fische nun in Privatteichen

Auch Rolf Enke, Beigeordneter und zuständig für Bau und Planung, äußert sich zum Thema. „Ich habe in der Vergangenheit im Stadtrat abgefragt, ob es bei dieser Planung bleibt. Es gab keine Widersprüche, der Teich wird verfüllt“, so Enke. Die Fische seien sachgerecht von Privatpersonen abgefischt worden. Sie seien jetzt in Privatteichen. Auch er bestätigt die poröse Folie, die oft geflickt worden sei, und den geringen Wasserzulauf. Zudem die beiden „mürben“ Holzbrücken über den kleinen Bachlauf.

„Das Wasser des Bachs wird für einen Matschbereich auf dem neuen Spielplatz im Kurpark verwandt werden“, so Enke. Der alte Bachlauf mit dem Teich solle gärtnerisch ansprechend gestaltet werden. Die Kosten für die Gesamtmaßnahme der Offenlegung des Erlenbachs lägen derzeit bei 3,7 Millionen Euro, über die Aktion Blau gefördert mit 90 Prozent, so Enke.

Bürger fischten diese Muscheln aus dem Teich.
Bürger fischten diese Muscheln aus dem Teich.
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