Billigheim-Ingenheim
Aus Klärschlamm soll Strom werden
Als zukunftsweisend bezeichnet Bürgermeister Torsten Blank (SPD) die Klärschlammfaulungsanlage. „Es ist ein großes Projekt, das unter dem Aspekt Klimaschutz und Energieeinsparung deutlich in die Zukunft gerichtet ist“, sagt Blank, der auch Vorsteher des Abwasserzweckverbands Klingbachgruppe ist. Rund 6,81 Millionen Euro sollen dafür auf dem Gelände der Kläranlage in Billigheim-Ingenheim investiert werden. Der Spatenstich war Ende März. Läuft alles nach Plan, kann Ende kommenden Jahres die Einweihung gefeiert werden.
Durch die energetische Nutzung des vorhandenen Klärschlamms wird der Energieverbrauch der Kläranlage deutlich gesenkt, informiert die VG-Verwaltung Landau-Land. Dabei wird der Klärschlamm aus dem Abwasser abgezogen. Er kommt in den Faulbehälter, wo er zersetzt wird. Bei dem Prozess entsteht Methangas, das dann in ein motorisiertes Blockheizkraftwerk eingespeist wird und dort elektrische Energie erzeugt. Der Strom wird unmittelbar zum Betrieb der Kläranlage genutzt, die einen jährlichen Stromverbrauch von zirka 820.000 Kilowattstunden hat. Nach den Berechnungen der Projektplaner sollen rund 60 Prozent oder 600.000 Kilowattstunden selbst erzeugt werden.
Erste Pläne gab es schon 2011
Erste Überlegungen zum Bau einer Klärschlammfaulungsanlage gab es schon 2011. Auch schon eine Weile her. „Damals ging man in einer Studie noch davon aus, dass sich so eine Anlage erst ab 100.000 Einwohnern lohnt“, erläutert Blank. Inzwischen ist die Entwicklung weiter. Nachdem das Mainzer Umweltministerium seine Empfehlung zur Umstellung von Anlagen mit aerober Schlammbehandlung auf anaerober Schlammfaulung ausgesprochen hatte, führten das Büro Eurofins im Oktober 2014 und die Universität Kaiserslautern eine Studie zur Realisierung einer Faulungsanlage durch. Es gibt für die Klärschlammfaulung verschiedene technische Verfahren. „Wir haben genau überprüfen lassen, welches Verfahren für uns das wirtschaftlichste ist“, so Blank.
Und es gibt noch einen anderen Grund, warum die Umsetzung etwas länger gedauert hatte: die Beantragung von Zuschüssen. „Wir haben ein halbes Jahr auf die Zusage einer Bundesförderung gewartet“, so Blank. Dabei gehe es immerhin um 500.000 Euro. „So etwas lasse ich immer im Vorfeld klären, nicht erst wenn die Arbeiten schon begonnen haben. Da lohnt sich das Warten.“ Von Land wird das Projekt mit 1,1 Millionen Euro gefördert.
Investition hat sich in 12 bis 13 Jahren amortisiert
„Wir erwarten, dass wir mit der Umstellung der Verfahrenstechnik die jährlichen Betriebskosten um 200.000 bis 250.000 Euro reduzieren können, sodass sich die Investition in 12 bis 13 Jahren amortisiert hat“, sagt Blank. Im nächsten Schritt sollen die Belüftungstechnik und die Aggregate erneuert werden, um weitere Stromeinsparpotenziale zu haben. „Unser gemeinsames Ziel ist eine völlig energieautarke Kläranlage. Wenn man bedenkt, dass der ursprüngliche Stromverbrauch dem einer kleineren Gemeinde entspricht, ist das ein großes Ziel und ein wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz“, betont Blank.
Und es gibt noch einen weiteren Aspekt, der nicht zu vernachlässigen ist: Durch die Umwandlung des Klärschlamms in Energie reduziert sich die jährliche Klärschlammmenge in Billigheim-Ingenheim von 2000 auf 1400 Tonnen, was zu einer nicht unerheblichen Verringerung der Entsorgungskosten führt.
Elf Gemeinden gehören zum Zweckverband
Der Abwasserzweckverband Klingbachgruppe wurde 1975 gegründet. Als Gemeinschaftsprojekt wurde 1980 die Kläranlage in Billigheim-Ingenheim gebaut. An die Anlage sind elf Gemeinden angeschlossen. Aus der Verbandsgemeinde Landau-Land sind dies Billigheim-Ingenheim, Heuchelheim-Klingen, Göcklingen und Eschbach; außerdem kommt das Abwasser aus Völkersweiler, Gossersweiler-Stein, Silz, Münchweiler, Waldhambach und Waldrohrbach, die alle zur Verbandsgemeinde Annweiler gehören, in die Billigheimer Kläranlage. Dazu kommen das Pfalzklinikum in Klingenmünster und die Winzergenossenschaft Deutsches Weintor in Ilbesheim, deren Abwässer ebenfalls in der Billigheimer Anlage gereinigt werden.