Gommersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Aus Grundschule soll Haus der Vereine werden

Gommersheims Ortschef Lothar Anton (links) und der langjährige Hausmeister Willi Keller vor der früheren Grundschule. Die Stühle
Gommersheims Ortschef Lothar Anton (links) und der langjährige Hausmeister Willi Keller vor der früheren Grundschule. Die Stühle werden schon längst nicht mehr für den Schulunterricht genutzt.

Die Glocke in der Grundschule Gommersheim läutet schon lange nicht mehr. Wegen zu geringen Anmeldezahlen für das Schuljahr 2016/17 wurde die Einrichtung geschlossen. Das Gebäude wird bereits zu anderen Zwecken genutzt. Nun soll es eine weitere, einschneidende Veränderung geben.

Für Willi Keller wird das Gebäude in der Gartenstraße in Gommersheim für immer die Grundschule bleiben. Auch wenn dort seit fünf Jahren weder Kinder noch Lehrer ein- und ausgehen. 41 Jahre hatte Keller dort als Hausmeister gewirkt. Was ihm besonders in Erinnerung bleiben wird, sei die familiäre Atmosphäre und das gute Miteinander in der Schulgemeinschaft. Das, was auch ehemalige Lehrkräfte als erstes immer erwähnen, wenn sie auf vergangene Zeiten angesprochen werden.

Keller sagt: „Es gab wenig Zuzug, weshalb ich alle Kinder und ihre Familien mit Namen kannte.“ Dass sich die Zeiten änderten, merkte der gebürtige Gommersheimer unter anderem am Verhalten der Schüler. In den Anfangsjahren der Mitte der 60er-Jahre eröffneten Einrichtung seien die Klassenzimmer immer geöffnet gewesen. So artig, wie die Kinder damals waren. „Ich musste die Räume dann doch irgendwann abschließen, damit sie keinen Unfug treiben“, so der 84-Jährige. Ansonsten habe es keine unangenehme Vorfälle gegeben. „Wobei“, korrigiert er. „Einmal hatte ein Schüler mir meinen Schlüsselbund entwendet und morgens das Gebäude aufgeschlossen.“ Nach einer Entschuldigung sei alles wieder gut gewesen.

„Digital frühzeitig gut ausgestattet“

Hans Salm unterrichtete knapp 30 Jahre in der Grundschule. In Sachen Digitalisierung sei die Einrichtung im Vergleich zu anderen Schulen früh auf dem richtigen Weg gewesen. So habe sie um die Jahrtausendwende Computer angeschafft, es gab gar einen Computersaal. „Es handelte sich aber um verschiedene Geräte, die von Betrieben gespendet wurden.“ Salm war damit betreut, die PCs instandzuhalten.

Irene Koller pendelte von ihrem Wohnort Altdorf täglich nach Gommersheim, und zwar rund 40 Jahre lang. Sie war immer für die ersten beiden Jahrgangsstufen verantwortlich. Was sie besonders schätzt, sei der offene Umgang unter den Lehrkräften gewesen. „Wenn jemand ein Problem hatte, dann wurde das konstruktiv im Lehrerzimmer besprochen und nicht einfach unter den Tisch gekehrt.“

Umbenennung gewünscht

Der frühere Hausmeister Keller erinnert sich, zu welchen anderen Zwecken das Schulgebäude noch genutzt wurde. So habe es dort von der Kreisverwaltung zwischenzeitlich eine Mütterberatung gegeben, bei der eine Gesundheitsexpertin die Kinder gewogen und gemessen sowie Eltern Tipps gegeben habe. Auch die Kreismusikschule habe dort Räume für Proben genutzt, erzählt Keller. „Und der Mehrzweckraum diente manchmal als Veranstaltungsort für den katholischen Gottesdienst.“

Nach der Schließung der Grundschule steht das Gebäude weitestgehend leer. Vereine konnten die Räume bislang nutzen, aber nicht fest für sich in Anspruch nehmen. Das soll sich nun ändern. Wie Ortsbürgermeister Lothar Anton berichtet, soll der Altbau in Haus der Vereine umbenannt werden. „Dies ist aber nicht einfach so möglich, eine Nutzungsänderung muss von der Kreisverwaltung genehmigt werden.“ Das habe rechtliche Hintergründe. Unter anderem, was das Thema Brandschutz betreffe.

Treffpunkt für Vereine

Ist die Umwidmung bewilligt, was Anton als Formsache betrachtet, sollen sich die ortsansässigen Vereine – beispielsweise die Modellflieger, der Gospelchor und die Landfrauen – im Gebäude einnisten und ihre Sachen deponieren. Im Keller soll die Gemeinde Utensilien für Veranstaltungen im Ort lagern, etwa jene für die Kerwe und den Weihnachtsmarkt. Die Lehrerzimmer werden den Gemeindearbeitern zur Verfügung gestellt.

Die Gemeinde trauere noch immer der Grundschule nach, berichtet Lothar Anton wehmütig. Schließlich würden nach einem Bauplatz oder einem Haus suchende Familien oft als Erstes wissen wollen, ob der Ort über eine Kita und eine Grundschule verfügt. Eine Kita kann er vorweisen. „Das Schulgebäude nicht mehr, aber dafür wird es nun sinnvoll genutzt.“

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