Kreis Südliche Weinstraße Aus Fremden werden Freunde

Live gespielte Unterhaltungsmusik schwebt über dem Sonnenplätzel, Menschengruppen sitzen bunt gemischt an Biertischgarnituren unter weißen Zelten. Ab und zu macht die Sonne dem Namen des Platzes alle Ehre und schickt ein paar warme Strahlen durch den verhangenen Himmel. Dann gruppieren sich junge Afrikaner auf dem Bolzplatz zum Fußballspielen. „Am Anfang war es schon ein bisschen ein seltsames Gefühl“, berichtet eine Dorfbewohnerin ehrlich. Mittlerweile gehören die Flüchtlinge ganz selbstverständlich ins Dorfbild von Leinsweiler. Mit jeder Begegnung weichen Ängste, wächst das Verständnis, werden Fremde zu Freunden. Mütter mit Kopftuch und bunten Gewändern schieben Babys in Kinderwagen hin und her, Kinder toben in der Hüpfburg, schreien laut vor Freude. „Ich hab’ dort hinten einen Maltisch aufgebaut, falls doch mal einige etwas Ruhe brauchen“, sagt eine Frau und bittet Kurt Halfmann um eine entsprechende Durchsage. „Herr Kurt“ ist der begehrteste Mann vor Ort, er hat das Sommerfest für die Flüchtlinge und alle, die ihnen zur Seite stehen, organisiert. Fernsehsender, Radio, Zeitungen wollen wissen, warum. „Weil das Haus Südstern, in dem sonst das „Café Asyl“ stattfindet, im Sommer sechs Wochen lang geschlossen ist“, erklärt er, und dass das zu lang sei für Menschen, die Hilfe brauchen. „Deshalb treffen wir uns derzeit jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat im Landauer Goethepark“, erklärt Kurt Halfmann. Auch die Idee zum Sommerfest sei aus dieser Situation heraus entstanden. Wenn einer so eifrig unterwegs ist, wie der 75-Jährige – unter anderem singt er im Gemischten Chor Leinsweiler und hat jahrelang für Kinder aus Tschernobyl einen Sommerurlaub in der Westpfalz organisiert – dann ist es kein Problem, Sitzgelegenheiten, Zelte, Spielmöglichkeiten und 350 Essen zu bekommen. „Mit wie vielen Gästen rechnest du?“, habe ihn jemand gefragt. Da habe er mit der biblischen Weisheit geantwortet: „Alle werden satt.“ Der Landauer Rotary Club hat einen Container mit einer warmen Nudelmahlzeit gespendet, Familie Kulenderarajah aus Landau teilt ein tamilischen Nationalgericht aus Hähnchencurry und Reis aus. „Um 6 Uhr habe ich in der Küche gestanden“, erzählt Familienoberhaupt Kandasamy und freut sich über so viele glückliche Gesichter: „Als ich vor 30 Jahren nach Deutschland gekommen bin, war ich froh für jede Unterstützung, heute kann ich selbst helfen und das mache ich gern.“ Die „Lobby für Kinder“ aus der Kaiserbachermühle bei Klingenmünster und Ehrenamtliche vom Landauer Kinderschutzbund sind da, um zu helfen. Auch persönliche Freunde des Organisators bringen Salate, der Neustadter Pfarrer Eberhard Dittus und Ehefrau Frauke haben eine Schachtel voller Tomaten aus dem eigenen Garten mitgebracht. Hannelore Avril, Lieselotte Göring und Katja Moll bringen selbst gebackene Kuchen von der Katholischen Frauengemeinschaft aus Eschbach mit. Hannelores Ehemann Karl-Heinz hat als Elektriker die Stromleitungen verlegt, Andreas Volz aus Landau die Technik für die Musik-Anlage. Diese benötigen auch die syrischen Darsteller der Theatergruppe „Hoffnung“ aus dem Neustadter Ortsteil Haardt für die Aufführung einer Legende aus ihrer Heimat. Der kleine Rafat hat Mühe, über die unebene Wiese zu springen. Der fünf Jahre alte syrische Junge ist behindert. Sprechen kann er nicht, aber seine Augen strahlen und sein Lachen zeigt allen Menschen, dass er glücklich ist. Zusammen mit seiner Mama durfte er vor zwei Wochen nach Deutschland kommen und wird bald im Kindergarten der Lebenshilfe spielen. „Wenn ich die B-2-Prüfung bestanden habe, will ich eine Ausbildung machen“, erklärt sein Vater Hany Basha. In Damaskus, wo er vor 35 Jahren geboren wurde, habe er studiert, ein Haus besessen und viel Geld verdient. Als er wegen des Krieges seine Heimat verließ, habe er alles verloren. „Schweden oder Dänemark“ war sein Ziel, doch nach einem dreimonatigen Fußmarsch von Griechenland über Mazedonien, Serbien und Ungarn sei er in München gelandet und von dort nach Trier geschickt worden. Als entschieden war, dass er zunächst für drei Jahre bleiben darf, kam er nach Edenkoben. Magdalena Schwarzmüller habe der Familie eine Wohnung in Landau organisiert, nun ist der Weg zum Sprachkurs beim Bildungsträger Profes, ins Café Asyl und zum Kindergarten nicht weit. Mit seiner Ehefrau spreche er ausschließlich Deutsch: „Damit sie die Sprache der neuen Heimat schnell lernt. Denn das ist das Wichtigste.“