Billigheim-Ingenheim / Mörzheim
Aus Alt mach Neu: Von Turnbeuteln bis hin zu modischen Accessoires
Der Kreislauf ist geschlossen und sieht so aus: Aus Ausschussware und Restposten, also Material das eigentlich im Müll landen würde, fertigt Jana Steigerwald etwas komplett Neues. Am Ende sollen beide Seiten profitieren. Die Unternehmen, von denen sie die ausgemusterte Ware bezieht und ihre Firma, die damit etwas völlig Neues kreieren kann. „Firmen können zum Beispiel auf Messen nicht nur mit schriftlichen Botschaften, sondern mit etwas Substanziellem zeigen, dass ihnen am Thema Nachhaltigkeit gelegen ist.“ Das Unternehmen könne die Produkte für sich nutzen und zeigen, dass ihm das Thema Nachhaltigkeit wichtig sei. So fasst Jana Steigerwald die Win-win-Situation zusammen, die sie bei einer Zusammenarbeit sieht. Ihr im März gegründetes Unternehmen selbst bezeichnet sie als eine Mischung aus Unternehmensberatung, Werbeagentur und Handwerksbetrieb.
Es werden kaum Materialien zugekauft
Seit früher Jugend beherrscht die 35-Jährige, die in Kandel aufgewachsen ist und in Mörzheim wohnt, den Umgang mit der Nähmaschine. Das zahlt sich spätestens jetzt aus, denn diese Maschine braucht sie bei der Herstellung ihrer Produkte an der einen oder anderen Stelle. Für sie sind die Kreationen auch einfach eine Alternative für Menschen, die auf einen bewussten Lebensstil achten wollen. „Es wird also definitiv Müll eingespart. Was ich mache, ist vielleicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber es spiegelt meine Werte wieder.“ Maximal bis zu sechs Prozent kaufe sie an neuen Materialien zu, um ihre Produkte herzustellen, sagt Jana Steigerwald.
„Peterson. Agentur für nachhaltige Wertschöpfung“, so der Name des Unternehmens, das also im Bereich Upcycling tätig ist. Konkret heißt das: Zum Beispiel entstehen aus Resten einer Turnmatte, „wie wir sie alle noch aus dem Schulsport kennen“, Turnbeutel oder Einkaufstaschen in ganz unterschiedlichen Farben. Das Material dafür bezieht die Inhaberin Jana Steigerwald von einem Unternehmen aus einem benachbarten Bundesland. Jana Steigerwald arbeitet auch mit Leder, Pappe und Holz. Jüngst hat sie aus Stoffmustern eines Polstereibetriebs und Parkettresten Helferbrettchen gefertigt, die über die Sofalehne gelegt werden können, „um sein Gläschen Wein“ abzustellen oder als Unterlage für heiße Töpfe dienen können. „Ich kann aus allem wieder etwas machen. Unterstützt werde ich auch von meinem Mann, der in Billigheim-Ingenheim eine Schreinerei hat. Ich habe dort einen intensiven Einblick in dieses Handwerk bekommen.“
Geht es nach der Südpfälzerin, können Unternehmen gerne auch auf sie zukommen, um mit ihrem Müll nachhaltiger umzugehen. Denn die Ressourcen der Erde sind endlich. „Wie wäre es, ohne schlechtes Gewissen konsumieren zu können?“, fragt Jana Steigerwald, die stolze Mutter eines fünfeinhalb Jahre alten Sohnes ist und mit ihrer Familie in Mörzheim wohnt. Dort befindet sich auch ihre Kreativwerkstatt, in der die Ideen für ihre Produkte reifen. Auf diese Weise könne sie auch Familie und Beruf in Einklang bringen.
Seit der Geburt ihres Sohnes sieht Jana Steigerwald vieles in ihrem Leben noch einmal mit anderen Augen. „Was hinterlassen wir den Generationen nach uns?“, ist auch eine Frage, die im Tun und Handeln von Jana Steigerwald eine große Rolle spielt. Genauso ist ihr soziales Engagement wichtig, etwa in ihrem Wohnort Mörzheim, wo sie sich für Projekte im Kinder und Jugendbereich einsetzt. Die Themen Natur, Umwelt und Nachhaltigkeit nehmen auch in ihrem unternehmerischen Denken größeren Raum ein. „Ich möchte ein gutes Vorbild sein und andere mit meinen Ideen inspirieren“, sagt sie.
Die 35-jährige ist gelernte Industriekauffrau. „Aber in den vergangenen Jahren ist mir immer bewusster geworden, dass ein reiner Bürojob nichts für mich ist.“ Deshalb hat sie sich stetig fortgebildet, etwa durch persönliche Coachings oder ein Praktikum bei einer Polsterin. Auch habe sie länger in einer Werbeagentur gearbeitet. „Ich bin kreativ und schaue gerne über den Tellerrand“, sagt Jana Steigerwald. So sei auch der Entschluss über die Jahre gereift, ein eigenes Unternehmen zu gründen.
Mittlerweile steht Jana Steigerwald mit verschiedenen Unternehmen und auch Kommunen in Kontakt. Eines der Unternehmen ist Edeka Paul mit Märkten in Billigheim-Ingenheim und Steinfeld. Hier werden ab kommenden Montag upgecycelte Produkte von Jana Steigerwald zu finden sein. „Wir unterstützen solche nachhaltigen Projekte“, sagt Inhaber Benedikt Paul. „Das kommt bei den Kunden gut an.“