Kreis Südliche Weinstraße Auf den Spuren der Neandertaler

91-96093472.jpg

„Ohne die Jungs hätten wir das nicht geschafft“, freut sich Thomas Winter. Alexander, Aryan, Dominik, Lukas, Nico, zwei haben den Vornamen Marcel, und Silvio heißen die Jungs von der Altenbergschule in Bad Bergzabern, die seit Anfang Februar jeden Montag mit ihrem Klassenlehrer für die gefahrlose Wanderung tausender Kröten in Blankenborn im Einsatz sind. Den Einsatz finden sie „cool“.

„Ich habe die Schüler gefragt, sie waren sofort begeistert“, erzählt Thomas Winter an diesem wunderbaren Frühlingsmorgen an den Leitplanken, die die Wanderung der Kröten kanalisieren. Für die Schüler ist es der letzte Tag des Projekts. Die Krötenwanderanlage zum Schutz der Tiere befindet sich kurz hinter der Einmündung von der B 427 in die K 12, die nach Blankenborn führt. In Kooperation mit Johanna und Horst Reinheimer, die sich seit 20 Jahren für die Kröten engagieren und mit Bürgern aus Blankenborn, zu denen der Klassenlehrer auch gehört, haben sich die acht Jungs mächtig ins Zeug gelegt. Es war zum Teil ein Knochenjob bei meist sprichwörtlichem Sauwetter. „Wir haben zunächst die Leitplanken vom Wildwuchs befreit und Schlupflöcher gestopft“, erzählt Winter. „Cool, es macht Spaß, den Kröten zu helfen“, finden alle Schüler, die den Weg von der Altenbergschule nach Blankenborn jedes Mal zu Fuß gegangen sind. Jeweils 40 Minuten. Sie haben vieles erlebt. Frösche, Salamander, Molche und eine Monsterblindschleiche haben sie gefunden. Entdeckt haben die Jungs im Blankenborner Wald auch vermeintliche Neandertaler. „Wir haben viele positive Rückmeldungen von Bürgern bekommen“, erzählt ihr Lehrer, der auch den Neandertalerspaß gerne mitgemacht hat. Heute werden die Eimer kontrolliert, in die die Kröten fallen, wenn sie vom Laichgewässer wieder in den Wald wollen. Während die Männchen kläglich klingende Fiepslaute von sich geben und von der nächtlichen Kälte noch etwas angeschlagen wirken, sind die ungefähr doppelt so großen Weibchen schon rege und wollen aus dem Eimer. „Am Anfang war es ein bisschen eklig“, erinnert sich der 14-jährige Dominik beim Krötenzählen. Durchhaltevermögen, Teamfähigkeit und Belastbarkeit seien bei diesem Projekt gefragt gewesen, erklärt der Klassenlehrer. Die Jugendlichen sinnvoll in Gemeinden einzubinden, sei das Ziel. Ein anderes Projekt, das derzeit läuft, wird von seiner Kollegin Meike Wilding geleitet. Schüler gehen einmal pro Woche in die Pro-Seniore-Residenz, um mit den Senioren Musik zu machen, zu basteln oder ihnen vorzulesen. Ein Praxistag einmal pro Woche gehört ebenfalls zum Lernprogramm der Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen, die knapp 100 Schüler in acht Klassen besuchen. Der 15-jährige Silvio arbeitet in der Tankstelle in Oberhausen, der 14-jährige Marcel im Edeka-Markt. Er will vielleicht Koch werden. Der 13-jährige Nico ist in Sepp’s Lebensmittelladen in Bad Bergzabern, Aryan in einer Kfz-Werkstatt in Dahn. Nico war der Fernsehstar der Truppe, als die Landesschau zu Besuch war. „Er hat sofort ins Mikro gesprochen“, erzählt Winter. Für heute sind die Kröten gezählt, die Privatinitiative der Blankenborner wird noch Wochen weitergehen. Für die Schüler ist jetzt Geometrie vor Ort angesagt. Die ganze Anlage wird vermessen. Und in der Schule soll eine kleine Ausstellung zum Projekt für das Schulfest im Mai vorbereitet werden. Geplant ist die Krötenwanderung als Dauerprojekt, auch in Kooperation mit dem Nabu. „Wir suchen weitere Unterstützer, das können Schulen oder Privatpersonen sein“, wünscht sich Thomas Winter als Lehrer und Blankenborner. Wer mitmachen will, kann sich bei ihm melden unter der E-Mail-Adresse winter@altenbergschule.de.

x