Kreis Südliche Weinstraße Auch in Hunde-Rente beim Polizisten

Edenkoben. „Achtung Hund“ – das handgeschriebene Blatt Papier an der Tür des Dienstzimmers von Polizeihauptkommissar Volker Claus ist Programm. Sein vierbeiniger Partner, der belgische Schäferhund Rex, demonstriert gerade im Hof der Dienststelle Edenkoben, dass er kein Schmusehund ist. „Pass auf“, das Kommando signalisiert Rex, dass er jetzt Dienst hat. Bei „pack“ stürzt er sich auf Gerhard Backes. Der Polizist hat sich den dicken Stoffschutz, den sogenannten Hetzarm, über den linken Arm gezogen. Rex beißt sogleich zu. Wie gut, dass der Armschutz dick gepolstert ist. Wäre es ein Täter, der derart von dem Hund gestellt würde, dann hätte der Betroffene jetzt ein echtes Problem. Erst auf den Befehl „fertig“ lässt Rex los und fixiert den „Täter“ mit aufmerksamen Blick und gespitzten Ohren. Doch im Ernstfall musste Rex noch nie zubeißen. Ihm und seinen Kollegen eilt der Ruf voraus, dass sie energisch zupacken können. „Wir hatten schon 60 Täterfestnahmen, ohne dass Rex zufassen musste“, informiert Volker Claus. Sein Kollege Gerhard Backes war mit Diensthund Ari vor einigen Monaten in Ludwigshafen zur Verstärkung gerufen worden. Sechs mutmaßliche Täter „zeigten sich bei der Feststellung der Personalien nicht kooperativ“, erklärt Backes in Polizeideutsch. Er war zufällig in der Nähe auf Streife. Als er mit Ari aus dem Fahrzeug stieg, löste sich der Widerstand der Personen schnell auf. Die Diensthundestaffel ist zuständig für ein Gebiet von rund 2400 Quadratkilometern, in dem 900.000 Einwohner leben. Im Idealfall sind drei Hunde in einer Schicht. „Aber das erreichen wir so gut wie nie, denn durch Krankheit, Urlaub oder Lehrgänge sind selten alle Kollegen da“, sagt Volker Claus, der die Staffel leitet. Mit Rex arbeitet er seit zwei Jahren zusammen. Der fünfjährige Schäferhund war vorher einem anderen Kollegen zugeteilt, der in Pension gegangen ist. Rex ist ein umgänglicher, temperamentvoller, freundlicher und verschmuster Bursche, solange er von seinem Herrchen keine anderen Befehle erhält. Volker Claus reist durch das gesamte Bundesgebiet, wenn er Nachwuchshunde testet. Der 56-Jährige ist seit fast 30 Jahren bei der Hundestaffel. Bei den jungen Hunden achte er darauf, dass sie neben einem hohen Spieltrieb keine Angst vor Bedrohungen haben. Getestet werde der jeweilige Kandidat ausgiebig mit Bällen, dem „Hetzarm“ und weiteren Aufgaben. Die Züchter haben die Hunde in der Regel schon vorgebildet. Die restliche Ausbildung macht der Hund mit dem Beamten in der Polizeischule in drei Monaten. Der Hundeeinkauf ist nicht einfach, denn das Tier darf nur bis zu 1800 Euro kosten. Damit stehen die Polizisten in Rheinland-Pfalz in Konkurrenz zu internationalen Polizeieinheiten, die durchaus auch 4000 Euro investieren. Wer Diensthundeführer wird, macht dies aus Liebe zum Tier und nicht, weil dieser Dienst etwa besonders gut vergütet wird. Der Hund lebt beim Polizisten zu Hause. Allerdings gibt es nur eine Futterkostenpauschale von 75 Euro. Weil aber viele Tiere Spezialfutter benötigen, da sie das billigere Futter oft nicht vertragen, sind damit die Kosten kaum gedeckt. Schließlich fallen beim Beamten auch höhere Reinigungskosten der Kleidung an. Die Hunde können ungefähr bis zum zehnten Lebensjahr Dienst machen. Danach gehen sie bei ihrem Hundeführer in „Rente“. Dann gibt es 50 Euro im Monat für ihre Versorgung. Tierarztkosten werden immer vom Land übernommen. Die Hunde durchlaufen immer eine duale Ausbildung. Alle Tiere sind Schutzhunde, je nach Eignung werden sie weiter spezialisiert. Wichtig sind die Bereiche Rauschgift, Sprengstoff, Geldscheine, Brandmittel, Personensuche oder Leichenaufspürung. Rex ist auch als Sprengstoffspürhund ausgebildet. So war er im Januar in Ludwigshafen und Neustadt im Einsatz, als bei den beiden Jobcentern Bombendrohungen eingingen. Wenn Gerhard Backes am Morgen seinen Dienst antritt, weiß er selten vorab, wo er mit Ari Einsatz hat. „Wenn keine besonderen Aufträge vorliegen, fahren wir Streife. Gibt es eine Anforderung zur Unterstützung, müssen wir auch viele Kilometer zurücklegen. So kann es sein, dass wir gerade in Grünstadt waren und danach nach Wörth müssen“, erklärt er. Für das vorsorgliche Schnüffeln nach Sprengstoff, etwa bei einem Besuch hoher Politiker, wie im Frühjahr von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Frankenthal und Landau, sind die feinen Nasen fest eingeplant. Genauso wie sie für Einsätze der Kriminalpolizei angefordert werden. Den hundelosen Polizeikollegen sind die Vierbeiner dank ihrer kompromisslosen Art immer sehr willkommen. Die Serie „Die Polizei – dein Freund und Helfer.“ Den Spruch kennt jeder. Doch wie sind die Ordnungshüter organisiert, welche Menschen streben in den Polizeiberuf? Und was muss überhaupt alles getan werden, um die Sicherheit der Bürger zu garantieren? Antworten auf solche Fragen wollen wir in dieser Serie geben. Wir blicken hinter die Polizei-Kulissen, stellen Arbeitsfelder und Abteilungen vor. (rhp)