Bad Bergzabern
Altenbergschule bekommt Material für Reanimationsübungen
Der Altenbergschule in Bad Bergzabern wurden am vergangenen Montag beim Projekt „Retten macht Schule!“ 15 Puppen für Reanimationsübungen, ein automatischer externer Defibrillator und ein Übungsdefibrillator von der Björn-Steiger-Stiftung übergeben.
Johannes Peter, Inhaber der Firma Notfalltraining in Landau, wies zwei Damen des Lehrerkollegiums der Schule in den Umgang mit den Geräten ein. Katharina Dausch und Antje Mann werden unmittelbar nach den Sommerferien ihr jetzt erworbenes Wissen, sowohl an ihre Kolleginnen und Kollegen, aber vor allem auch an ihre rund 70 Schülerinnen und Schüler weitergeben. „Unsere Kinder warten schon auf die praktische Erfahrung und das gegenseitige Aufmerksam machen“, stellte Mann fest.
Schon mehrere Schulen an Bord
Schulen verpflichten sich bei dem Projekt, eine Doppelstunde pro Schuljahr der Herz-Lungen-Wiederbelebung zu widmen. Im Gegenzug bekommen sie das Material von der Björn-Steiger-Stiftung geschenkt. In der Altenbergschule will man sich aber nicht mit der Mindestanzahl an Ausbildungsstunden begnügen. „Uns schwebt da mehr ein Projekt vor, in dem wir zunächst die komplette Ausbildung in diesem Bereich für alle Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen hier an der Schule durchführen und später dann immer wieder Kurselemente anbieten, um auf dem neuesten Stand zu bleiben“, erklärten die beiden Pädagoginnen.
An der Altenbergschule wurde der Umgang mit Defibrillator und Dummy erstmals gelehrt. Am Evangelischen Trifels-Gymnasium und der Realschule plus in Annweiler, aber auch im Alfred-Grosser-Schulzentrum in Bad Bergzabern hat Peter ebenso geschult, wie an zahlreichen Schulen in ganz Rheinland-Pfalz. Grundsätzlich richtet sich das Angebot an Schülerinnen und Schüler ab der siebten Klasse, es spräche aber auch nichts gegen eine frühere Unterrichtung, sagt Peter.
„Drückerchen“ reicht nicht
Gerade die Herz-Druck-Massage ist im Notfall eminent wichtig, um das Gehirn mit Sauerstoff zu versorgen. 10.000 Personen mehr könnten in Deutschland gerettet werden, wenn man sofort mit der Herz-Druck-Massage beginnen würde. Diese ist gar nicht so schwer durchzuführen, wie der Test am Dummy beweist. Es bedarf allerdings schon etwas Kraft in den Armen, um das Opfer richtig zu „massieren“ und am Leben zu erhalten. Ein leichtes „Drückerchen“ mit dem Daumen reicht da beileibe nicht aus. „Man sollte auch keine Angst haben etwas falsch zu machen“, erklärt Peter. Mann ergänzt: „Lieber mal etwas falsch machen, als gar nichts machen.“
Dausch berichtete von einem einschneidenden Erlebnis, als sie noch im Dienst der Polizei stand, was immerhin vier Jahre lang der Fall war. „Ich habe zwar sofort mit der Herz-Druck-Massage begonnen, doch letztlich war das Opfer nicht mehr zu retten. Dies wird mich aber nicht davon abhalten, im Ernstfall wieder Hand anzulegen, ganz im Gegenteil.“
„Defi“ reagiert nur bei Kammerflimmern
Die Mund-zu-Nase-Beatmung, vor der viele sich geradezu ekelten, ist heutzutage praktisch gar nicht mehr gefordert, erklärt Peter. Auch das Ertasten des Pulses sei „aus der Mode gekommen“. Aktuell setze man darauf festzustellen, ob der Verletzte oder Verunfallte noch über eigene Atmung verfügt. Studien aus den letzten Jahren hätten ergeben, dass die Herz-Druck-Massage ohne zusätzliche Mund-Nase-Beatmung ohnehin effektivere Ergebnisse bringe, als wenn noch zusätzlich beatmet wird.
Der Automatische Externe Defibrillator (AED) ist nahezu selbsterklärend und wird mittels Fernbedienung gesteuert. Sehr hilfreich ist das dem Übungsdefibrillator beilegende Heft, welches unter anderem Szenarien aufzeigt, wie sie in der Realität vorkommen können und die beschreiben, wie man im Ernstfall vorgehen soll. Der Defibrillator, der im Ernstfall zum Einsatz kommt, reagiert nur, wenn er im Körper das sogenannte Kammerflimmern feststellt. Nur dann setzt das Gerät einen Elektroschock ab.
Wie sehr sich die Lehrerinnen schon mit der Materie befassen, wurde abschließend deutlich, als sie den Vorschlag kund taten, die Puppen anzuziehen, um dann ihren Schülerinnen und Schülern zu zeigen wie man zum Bespiel mittels Schere ein T-Shirt aufschneidet, um dann tatsächlich die Herz-Druck-Massage anzuwenden.