Herxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Als Züge die Postkutschen ersetzten

Vor kurzem hat das frühere Bahnhofsgebäude in Herxheim einen neuen Besitzer erhalten.
Vor kurzem hat das frühere Bahnhofsgebäude in Herxheim einen neuen Besitzer erhalten.

Am 1. Dezember 1898 fährt der erste Zug am Bahnhof in Herxheim ein. Die Verbindung nach Landau und von dort zu verschiedene europäische Großstädte macht das Bahnfahren attraktiv. Und doch bleibt das Angebot nicht für die Ewigkeit.

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ist Herxheim nur zu Fuß oder mit der Postkutsche zu erreichen. Neben der Landwirtschaft geht die Bevölkerung vor allem der Hausweberei nach. Mit der Schubkarre fahren die Herxheimer ihre selbstgefertigten Leinensäcke von Dorf zu Dorf, bald folgen die Zwiebelhändler mit ihren Zwiebelwägelchen. Der Handel erblüht und so macht sich mit der Zeit immer mehr das Fehlen einer Bahnverbindung bemerkbar. Also krempeln die Bürger die Ärmel hoch und denken sich einen Plan aus, um Herxheim an das Bahnnetz anzuschließen. Wie das gelang, geht aus Dokumenten hervor, die im Archiv der Gemeinde Herxheim gelagert sind, darunter Artikel aus der RHEINPFALZ, Berichte der Bahnhofsvorsteher und Jubiläumszeitschriften, die die Gemeinde im Laufe der Zeit zum Bahnhof herausgab.

Schwierigkeiten mit den Behörden, aber auch mit Bürgern, insbesondere mit Grundstückseigentümern, erschweren die Anbindung ans Bahnnetz. Der Gedanke, die beiden Hauptstrecken Neustadt–Weisenburg und Ludwigshafen–Lauterburg durch eine Querstrecke von Rohrbach über Herxheim nach Rülzheim zu verbinden, scheitert an den topgrafischen Verhältnissen. Schließlich wird sich darauf geeinigt, Herxheim über Offenbach und Mörlheim mit Landau zu verbinden. Durch die „energische und umsichtige Tätigkeit“ des Pfälzischen Eisenbahnencomités steht im Mai 1898 das Bahnterrain der Verwaltung zur Verfügung. Es kann mit den Bauarbeiten begonnen werden – elf Kilometer lang soll die Strecke werden.

Als der erste Zug in Herxheim einfährt

Am 1. Dezember 1898 fährt der erste Zug von Landau in Herxheim ein. Fünf Zugpaare stehen der Linie anfangs zur Verfügung. Zwar macht die Strecke zu großen Teilen noch einen eher unfertigen Eindruck, doch der größte Schritt in Richtung neuer Mobilität ist getan. In Mörlheim ist bei der Betriebsaufnahme nur die Personen- und Gepäckverkehrsanlage fertigstellt, das Gütergleis sowie die Rampe entstehen erst im Jahr 1899.

Offenbach bekommt bis dahin ein Empfangsgebäude mit Dienstraum, zwei Warteräumen und eine Dienstwohnung für den Haltestellenwärter. Außerdem stehen bei der Inbetriebnahme ein Güterschuppen sowie das Ökonomiegebäude zur Verfügung. In Herxheim wird „entsprechend der ausgedehnten landwirtschaftlichen, handels- und industriellen Tätigkeit dieser Gemeinde eine Stationsanlage geschaffen, die sowohl der Bedeutung des Ortes als auch seinem Charakter als Endstation Rechnung trägt“, heißt es im Direktionsbericht der Pfälzischen Eisenbahn.

Verbindung zu verschiedenen Ecken Europas

Die Nebenbahn erreicht in Landau einen Knotenpunkt. Schnellzüge erreichten die Südpfalzmetropole über Köln, Bingerbrück, Hochspeyer und Neustadt. Von Landau aus fahren sie weiter nach Weißenburg, Straßburg, Basel oder gar Mailand. Herxheim gewinnt somit eine Verbindung zum Rest der Welt. Deshalb wird das Fahrangebot erweitert.

Im Laufe der kommenden Jahrzehnte etabliert sich die Bahnstrecke als Lebensader der Region. Einige Herxheimer benutzen täglich die Bahn, um zur Arbeit oder in die Schule zu kommen. Zu Stoßzeiten reichen die Wagen kaum aus, um allen Passagieren einen Fahrplatz zu sichern. Deshalb werden den Zügen bis zu drei weitere Waggons angehangen. 1972 verkauft die Bundesbahn in Herxheim rund 20.000 Fahrkarten pro Jahr, doch die Strecke verliert zunehmend an Leben. Herxheim bietet den einzigen noch besetzten Bahnhof der Strecke außer Landau. Sonntags ist der Verkehr völlig eingestellt. Am 24. September 1983 tritt ein, was viele Bürger befürchteten. Die Einstellung des Reisezugverkehrs auf der Bundesbahnstrecke zwischen Landau und Herxheim. Omnibusse übernehmen nun den Personenverkehr und treten triumphierend aus dem jahrelangen Kampf um den Fahrgastbetrieb hervor. Bahnkunden müssen sich geschlagen geben, nachdem jahrelang gegen die Schließung der Bahnlinie protestiert wurde.

Bahnhof mit neuem Besitzer

1985 werden die Bahnhofsgebäude verkauft, welche eine Zeit lang als Privatwohnungen dienen. Im Untergeschoss der damaligen Bahnstation entsteht 1993 das „Old Station Pub“. Die Herxheimer Gemüsehändler nehmen ebenfalls von der Bahn Abschied, sodass im Jahr 1993 nur noch im Bedarfsfall mit zwei bis drei Güterwaggons in der Woche gerechnet wird. In der Zuckerrübenkampagne 1992 verließen noch über 800 Waggons Zuckerrüben den Herxheimer Bahnhof. Ein Jahr später werden die Zuckerrüben vom Feldrand auf Lastwagen geladen. Auch das Getreidelager der Herxheimer Raiffeisengenossenschaft neben dem Bahngleis verzichtet auf die Dienste der Eisenbahn. In den folgenden Jahren weicht dieses den modernen Neubauten und Parkplätze.

Am 1. Januar 1995 wird die Bahnstrecke in Herxheim stillgelegt. Um die Ortseinfahrt Offenbachs verkehrssicherer zu machen, werden wenig später mehrere Meter Eisenbahnschienen am Bahnhof Offenbach herausgerissen. Die letzten Überbleibsel der Strecke sind in Herxheim bis heute zu erkennen. Zwischen wuchernden Halmen erinnern sie jäh an eine vergangene Zeit. Was das Bahnhofsgebäude angeht, so hält sich die Wirtschaft Old Station über einige Jahre. Vor kurzem hat das Haus einen neuen Besitzer und befindet sich im Umbau.

Die Serie

Früher tummelten sich dort viele Reisende, heute haben etliche alte Bahnhofsgebäude eine neue Bestimmung gefunden. In manchen sind beispielsweise Wohnungen entstanden, in anderen Gaststätten. In unserer Serie „Abgefahren“ stellen wir in loser Folge die umgenutzten Stationen in der Südpfalz vor und fahren Zug durch deren Geschichte.

Oben links im Bild ist der Bahnhof in Herxheim aus der Vogelperspektive zu sehen.
Oben links im Bild ist der Bahnhof in Herxheim aus der Vogelperspektive zu sehen.
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