Kreis Südliche Weinstraße Alles andere als kinderleicht

Im Landkreis Südliche Weinstraße gibt es 26 kommunale und 47 kirchliche Kitas. Doch die Nachfrage nach Kitaplätzen wächst.
Im Landkreis Südliche Weinstraße gibt es 26 kommunale und 47 kirchliche Kitas. Doch die Nachfrage nach Kitaplätzen wächst.

SÜW: Eine kürzlich veröffentlichte Studie des ZDF sagt, im Landkreis Südliche Weinstraße lasse es sich ziemlich gut leben. Das zeigt sich auch daran, dass sich junge Familien hier niederlassen. Aber wohin mit den Kleinen, wenn die Arbeit ruft? Die Versorgung mit Ganztagskitaplätzen war Thema im Kreistag.

Auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung des Gemeinderats Bornheim steht der Punkt „Mangel an Ganztagsplätzen im Kindergarten“. Grund: Der katholische Kindergarten „St. Laurentius“ kann für das kommende Kitajahr 68 Plätze bereitstellen, das Problem ist jedoch, dass es 81 Anmeldungen gibt. „Dies bedeutet, dass 13 Kinder in der Kita keinen Ganztagsplatz erhalten, und die Eltern eine Alternative suchen müssen“, heißt es in der Vorlage. Ein Einzelfall? Keineswegs. In Herxheim muss jetzt in Windeseile ein neuer Kindergarten gebaut werden, weil die bestehenden Einrichtungen aus allen Nähten platzen, in Edesheim und Bad Bergzabern sieht es nicht anders aus. Dort kann es vorkommen, dass im Einzelfall Eltern zwei bis drei Monate vertröstet werden müssen, bis ihr Kind aufgenommen werden kann. Wie gut sind die Kitas im Landkreis aufgestellt – besonders mit Ganztagsplätzen? Unter anderem diese Fragen hat die CDU-Fraktion nun mit einem Antrag im Kreistag aufgeworfen.

Kreisverwaltung will Bedarf an Ganztagsplätzen prüfen

„Unser Landkreis ist kinderfreundlich – und das soll auch so bleiben“, sagte CDU-Fraktionschef Georg Kern. Er merke an allen Stellen, dass die Ortsgemeinden im Kreis Bedarf an zusätzlichen Kitaplätzen hätten, da in immer mehr Familien beide Elternteile einer regelmäßigen Beschäftigung nachgingen. Ein Ausbau der Ganztagsplätze sowie bauliche Erweiterungen dürften demnächst erforderlich sein. Die Kreisverwaltung will nun prüfen, wie groß der Bedarf an Ganztagsplätzen ist. Im Landkreis gibt es 26 kommunale und 47 kirchliche Kitas. Insgesamt bieten diese 4751 Plätze, davon sind 2594 Ganztagsplätze. Das teilt die Kreisverwaltung auf Anfrage der RHEINPFALZ mit. Demnach sind bis auf wenige Ausnahmen alle Kitas ausgelastet. Da jedoch die Anzahl der Geburten teilweise stark schwanke, seien zeitweise nicht alle Einrichtungen voll belegt. Das sei im vergangenen Jahr in Dörrenbach der Fall gewesen, in diesem Jahr werde diese Situation voraussichtlich in Frankweiler eintreten. Dennoch sei die Nachfrage stark und scheine weiterhin zu wachsen – besonders nach Ganztagsplätzen. Dieser Trend sei vor allem in großen Gemeinden messbar.

Kein Rechtsanspruch auf Ganztagsplätze

In der Vergangenheit hätten nicht alle Ausbauwünsche der Kitas beziehungsweise der Kommunen erfüllt werden können, erklärt die Kreisverwaltung. Zum einen gebe es keinen Rechtsanspruch auf Ganztagsplätze. Zum anderen seien damit Mehrkosten verbunden. Wenn die Anzahl der Ganztagsplätze in einer Kitagruppe auf über 50 Prozent steige, müsse überproportional mehr Personal eingestellt werden. Das müsse dann in Haushaltsberatungen diskutiert werden. Gleichzeitig liege der Kreis bei der Anzahl der Ganztagsplätze über dem Landesschnitt. Dem Landkreis kommen bei den Kitas unter anderem folgende Funktionen zu: Zum einen ist das bei ihm angesiedelte Jugendamt für die Bedarfsplanung zuständig. Darin werden Art, Anzahl und Größe der Kindertagesstätten festgelegt, die benötigt werden. Zum anderen gewährt der Landkreis für den Neubau, den Ausbau und die Sanierung von Kitas Mittel, welche 40 Prozent der zuschussfähigen Kosten umfassen.

Geburtenzahl um etwa 20 Prozent gestiegen

Mit der Einführung eines Rechtsanspruchs auf einen Kitaplatz ab dem ersten Lebensjahr vor acht Jahren sei im Kreis fast jede Kita erweitert beziehungsweise neu gebaut worden. Damit sei die Erwartung verbunden gewesen, den Bedarf mindestens mittelfristig decken zu können. Entgegen aller Prognosen sei in der Zwischenzeit die Geburtenzahl aber um zirka 20 Prozent angestiegen – von 800 auf rund 960, heißt es aus dem Kreishaus. Dadurch habe es im Landkreis in den vergangenen fünf Jahren 600 Kinder mehr gegeben, welche einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz hätten. Deshalb lägen Planungen für den Neubau von vier Kitas und den Ausbau von weiteren vier Kitas vor. „Wir wollen dem Bedarf, den es nach Ganztagsplätzen gibt, als Kreis nachkommen“, betont Landrat Dietmar Seefeldt (CDU) auf Anfrage.

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