Kreis Südliche Weinstraße Albersweiler/Göcklingen: Häuser, die Geschichte atmen

Der alte „Pfälzer Hof“ in Albersweiler steht zum Verkauf.
Der alte »Pfälzer Hof« in Albersweiler steht zum Verkauf.

Das Landauer Architekturbüro Lampe Vier entwirft nicht nur Gebäude, es vermittelt sie auch. Keine 08/15-Buden, sondern besondere Anwesen. Darunter eine ehemalige Gaststätte mit Zugang zu einer Queich-Insel und ein herrschaftliches Anwesen aus dem Jahr 1798.

Auch denkmalgeschützte Häuser im Portfolio

Den Blick fürs Besondere haben Architekt Dirk Lampe und Kaufmann Karsten Richter vom Landauer Architekturbüro Lampe Vier, das seit drei, vier Jahren auch Objekte vermittelt. Derzeit sind etwa zehn Objekte im Portfolio. Zwei ganz spezielle Anwesen suchen Käufer, die neue Hausherren dieser denkmalgeschützten Gebäude werden wollen. Mitten in Albersweiler soll die ehemalige Gaststätte „Pfälzer Hof“ verkauft werden. Was die Ausstattung betrifft, versprüht diese zwar den Charme vergangener Zeiten, aber eine gut ausgestattete Küche, ein separater Frühstücksraum und Fremdenzimmer gehören dazu. Auf dem 1150 Quadratmeter großen Grundstück stehen mehrere miteinander verbundene Gebäude, die 34 Zimmer auf 1010 Quadratmetern bieten. Das Besondere: Zu dem Grundstück gehört eine 220 Quadratmeter große Insel inmitten der Queich mit drei Stegen vom Anwesen aus. Auch unter der Erde hat das Anwesen etwas zu bieten: einen Gewölbekeller und den ehemaligen Ratskeller, in dem Veranstaltungen gegeben werden können. Bislang ist in einem der Gebäude eine Physio-Praxis untergebracht.

Pfälzer Hof

589.000 Euro wollen die ehemaligen Betreiber für den „Pfälzer Hof“ haben, in dem ab und an noch Veranstaltungen abgehalten und die Fremdenzimmer vermietet werden. Wer das Design verändern möchte, kann auf einen 15-prozentigen Zuschuss über die Dorferneuerung bauen. Natürlich sei das Anwesen in die Jahre gekommen und man müsste renovieren, sagt Dirk Lampe, aber es gebe keine größeren Schäden. Er hat einige Ideen, wie man das Objekt nutzen könnte – zum Beispiel als Mehrgenerationenhaus oder als Hostel mit Café. Es gehe nicht um große Eingriffe, man könne gut mit dem Bestand arbeiten. Wichtiger sei, dass der neue Eigentümer das Haus verstehe und liebe. 50 bis 100 Besichtigungen werde es brauchen, bis sich ein geeigneter neuer Hausherr findet, schätzen Lampe und Richter.

Anwesen mit speziellem Touch

Das zweite Anwesen mit speziellem Touch liegt im Ortskern von Göcklingen. 1798 erbaut, war es bis zuletzt Wohnsitz der Dynastie Reuther/Reither, aus der ein Speyerer Bischof, mehrere Pfarrer, Rechtsanwälte, Steuereinnehmer, Offiziere, Ökonomieräte und vier Bürgermeister stammten. Den jetzigen Erben ist das Haus aber zu groß. Das denkmalgeschützte Gebäude mit 1265 Quadratmeter Nutzfläche bietet 26 Zimmer und einen großen Innenhof. „In Teilbereichen ist es noch unverändert. So etwas haben wir noch nie gesehen“, berichtet Lampe. Besonders die alten Holzvertäfelungen an den Wänden des Salons bringen seine Architektenaugen zum Funkeln. Durch zwei Torbögen fuhren früher Kutschen vor. Das Gebäude atmet Geschichte – wenn auch nicht so rühmliche. In den 1930er-Jahren sei hier die Zentrale des Reichsbauernverbands gewesen, berichtet der Architekt. Davon zeugten noch Wandmalereien. 750.000 Euro muss man locker machen, um dieses hochherrschaftliche Objekt zu erwerben. Das Haus sei gut in Schuss, Renovierungsarbeiten wie neue Bäder stünden allerdings an. Zwei mögliche Nutzungskonzepte hat sich Lampe bereits einfallen lassen: komplett als Wohnraum oder als Gastronomie mit Ferienwohnungen. Für solch einen Umbau müsste man wohl noch einmal so viel Geld wie für den Kauf in die Hand nehmen, überschlägt Lampe.

Käufersuche braucht Zeit

Dafür einen Käufer zu finden, werde sicherlich wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen, prognostiziert der Architekt. „Ein junger Winzer wäre perfekt.“ Er rechnet mit einem guten Jahr, bis die beiden Objekte an den Mann gebracht sind. „Es geht uns nicht um Schnelligkeit, wir sind da idealistischer unterwegs“, sagt er.

Das Anwesen hat eine eigene kleine Insel inmitten der Queich.
Das Anwesen hat eine eigene kleine Insel inmitten der Queich.
Das Haus stammt aus dem Jahr 1789.
Das Haus stammt aus dem Jahr 1789.
Hier war zu NS-Zeiten die Zentrale des Reichsbauernverbands.
Hier war zu NS-Zeiten die Zentrale des Reichsbauernverbands.
Urig wirkt die Einrichtung.
Urig wirkt die Einrichtung.
Der holzvertäfelte Salon der Familie Reuther/Reither in Göcklingen.
Der holzvertäfelte Salon der Familie Reuther/Reither in Göcklingen.
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