Kreis Südliche Weinstraße Abgezockt
Der Zuschauerraum des großen Saals im Landgericht Landau war gestern gut besetzt, als der Angeklagte in Sportkleidung und mit Handschellen hereinkam. Er sitzt seit Juli des vergangenen Jahres in der Justizvollzugsanstalt Zweibrücken ein. Oberstaatsanwalt Thomas Spielbauer verlas die Anklageschrift, in der dem Mann, der in erheblicher Weise vorbestraft ist, gewerbsmäßiger Betrug in sieben Fällen im Zeitraum von 2013 bis 2017 vorgeworfen wird. Der 59-Jährige habe den Geschädigten falsche Tatsachen vorgespielt, ihr Vertrauen erschlichen und ihnen einen Vermögensverlust großen Ausmaßes zugefügt, hieß es. In drei der sieben Fälle waren Frauen die Opfer. Einer Frau – der mutmaßliche Betrüger hat seine Opfer meist in Luxushotels in der Pfalz, unter anderem in Deidesheim, Bad Dürkheim oder Bad Bergzabern kennengelernt – soll er sich als ehemaliger Beamter des Bundeskriminalamtes und verdeckter Ermittler mit eigenem Flugzeug, einer Yacht und Häusern vorgestellt haben. Wegen eines angeblichen finanziellen Engpasses, der nur von kurzer Dauer sei, und der Aussicht auf ein Millionenerbe soll ihm die Frau eine große Menge Geld geliehen haben. Bei der zweiten Geschädigten, die der Mann Ende 2013 in einem Tanzlokal kennengelernt hat, stellte er sich als Rechtsanwalt mit einem Hotel in Travemünde und mit der Aussicht auf eine Erbschaft von vier Millionen Euro vor. Die Frau soll ihm knapp 147.000 Euro in verschiedenen Teilbeträgen von wenigen 100 bis mehr als 10.000 Euro gegeben haben. Im Februar 2014 lernte er dann als „Polizeibeamter“ wiederum eine Frau kennen, mit der er eine freundschaftliche Beziehung pflegte. Sie löste ihr Sparbuch sowie ihre Lebensversicherung auf, soll ihm wegen seines angeblichen Erbschaftsstreits 285.000 Euro gegeben haben. 107.000 Euro bekam der Angeklagte von einem Mann wegen angeblicher Erbschaftsstreitigkeiten mit seinen Schwestern, die einen kurzfristigen finanziellen Engpass nach sich gezogen hätten. In vielen Fällen soll der aus dem Kreis Bad Dürkheim stammende Angeklagte Dokumente vorgelegt haben, um seine Geschichten zu untermauern. So „belegte“ er einmal einen Kontostand von sieben Millionen Euro, ein anderes Mal über 82 Millionen. Seine von ihm propagierten Erbschaften wurden mit gefälschten Dokumenten und Unterschriften von Bankvorständen der Sparkasse und Volksbank untermauert. Und mit Unterlagen, die gefälschte Unterschriften von Staatsanwälten, Notaren, Rechtsanwälten zierten. Zudem benutze er ein Dokument des saarländischen Ministeriums für Europaangelegenheiten. In weiteren drei Fällen führte er die Geschädigten mit Geschäftsmodellen hinters Licht. Er habe 180 gebrauchte Autos im Wert von 1,5 Millionen Euro und wolle diese für 2,5 Millionen verkaufen, soll er einem Mann vorgeschlagen haben, der ihm dafür mindestens 130.000 Euro gegeben hat und auf eine Beteiligung am Gewinn gehofft hatte. Kleinere Brötchen soll er mit einem weiteren Geschädigten gebacken haben, der ihm 6000 Euro für ein Geschäft mit einem gebrauchen Audi mit einem angeblichen Wert von 19.000 Euro gegeben hat. „Für gewerbsmäßigen Betrug sieht das Gesetz eine Strafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren für jeden einzelnen Fall vor“, sagte Staatsanwalt Thomas Spielbauer gestern auf Nachfrage der RHEINPFALZ. Info Der Prozess wird am Freitag, 9. Februar, um 9 Uhr fortgesetzt.