Bad Bergzabern
Abendliche Ausgangssperre in größter Rehaklinik der Region
„Von meiner Mutter, die seit vorgestern in Bad Bergzabern zur Reha ist, habe ich erfahren, dass in der Edith-Stein-Klinik seit Wochen eine Ausgangssperre für die Bewohner angeordnet ist“, berichtet Ronald Wendlandt der RHEINPFALZ Mitte vergangener Woche. An Wochentagen müssten sich alle um 17 Uhr, am Wochenende sogar ab 16 Uhr im Klinikgebäude befinden. Nicht einmal ein Spaziergang auf dem Klinikgelände sei dann möglich.
„Ich finde es ungeheuerlich, erwachsene Menschen derart einzusperren. Begründet wird es mit hohem Krankenstand und Corona, und dass man sonst nicht kontrollieren könne, wer die Klinik betrete. Tagsüber werden allerdings auch keine Kontrollen durchgeführt, sodass dies kein Argument sein dürfte“, findet Wendlandt. Die Betroffenen seien in der Regel alte Leute, die sich nicht ausreichend wehren könnten, da sie nach Operationen ohnehin geschwächt seien. Nachfragen von Angehörigen würden freundlich, aber bestimmt abgewiesen. „Meine Eltern sind mit der Klinik zufrieden, aber mit den Ausgangsregelungen gar nicht“, sagt der Sohn im Telefonat mit der RHEINPFALZ.
15 bis 20 Prozent Personalausfälle
Tiefes Durchatmen bei Heiko Nebert, dem kaufmännischen Direktor der Klinik, der schon seit mehr als zwei Jahre mit Corona-Verordnungen und deren Umsetzung in dem Haus mit 240 Betten und 260 Mitarbeitern, der größten Rehabilitationseinrichtung im Umkreis von 100 Kilometern, zu tun hat. „Vor Corona waren die Türen bis 22 Uhr offen, ab 17 Uhr war die Pforte nicht mehr besetzt. Da konnte jeder raus und rein, niemand wurde kontrolliert“, sagt er. Das gehe in Corona-Zeiten natürlich nicht.
Derzeit – die Regeln seien vor Kurzem zeitlich erweitert worden – sei das Haus jeden Dienstag und Donnerstag bis 19 Uhr offen, an den anderen Wochentagen bis 17 Uhr und an Samstagen und Sonntagen bis 18 Uhr. Für die Wochenenden und die Zeiten nach 17 Uhr während der Woche habe die Klinik einen Sicherheitsdienst organisiert, der die Besucher kontrolliere. Anders sei es personell nicht zu stemmen. „Wir kontrollieren grundsätzlich, jeder Besucher muss einen tagesaktuellen Test vorlegen“, so Nebert. Die verkürzten Öffnungszeiten träfen eben auch die Patienten, denn wenn die Türen offen stünden wie vor Corona, könne jeder unkontrolliert raus und rein. Er selbst wünsche sich am meisten, die Sicherheitsvorkehrungen aufheben zu können, aber das lasse die derzeitige hohe Infektionslage nicht zu. Auch die Edith-Stein-Klinik habe Personalausfälle von 15 bis 20 Prozent. „Ich hoffe auf den Sommer, vielleicht ist dann wieder eine normale Reha für Patienten und Besucher möglich“, so Nebert.
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