Rohrbach / Leinsweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Abendessen im Wohnmobil wird zum Ereignis

Die Speisen werden unter einer Glosche serviert.
Die Speisen werden unter einer Glosche serviert.

Da das Reisen derzeit in weite Ferne gerückt ist, erfreuen Campingwagen wachsender Beliebtheit. Erholung und Abwechslung: heute hier, morgen dort. In der Südpfalz finden Wohnmobilisten auch Gaststätten der etwas anderen Art.

Mit dem Wohnmobil nach einer Wanderung im Pfälzerwald zu einem Hotel fahren, den Wagen auf einem zugewiesenen Parkplatz abstellen und darin von der dortigen Küche kulinarisch verwöhnen lassen. Und dazu einen guten Wein aus der Region genießen. Genau das ist in Rohrbach und Leinsweiler möglich.

Nachdem er das seit 1968 leerstehende Bahnhofsgebäude in Rohrbach im Jahr 2015 gekauft, mit großem finanziellen Aufwand zu einem Hotel umgebaut und im April 2017 eröffnet hat, wartet Inhaber Andre Steverding seit Mitte Dezember mit einem Wohnmobil-Dinner auf. Bis zu 15 Parkplätze kann er dafür bieten. „Im Facebook wurden auf das Angebot schon 37.000 Zugriffe registriert“, sagt Steverding, der als Designer dem Gastronomiebetrieb seinen Stempel aufgedrückt hat. Der 52-Jährige spricht von einer siebenstelligen Summe, die in das Projekt gesteckt wurde. Seine Frau Eva kümmert sich um Organisation, Marketing und Eventmanagement.

Bis wann die Speisen rausgehen

Doch in Pandemiezeiten ist für die derzeit größtenteils verhinderte Gastronomie guter Rat teuer. Warum also die Platzkapazitäten vor dem Hotel nicht nur für den Abholservice nutzen und Wohnmobil-Dinner auf die Karte nehmen? Gesagt, getan – und in den Sozialen Medien angepriesen. „Es läuft gut. Im Schnitt sind es an die zehn Kunden, die pro Abend kommen“, sagt der Gastronom, der trotz immenser Einnahmeausfälle den Kopf nicht in den Sand steckt und auf baldige, bessere Zeiten hofft.

Das Angebot für Wohnmobil-Besitzer war am Anfang auf drei Abende ausgelegt, doch übriggeblieben sind die Tage Freitag und Samstag. Mit den Ordnungshütern ist alles genau abgestimmt. Wegen der Corona-Beschränkungen müssen die ankommenden Wohnmobilisten ihre Plätze bis spätestens 17 Uhr ansteuern. Warme Küche gibt es bis 20 Uhr. Steverdings Mitarbeiter bringen Speise- und Getränkekarten und nehmen die Bestellung auf. Alles mit Abstand und Maske, versteht sich.

Wenn einer zu tief ins Glas geschaut hat?

Vier Mitarbeiter sorgen dafür, dass die Wünsche der Gäste erfüllt werden. Das Essen wird unter einer Glosche ohne persönlichen Kontakt an den Fahrzeugen serviert, die Getränke kommen in Flaschen. Geschirr und Besteck werden später eingesammelt und im Restaurant gesäubert. Bezahlt wird mit Karte oder bar. Wer einen über den Durst trinkt, braucht sich keine Sorgen zu machen. Es kann nämlich auch vor Ort übernachtet werden. „Das sind ja eigentlich alles Selbstversorger, sie haben Strom und Toiletten in den fahrenden Wohnungen“, berichtet Steverding.

Laut Kfz-Kennzeichen kommen die Gäste aus Frankfurt, Karlsruhe, Saarbrücken, Heidelberg und der Südpfalz. „Oft winken sich die Wohnmobilisten von einem Fenster zum anderen zu und tauschen sich übers Handy aus“, erzählt der Hotelier, der als Tellerwäscher bei Bruderherz und Ausnahmekoch Peter Steverding seine Karriere begann. Seine Klientel will er auch nach dem Lockdown bei der Stange halten.

Über den Dächern von Leinsweiler

Menschenansammlungen, das wird den Ankömmlingen klipp und klar vorher mitgeteilt, sind verboten. Partystimmung soll es nicht geben. Der Parkplatz ist zudem ohne Abfall zu hinterlassen. Das gilt auch für den Leinsweiler Hof, wo das Angebot „Über den Dächern von Leinsweiler“ seit einigen Wochen gepflegt wird. Juniorchef Oliver Neu zufolge waren es rund 20 Veranstaltungen dieser Art. Auf 30 Stellplätzen.

Quasi im Schatten des Slevogthofs hat man sich auf Motto-Dinner festgelegt. Ein Drei-Königs-Dinner gehört ebenso dazu wie ein Valentins-Lunch, ein Captains-Dinner, eine Ritterliche Tafelrunde oder eine Weltreise in fünf Gängen. Wobei das Hotelareal entsprechend ausgeschmückt wird. „Auch die Wohnmobilisten beteiligen sich und setzen in ihren Fahrzeugen originelle Ideen um,“ erzählt Neu.

Es ist noch gar nicht lange her, da hieß es „Leinsweiler hält zusammen“. Wobei Winzer und andere Gastronomen aus dem Ort mitwirkten. Im Hotel gab es mangels Gästen bei der Vorbereitung genug Platz und Abstand. Das Angebot für Wohnmobilisten ist in Leinsweiler ein Renner, innerhalb weniger Stunden sei jeweils alles ausgebucht. Täglich gibt es laut Oliver Neu rund 300 Mails dazu. „Bis 6. März machen wir das auf jeden Fall.“

Vier Mitarbeiter sorgen dafür, dass die Wünsche der Gäste erfüllt werden.
Vier Mitarbeiter sorgen dafür, dass die Wünsche der Gäste erfüllt werden.
Menschenansammlungen sind verboten. Partystimmung soll es an dem Abend nicht geben.
Menschenansammlungen sind verboten. Partystimmung soll es an dem Abend nicht geben.
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