Kreis Südliche Weinstraße 25 Jahre Warten sind vorbei
Auf den Weg gebracht hat das neue Naturschutzgebiet, das 26. im Landkreis Südliche Weinstraße, der Naturschutzverband Südpfalz in Herxheim, der 2016 einen entsprechenden Antrag bei der Struktur- und Genehmigungsbehörde (SGD) in Neustadt gestellt hat. „Ein großes Lob an die SGD, die im gleichen Jahr das Gebiet unter vorläufigen Schutz gestellt hat, bis es jetzt offiziell genehmigt wurde“, sagt Kurt Garrecht, Vorsitzender des Naturschutzverbandes Südpfalz mit rund 1800 Mitgliedern bei einer Begehung vor Ort. Das Naturschutzgebiet liegt einen Kilometer nordöstlich von Bad Bergzabern, in Pleisweiler führt der Weg an den Tennisplätzen vorbei zu einer der wenigen Freiflächen, denn 45 Hektar des Gebietes sind bewaldet. Mitten im Naturschutzgebiet liegt die Nato-Satellitenstation Satcom, die von der neuen Unterschutzstellung ausgenommen ist. Der Unkundige sieht der Wiese nicht an, welche seltenen Pflanzen auf ihr wachsen. Der stellvertretende Vorsitzende des Vereins und Apotheker, Kurt von Nida, zeigt ein unscheinbar wirkendes lila blühendes Heilkraut: „Das ist Tausendgüldenkraut, ein Heilmittel für Magen und Darm.“ Dieter Zeiß, Vorsitzender der Stiftung zum Schutz der Landschaft und Natur in der Südpfalz, die den Verein unterstützt, hat eine Hosenbiene gefangen. Ganz deutlich zu erkennen an den langen leuchtend gelben Haarbürsten an den Beinen. Die seltenen mageren Kalkwiesen sind es, die die teils vom Aussterben bedrohten Pflanzen wachsen lassen. Magerwiesen bevorzugt auch der Wendehals, eine Spechtart, die im Bestand rückläufig ist und ihren Namen wegen ihrer auffälligen Kopfdrehungen hat. Besitzer des Geländes ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, eine Einrichtung des Bundes. „Das Areal wurde nach dem Zweiten Weltkrieg gekauft und hat in kleineren Teilen als militärischer Übungsplatz gedient, zu dem noch eine stillgelegte Schießanlage gehört“, informiert Biologe Matthias Kitt, Vorstandsmitglied der Stiftung. „Ein Kauf des Geländes war leider nicht möglich“, bedauern die Mitglieder des Vereins und der Stiftung, die ein Naturschutzkonzept erstellt haben. „Seit 25 Jahren wurde kein Naturschutzgebiet mehr in der Südpfalz ausgewiesen“, sagt Kitt, federführend verantwortlich für das Konzept. Unter anderem sollen mehr Freiflächen entstehen, verbuschte Wege freigeschnitten werden, Fichtenaufforstungen entfernt und zwei alte Steinbrüche freigestellt werden. Der Talkessel soll für die Wärme liebenden Insekten ausgelichtet werden. „Wir haben die Maßnahmen mit der Bundesforstverwaltung durchgesprochen, die weite Teile umsetzen will“, informiert Dieter Zeiß. Für die Besucher von Naturschutzgebieten gelten übrigens besondere Regeln, die ausgewiesenen Wege dürfen nicht verlassen werden, das Gebiet darf auch nicht bebaut werden. 200 Hektar ökologisch wertvolle Flächen besitzt der Verein zum Schutz der Landschaft und Natur in der Südpfalz, um sie dauerhaft zu renaturieren. „Wir erwerben auch gerne weitere Flächen“, sagt der Vorsitzende. Für die Projekte werden auch Fördermittel beantragt. Seit Kurzem ist die angehende Umweltwissenschaftlerin Meike Wagner als Halbtagskraft für die Stiftung tätig. Sie ist zuständig für die „Aktion Südpfalz-Biotope“. „Es geht um die Aufwertung der Biotope in der Südpfalz und der Stadt Landau und die Sensibilisierung der Kommunen für die Pflege“, sagt sie. Info —Wer Mitglied werden oder sich auch als Nichtmitglied an Arbeitseinsätzen beteiligen will, die über eine Whatsapp-Gruppe vermittelt werden, kann sich an den Vorsitzenden Kurt Garrecht wenden, unter Telefon 0171 9362076 oder per E-Mail an kurt.garrecht@t-online.de. —Internetseite des Vereins: www.nv-s.de, Internetseite der Stiftung: www.nvs.natur.stiftung.de