Kreis Südliche Weinstraße Überall Blut

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Bad Bergzabern: Auch fast ein Jahr nach der Tat flossen bei Zeugen die Tränen. Sie wollen gesehen haben, wie ein 53-Jähriger in Bad Bergzabern auf seine Frau eingestochen hat. Wegen versuchten Mordes steht der Mann in Landau vor Gericht.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, dass er seine Frau absichtlich habe töten wollen. Der Mann soll an einem Nachmittag im Juli vergangenen Jahres widerrechtlich in die Wohnung seiner Noch-Ehefrau und ihres gemeinsamen fünfjährigen Sohnes eingedrungen sein (wir berichteten). Anschließend soll er mit der sieben Zentimeter langen Klinge eines Messers der Frau in den Hals und in die Brust gestochen haben – insgesamt 18-mal. Die Frau war nach draußen geflohen, auch dort soll der Mann nicht von ihr abgelassen haben, wie Zeugen gestern vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Landau berichteten.

"Der Junge hat nur 'Mami' gesagt"

Sie habe gerade Wäsche aufgehängt, als sie ein „fürchterliches Geschrei“ gehört habe, berichtete eine Nachbarin. Sie sei ums Haus gerannt, ein Mann auf dem Gehweg habe „Messer“ geschrien, eine Frau „Notruf“. Der Angeklagte habe auf die Frau eingetreten. „Ich bin wieder ins Haus und habe die 110 und die 112 angerufen, da ging niemand dran, bei der Polizei in Bad Bergzabern war der Anrufbeantworter geschaltet“, berichtete die Frau. Als sie wieder hinausgegangen sei, sei der Angeklagte mit seinem Sohn an ihr vorbeigegangen und habe „Hallo“ gesagt, als wäre nichts gewesen. Sie sei hinter ihm hergegangen und habe drei Arbeitern zugerufen, sie sollten ihr das Kind bringen, was diese auch getan hätten. „Der Junge hat nicht gesprochen, nur ,Mami’ gesagt“, erzählte die Frau unter Tränen. Sie habe den Kleinen über eine Stunde beaufsichtigt, bis ihn die Polizei mitgenommen habe.

"Ich dachte, sie ist tot"

„Manchmal geschehen auch kleine Wunder“, sagte Richter Jörg Bork mit Blick auf die im Gerichtssaal anwesende Mutter, die die lebensgefährlichen Verletzungen überlebt hat. „Er war wie von Sinnen, er hat mehrfach richtig fest mit den Arbeitsschuhen auf die Frau am Boden eingetreten“, sagte eine weitere Zeugin, die zufällig mit dem Auto vorbeigekommen war. „Du hast mir mein Kind genommen, verrecken sollst du“, habe er gehört, berichtete ein Nachbar. Auch eine andere Frau war mit ihrem Sohn zur Tatzeit vorbeigefahren. „Alles war voll Blut, an der Seite kam richtig viel Blut raus, ich dachte, sie ist tot“, sagte sie unter Tränen. Sie sei ausgestiegen und habe laut geschrien. „Es war schrecklich“, betonte die Frau.

Mit Sicherheitsschuhen über 20-mal getreten

Er habe gesehen, dass der Angeklagte der Frau ein Messer in den Bauch gestochen habe, sie sei umgefallen und reglos liegengeblieben, sagte der 33-jährige Sohn der Zeugin. „Was machst du“, habe er den Mann angeschrien, der mit den Worten „Geh weg, du scheiß Russe“ das Messer gegen ihn gerichtet habe. Auch als die Frau am Boden gelegen habe, habe er sie mit seinen Sicherheitsschuhen über 20-mal getreten und sie mit der Faust geschlagen. Durch die Wucht der Schläge und Tritte habe sich ihr Körper hin- und herbewegt. Alle Zeugen sagten vor Gericht aus, dass sie keinen äußerlich erkennbaren Alkoholeinfluss wie Lallen oder einen unsicheren Gang bei dem Angeklagten wahrgenommen hätten, der laut Staatsanwaltschaft zur Tatzeit 2,1 Promille hatte. Das Opfer hatte schwere Verletzungen an Kopf, Hals und Bauch davongetragen, die Halsschlagader war nur knapp verfehlt worden. Dank einer Notoperation wurde ihr Leben gerettet. Das Kind hatte seine am Boden liegende Mutter gesehen, es ist derzeit in einem Kinderheim, soll aber in absehbarer Zeit zur Mutter zurückkehren.

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