Bad Bergzabern
Über einen mobilen Schleifservice und die Familie dahinter
Romeo Weiß erzählt stolz: „Ich bin Scherenschleifer, das ist mein Beruf.“ Er ist stolz darauf. Auch wenn er weiß, dass der Begriff Scherenschleifer oft als Schimpfwort gebraucht wird. Der 49-Jährige, der mit seiner Frau Yvonne und den beiden Kindern in Neustadt lebt, tourt derzeit mit seiner mobilen Station durch die Region. Er steuert Parkplätze von Supermärkten an, wo er sein Handwerk anbietet. An diesem Tag hat er seinen Stand vor dem SBK in Bad Bergzabern, unterstützt wird er von seinem jüngeren Sohn Sergio.
Die beiden Männer warten auf Kunden, die Messer, Scheren, Garten- oder Haushaltsgeräte zum Schleifen bringen. Romeo Weiß ist stolz auf seine Söhne. Sergio feiert bald seinen 21. Geburtstag, Bruder Maurice ist 23 Jahre alt. Sie haben ihrem Vater geholfen, den Betrieb weiterzuführen, als es ihm gesundheitlich nicht gut ging. Deshalb steht auf dem Bus neuerdings auch „Romeo Weiß und Söhne“.
„Der Winkel ist ausschlaggebend“
Als die ersten Kunden zu ihrem Stand kommen, sieht das Schleifen der verschiedenen Klingen wie ein Kinderspiel aus. Geschliffen wird mit einer Maschine, die im Bus montiert ist. Sie wird von einem Generator betrieben. Das Messer wird zunächst auf der Lamellenscheibe bearbeitet. „Der Winkel ist ausschlaggebend. Ich habe zu jedem Messer ein anderes Gefühl, wenn ich es in der Hand habe“, erklärt Romeo Weiß. Dann kommt die Polierscheibe zum Einsatz, die selbst kleinste Unebenheiten beseitigt. Abschließend der Test: Mit einem qualitativ minderwertigen Küchenmesser kann er freihändig eine Zeitung durchschneiden.
„Schärfen sie auch Heckenscheren?“, fragt ein älterer Herr aus Schaidt. Klar beherrschen Vater und Sohn auch den Wellenschliff. Der Kunde, Jahrgang 1947, erinnert sich noch an die Zeit, als Scherenschleifer regelmäßig in die Dörfer kamen und die Gerätschaften der Haushalte bearbeiteten. Wie er heute seine Messer schleift? „Ich habe 50 Messer und koche nicht viel, da wird keines stumpf“, berichtet der Senior lachend.
Welche Vorurteile Vater und Sohn erleben
Weil noch nicht viele Kunden da sind, findet sich die Zeit für ein Gespräch über Vorurteile und den teils blanken Rassismus, den sie oft erleben. „Der Ton macht die Musik, wenn jemand Zigeuner sagt. Aber lieber ist uns Sinti“, sagen Vater und Sohn, beide deutsche Staatsbürger. Sie bieten ihre Dienstleistungen zwar auch an den Haustüren an, ihr mobiler Schleifservice wird aber oft rüde abgewiesen. „Manche sprechen uns in gebrochenem deutsch an, obwohl wir einwandfrei deutsch und pfälzisch sprechen. Wir sind hier aufgewachsen“, sagt der Vater.
„In meiner Kindheit wurde gesagt, Zigeuner nehmen kleine Kinder mit und stehlen Wäsche von der Leine“, berichtet Romeo Weiß, der in Neustadt aufgewachsen ist. „Da kommt der dreckige Zigeuner“, habe er oft in der Schule gehört. Sohn Sergio verrät, dass bei einem Besuch im KZ Auschwitz Gäste mit der Bemerkung „Guck mal, deine Vorfahren“ auf Fotos der Ausstellung gezeigt hätten. Romeo Weiß erzählt: „Mein Großvater war im Konzentrationslager, er hatte die Nummer auf dem Arm.“
Was das Schleifen der Messer kostet
Der 49-Jährige ist traurig, dass seine Söhne immer noch Rassismus oder Vorurteilen begegnen. Stolz holt er ein Foto aus dem Jahr 1846 heraus. Es zeigt einen Teil der Familie Weiß auf einer Wallfahrt nach Lourdes. Mit den damals traditionellen Wohnwägen aus Holz. „Die Vorurteile sind damals wie heute brutal. Das sollte es nicht geben“, sagt der Familienvater. Er versteht, dass Vorsicht geboten ist. In Zeiten, in denen sich Kriminelle als Polizisten, Bankangestellte oder Enkel ausgeben, um die Menschen zu betrügen. Deshalb bietet er seinen Kunden gerne an, ihnen den Ausweis von ihm und seinem Sohn zu zeigen.
Was denn das Schleifen eines Messers koste, werden die beiden Herren von einem Kunden gefragt. Je nach Größe des Messers verlangt Romeo Weiß zwischen fünf und acht Euro. „Wir müssen uns die Messer vorher ansehen, welche Qualität sie haben und in welchem Zustand sie sind“, sagen Vater und Sohn, die auch einen Tipp für das Schleifen in der heimischen Werkstatt haben. „Daheim sollte man einen Wetzstahl verwenden und das Messer im richtigen Winkel schleifen.“
Info
Der mobile Schleifservice der Familie Weiß steht am Freitag und Samstag vor dem Edeka-Markt in Klingenmünster, in der kommenden Woche von Montag bis Mittwoch vor dem Edeka-Markt in Godramstein, jeweils von 10 Uhr bis 16 Uhr. Weitere Infos gibt es unter Telefon 0176 77341001