Kreis Südliche Weinstraße Üben für den „samstäglichen Wahnsinn“
Friedlich glänzt der rote, 26 Meter lange Reisezugwaggon, der auf 40 Meter Schienen auf dem Gelände der Bundespolizei in Bad Bergzabern steht, in der Sonne. Es gibt einen Bahnsteig, Fahrkartenautomaten, Klimaanlage, alles sieht aus wie auf einem richtigen Bahnhof. Aber es ist ein Übungsplatz für die Bundespolizisten und die Mitarbeiter der Sicherheit der Deutschen Bahn, der binnen eines Jahres aufgebaut wurde, um meist weniger friedliche Einsätze so realitätsnah wie möglich zu üben. Wie das aussehen kann, demonstrierten nach der offiziellen Eröffnung Bundespolizisten und „Problemfußballfans“ sehr anschaulich. „In knapp einem Jahr haben wir es geschafft, das ist verdammt schnell“, so Polizeidirektor Karl-Heinz Schenk nach der Begrüßung der zahlreichen Gäste durch den Leiter der Bundespolizei in Bad Bergzabern, Hans-Josef Roth. Im Oktober vergangenen Jahres hatte eine Projektgruppe mit den Planungen begonnen, Spatenstich war im März dieses Jahres. Spektakulär war der Transport des 128 Tonnen schweren Reisezugwaggons am 7. Juli (die RHEINPFALZ berichtete), der in zehn Stunden vom Bahnhof Bad Bergzabern mit einem Schwerlasttransporter zur Bundespolizei gebracht wurde. Der Waggon war 30 Jahre im aktiven Dienst und wurde von der Deutschen Bahn komplett aufgearbeitet. „Zunächst war ein Straßentransport geplant, dann hat Hubert Nessel, Referent für Betriebssicherheit bei der Deutschen Bahn in Karlsruhe, den RHEINPFALZ-Artikel gelesen und einen Schienentransport organisiert“, so Schenk. „Heute ist ein toller Tag“, schwärmte Ralph-Peter Hänisch, Vorsitzender der Geschäftsführung der DB-Sicherheit, einem Tochterunternehmen der Deutschen Bahn. Er lobte die Zusammenarbeit der Bahn mit der Bundespolizei, die für den Schutz der Bahnanlagen zuständig ist. Seit 2000 wurde die Zusammenarbeit über die Ordnungspartnerschaft der beiden Institutionen intensiviert, mit dem Ziel, die Sicherheit auf der einen Seite und den Service und die Kundenfreundlichkeit auf der anderen Seite zu erhöhen. In den vergangenen beiden Tagen vor der offiziellen Übergabe hatten die Führungskräfte der DB zusammen mit Auszubildenden der DB bei einem „Teamday" letzte Hand an den Übungsbahnhof gelegt. „Die Mühe hat sich gelohnt“, fand Hänisch, der weitere Fortbildungen zusammen mit der Bundespolizei ankündigte. „Ein herausragendes Projekt“, fand auch der Konzernbevollmächtigte der DB, Jürgen Konz. „Bahn frei“ gab der Geistliche der Bundespolizei, Henning Lang, für das Projekt. Den „samstäglichen Wahnsinn“ mit Problemfußballfans auf den Bahnanlagen kommentierte Benjamin Niemann, Führer einer Hundertschaft bei der praktischen Übung. Was an diesem Tag für die Gäste eher Spaßfaktor war, ist für die Polizeibeamten Alltag. Randalierende, pöbelnde Fußballfans, die Argumenten nicht mehr zugänglich sind, müssten in die Züge und bis zum Zielbahnhof begleitet werden. Schwierig werde es, wie die Einheit demonstrierte, wenn pyrotechnisches Material oder Wurfgegenstände aller Art zum Einsatz kommen oder eine gegnerische Fangruppe den „Feinden“ den Garaus machen will. Bei dem Übungsbahnhof soll es nicht bleiben. „Ich würde mir ein zügiges Vorankommen der Entkernung des alten Heizhauses gegenüber dem Bahnhof wünschen, das dann als Trainingszentrum mit integrierter Bahnhofshalle ausgebaut werden soll“, war der Wunsch des Leiters der Bundespolizeiabteilung in Bad Bergzabern, Franz-Josef Roth. Für professionelle Unterhaltung sorgte das Quartett des Bundespolizeiorchesters Hannover. (pfn)