Erdölprojekt bei Offenbach
Ölfirma: „Grundwasser nicht in Gefahr“
„Keine Windkraftanlage funktioniert ohne Erdöl“, sagt Stefan Brieske. Er ist Sprecher von Neptune Energy, jenes Unternehmens, das von einem Acker bei Offenbach aus nach Erdöl bohren möchte. Und das macht einigen Südpfälzern Angst. Doch Brieske betont: „Erdöl ist ein hochwertiger Rohstoff, der am Ende nicht nur im Tank landet. Lacke, Farben, Kunststoffe – überall wird Erdöl benötigt, übrigens auch für Fotovoltaikanlagen. Und da müssen wir uns die Frage stellen, ob es uns nicht lieber ist, hier mit unseren Qualitätsstandards und in der Nähe Erdöl zu fördern, anstatt es aus Saudi-Arabien über Tausende von Kilometern zu uns bringen zu lassen.“
Ob das die Kritiker des Projekts, allen voran die Bürgerinitiative „Kein Erdöl aus Offenbach“, überzeugen wird, ist eher fraglich. Sie bemängeln auch Intransparenz. Nicht aufseiten des Konsortiums, sondern aufseiten des Bergbauamtes in Mainz. Das hat vor Kurzem Neptune Energy erlaubt, einen Antrag für eine Probebohrung einzureichen – ohne die Notwendigkeit einer Umweltverträglichkeitsprüfung. Besonders das rügen die Gegner, wozu auch Kommunen gehören. Die Firmensprecher Sandra Arndt und Stefan Brieske betonen jedoch, auch ohne Umweltverträglichkeitsprüfung würden Umweltbelange unter die Lupe genommen.
Infoveranstaltungen für Bürger geplant
Neptune Energy werde nun einen Hauptbetriebsplan für eine Probebohrung beim Landesamt einreichen. Innerhalb des folgenden Prüfverfahrens würden dann auch die Kreisverwaltung und die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd in Neustadt als zuständige Naturschutzbehörden um Stellungnahmen gebeten. Auch Lärmschutzgutachten würden erstellt, um zu überprüfen, ob die Bohrung beziehungsweise die mögliche Förderstätte bei Offenbach die zuständigen Grenzwerte übersteigen könnten. Wenn der Hauptbetriebsplan genehmigt ist, werde es auch Infoveranstaltungen für Bürger geben.
Und selbst wenn das Landesamt einer Probebohrung zustimmen sollte – eine Bohrung kostet laut Arndt und Brieske rund zehn Millionen Euro – sei nicht klar, ob in Offenbach tatsächlich Erdöl gefördert werde. Nur jede vierte Bohrung bringe einen Treffer, also ein Ergebnis, bei dem es sich auch lohne, eine Förderstätte zu errichten, betonen die beiden Neptune-Sprecher, deren Arbeitgeber unter anderem in Speyer Erdöl fördert und 2019 in Schwegenheim unweit der B9 eine Probebohrung in die Erde gebracht hat. „Ob wir in Schwegenheim Erdöl fördern werden, prüfen wir zurzeit“, sagt Brieske. Was den Zeitrahmen betrifft, gibt der Unternehmenssprecher auch eine Perspektive für Offenbach: In Schwegenheim habe Neptune das Grundstück 2013 erworben, 2019 sei dann das erste Mal gebohrt worden, nachdem 2014 der Antrag eingereicht worden war. Heißt: In Offenbach wird es so schnell nicht losgehen.
„Nehmen keinem Bauern das Wasser“
Zahlreiche Südpfälzer treiben wegen des Erdölprojekts besonders diese Punkte um: Grundwasser, Bodenstabilität und Verkehr. Was sagt Neptune Energy dazu? „Es ist weder bei einer Probebohrung noch bei der Erdölförderung zu erwarten, dass Grundwasser beeinträchtigt wird“, sagt Brieske. Es werde zwar Grundwasser für die Förderung von Erdöl genutzt, um dieses zutage zu fördern, doch es handele sich um einen geschlossenen Kreislauf, aus dem nichts austrete. Außerdem sei salzhaltiges Grundwasser aus tiefen Schichten betroffen, das weder für Haushalte noch die Landwirtschaft genutzt werde. Es werde schließlich 2500 bis 3000 Meter tief gebohrt. „Wir nehmen keinem Bauern das Wasser, mit dem er seine Felder bewässern möchte. Das ist schlicht eine Legende“, sagt Brieske.
Auch der Angst vor Rissen in Häusern wollen Arndt und Brieske entgegenwirken. Neptune Energy arbeite mit seismischen Überwachungssystemen, deren Daten auch direkt an das Landesamt übermittelt würden. In Speyer gebe es bisher weder Beweise noch Indizien, dass die dortige Förderung irgendwelche Erdbewegungen ausgelöst habe, so Arndt. Ein weiterer Mythos sei, so Brieske, dass bei der Ölförderung unterirdische Ölseen angezapft würden. Der Rohstoff sei verteilt im Gestein – wie Wasser in einem Schwamm. Mit Druck werde das Öl herausgedrückt, Untergrundwasser laufe direkt nach und ersetze das Erdöl. Deshalb bleibe der Untergrund stabil, so Brieske.
20 Lastwagen am Tag
Was den zusätzlichen Schwerlastverkehr angeht, der anfallen würde, sollte Schwarzes Gold bei Offenbach gefördert werden, versuchen die Neptune-Sprecher ebenfalls zu relativieren. Bei den maximal möglichen 500 Tonnen Erdöl pro Tag würden ungefähr 20 Lastwagen täglich das gewonnene Erdöl von Offenbach zu einer Raffinerie transportieren.
Auch die wiederkehrende Kritik der Erdölgegner am angeblich steinzeitlichen Bergrecht weisen Brieske und Arndt zurück. Das Gesetz sei von 1980, „es ist nicht von gestern“, sagt Brieske. Zudem habe Neptune Energy vom Land Rheinland-Pfalz die Lizenz zur Förderung von Erdöl erhalten, betont Arndt. Das bedeute auch, dass das in Angriff genommen werden müsse. Ansonsten werde die Lizenz wieder eingezogen, andere Bewerber gebe es genug.
Übrigens: Das Vorhaben in Offenbach ist das Ergebnis seismischer Messungen in den Jahren 2012 und 2013. Damals waren Rüttelfahrzeuge in der Südpfalz unterwegs, um den Untergrund zu vermessen.