Kusel / Otterberg
Zusätzlicher Job für Kuseler Forstamtsleiterin
Der Leiter des Forstamts Otterberg, Markus Gatti, war Anfang Oktober in den Ruhestand verabschiedet worden. Einen Nachfolger konnte die Forstbehörde nicht präsentieren: Die Ausschreibung sei ohne Bewerbung geblieben, hieß es bei Gattis Verabschiedung. Daher übernehme nun Gabi Kleinhempel kommissarisch die Leitung. So nebenbei sei das natürlich nicht zu machen, macht Kleinhempel deutlich und fügt hinzu: „Es ist ja kein Dauerzustand.“ Sie hoffe, dass sich die Doppelbelastung nach einem viertel bis halben Jahr erledigt haben werde, wenn eine weitere Ausschreibungsrunde mit Erfolg gelaufen ist.
Negative Auswirkungen befürchtet Kleinhempel durch den Zusatz-Job für Kusel nicht. „Hier läuft alles gut und geregelt weiter.“ Zudem werde sie nicht allein von der Büroleitung bestens unterstützt. Zudem kenne sie Otterberg gut, da sie vor ihrer Zeit in Kusel dort schon zehn Jahre lang als Büroleiterin tätig war.
Holzernte nicht allein zu schaffen
Extremen Fachkräftemangel kann Kleinhempel in Kusel aktuell nicht ausmachen. Zwar habe es in den vergangenen Jahren etliche Abgänge gegeben, und Ende dieses Jahres verabschiede sich der erfahrene Büroleiter Werner Pfaff aus Kusel. Dennoch konstatiert Kleinhempel: „Das Forstamt ist jünger und weiblicher geworden.“ Bei den Forstwirten und Waldarbeitern sei das Forstamt aktuell „mittelmäßig aufgestellt“, bei den Förstern sogar gut. Die Waldarbeit werde sowieso überwiegend an Firmen vergeben. Denn im Gegensatz zur Pflege könne das Forstamt die Holzernte mit seinen Leuten nicht allein schaffen.
Im kommenden Jahr gingen allerdings zwei Forstwirte in Rente. „Dann verlieren wir zwei erfahrene Leute, die auch viel Holz gemacht haben“, schildert Kleinhempel, dass die Luft dünner werde. Das Problem: „Wir finden niemanden, der im Kreis Kusel bleiben will.“ Eine Herausforderung sei zudem, die vielen jungen Leute in die Praxis zu führen. Von der Schule her hätten die Neueinsteiger eine tolle Ausbildung – allerdings oft nur theoretisch. Ein Jahr Praxis reiche nicht, um alles zu lernen, weiß die Forstamtsleiterin. Daher gebe es Mentoren zur Unterstützung. Die jungen Leute würden von der Erfahrung der älteren Revierleiter profitieren.
Wieder eigene Auszubildende
Apropos Ausbildung: Nach einigen Jahren kann das Forstamt Kusel in diesem Jahr wieder eigene Leute ausbilden. Dies sei wichtig, um Personal zu halten. Denn für viele junge Leute aus dem Kreis Kusel sei es wenig attraktiv, ihre Ausbildung in Hinterweidenthal zu absolvieren, bemerkt die Leiterin. In dieser Saison haben zwei Azubis begonnen, hinzu zählt Kleinhempel auch einen Langzeitpraktikanten, der wie ein Azubi behandelt werde und die Chance auf eine Ausbildung erhalte. Ferner gebe es einen Umschüler zum Waldarbeiter. Durch die eigene Ausbildung könne dem Fachkräftemangel entgegengewirkt werden, ist sie überzeugt.
Dass der Forst nun zunehmend für junge Frauen ein attraktives Arbeitsumfeld bietet, freut sie. „Als ich damals angefangen habe, waren noch nicht so viele Frauen in unserem Bereich. Das Thema war einfach nicht so im Blickfeld“, erinnert sie sich. Dies habe sich inzwischen verändert. Das sei gut so, denn „die Mischung macht’s.“ Insgesamt müssten die Forstkollegen nun im Wald präsenter sein, gerade in Bezug auf Klimaveränderungen. „Da müssen wir genau schauen, was passiert.“