Lauterecken / Kreis Kaiserslautern
Zugausfälle im Lautertal: „Ein Schlag ins Gesicht der Gemeinden“
„Viele Menschen sind gerade in der Corona-Krise aufs Land gezogen. Für die Ortsgemeinden sind die Bahnhaltepunkte eine bedeutende Infrastruktur, mit der sie auch für ihre Kommune werben“, sagt der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg, Harald Westrich, der sich wie auch die Ortsbürgermeister in den Lautertalgemeinden mit vielen Beschwerden konfrontiert sieht. Die Lautertalbahn sei für die angrenzenden Orte wichtig zur Erschließung des ländlichen Raumes. Umso fataler sei es, wenn der Bahnverkehr nicht nur an den Wochenenden ausfalle, sondern es auch „immer wieder mal in der Woche“ zu Ausfällen komme.
Aufgrund der vielen Baustellen in der Stadt Kaiserslautern seien viele Menschen auf die Bahn ausgewichen, weiß der SPD-Politiker. „Da der Zugverkehr aber auch nicht zuverlässig funktioniert, springen die Leute wieder zurück auf das eigene Auto. Zumal die Ersatzbusse teilweise im dichten Verkehr hängenbleiben, sodass man im Vergleich zur Bahn im Bus sehr lange Fahrtzeiten hat.“
Beschwerden scheinen nicht zu fruchten
Was wird im Landkreis Kaiserslautern unternommen, um die Situation zu verbessern? „Zusammen mit dem Kreis Kaiserslautern haben wir uns immer wieder an den Schienenzweckverband und die Bahn gewandt.“ Auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Matthias Mieves habe sich schon bemüht, berichtet Westrich und räumt ein: „Da die Beschwerden aber nicht zu fruchten scheinen, sind die Erste Kreisbeigeordnete Gudrun Heß-Schmidt und ich inzwischen ein Stück weit ratlos, wie man der Bahn beikommen könnte.“
Dass es bei einem krankheitsbedingten Ausfall von vielen Mitarbeitern bei gleichzeitigem Fachkräftemangel zu personellen Schwierigkeiten kommt, sei zwar verständlich. Doch Westrich erkennt darin auch „ein systembedingtes Versagen in den vergangenen Jahren“. Den einzigen Weg aus der Misere sieht der Bürgermeister in autonom fahrenden Zügen. „Die Bahn beziehungsweise die Regierung muss in solche Zügen investieren und die ersten Schritte dafür gehen. Ansonsten werden die Probleme der Zukunft nicht gelöst werden können.“
Gemeinden stecken Geld in Haltepunkte
Wolfsteins Stadtbürgermeister Herwart Dilly wettert: „Schienenersatzverkehr mit Bussen, die nicht kommen, die nicht halten und deren Fahrer die Strecke nicht kennen, ist der aktuelle Stand des öffentlichen Personennahverkehrs. Die Menschen im Lautertal so abzuspeisen, ist der Gipfel der Frechheit.“ Er spricht von einem Schlag ins Gesicht der Lautertalgemeinden: „Pünktlich, mit Abschluss der letzten Arbeiten, wurde der Betrieb eingestellt.“
Die Rede ist vom barrierefreien, modernen Ausbau der Haltepunkte. Dilly erklärt: „Vor wenigen Jahren wurde den Ortsgemeinden im Lautertal mitgeteilt, dass nur ein moderner Ausbau der Haltepunkte den Fortbestand der Lautertalbahn garantiert.“ Die Bahnsteige wurden erneuert – es fehlen lediglich noch Lohnweiler und Pfaffwerk West. „Allein in Wolfstein wurden die drei Haltestellen für rund 1,77 Millionen Euro ertüchtigt. Natürlich müssen sich die Ortsgemeinden, trotz knapper Kassen, finanziell beteiligen“, betont Dilly. Die Misere ist seiner Meinung nach so gravierend, dass der Stadtbürgermeister fragt: „Wo und wer ist der Verantwortliche an der miserablen Personalplanung und nimmt öffentlich seinen Hut?“
Kein Umstieg mit Neun-Euro-Ticket
Er berichtet: Etliche Pendler hätten im Sommer, als es das Neun-Euro-Ticket gab, überlegt, auf die Bahn umzusteigen. „Aber leider war nach zwei Monaten Schluss. Im dritten Monat fand wegen Gleisarbeiten kein Zugverkehr statt.“ Ähnliches berichtet der Büroleiter der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein, Christian Sauer: „Wir sprechen viel von Klimaschutz, aber um ihn im Alltag zu leben, da versagt der Apparat den Dienst.“ Das Neun-Euro-Ticket habe im Lautertal nichts gebracht, ein Umstieg auf die Bahn habe nicht stattgefunden – die Menschen seien vom schlechten Angebot abgeschreckt gewesen.
Natürlich ist man sich im Lautertal darüber bewusst, dass es sich bei der Bahnstrecke um eine schwach frequentierte handelt. „Doch das hilft Pendlern nicht, hilft Schülern nicht, hilft Touristen nicht“, macht Sauer deutlich. Mit dem Campingplatz und der Jugendherberge in Wolfstein gebe es potenzielle Bahn-Nutzer, die beispielsweise mal nach Kaiserslautern fahren wollen. Den Schienenersatzverkehr mit dem Bus bezeichnet er als „nicht sehr komfortabel und nicht sehr zuverlässig“. „Aber die Leute haben sich arrangiert, haben alternative Lösungen gefunden“, hat er beobachtet.
Sorgenvoller Blick auf Glantalbahn
Sauer macht auf ein weiteres Thema im Zusammenhang mit der Lautertalbahn-Zugstrecke aufmerksam: die Hoffnung auf eine Reaktivierung der Glantalbahn, 22 Kilometer von Lauterecken aus bis Staudernheim als Anschluss an das Rhein-Main-Gebiet. Seit Jahren wird im Nordkreis und an den entlang der Strecke liegenden Gemeinden wie Meisenheim und Odernheim darüber diskutiert. Im Sommer soll eine Kosten-Nutzen-Rechnung vorliegen. Sauer: „Wir reden über das, was neu dazukommen soll, aber es wäre schön, wenn das Bestehende funktionieren würde.“