Lauterecken
Ziel: Eine jugendfreundlichere Stadt
Roland Grammes, Bildungsreferent vom Bund deutscher Pfadfinder, berichtete, dass die Jugendlichen voller Elan bei der Sache waren, und auch Stadtbürgermeisterin Isabel Steinhauer-Theis freute sich über die Resonanz. Es sei wichtig, die Ideen der Jugend zu kennen, um diese bei der Stadtsanierung berücksichtigen zu können. Nach vier Stunden Fotostreifzug und Diskussion wurden erste Ergebnisse präsentiert.
Die Jugendlichen sagten offen, was sie wünschen, zeigten mit dem Finger auch auf Missstände. Vielfach fotografiert: der Bahnhof. Während die einen ihn wegen der Mobilitätsmöglichkeiten schätzen, haben andere Bilder von der mit Fäkalien verschmierten Unterführung gezeigt.
Mehrere Drogenumschlagplätze
Da viele nicht nur den Bahnhof, sondern auch beispielsweise die Roseninsel als Drogenumschlagplatz bezeichneten, hatte Steinhauer-Theis spontan Beamte der Lauterecker Polizeidienststelle eingeladen. Die Polizisten hörten zu, bestätigten die Eindrücke der Jugendlichen und gaben Tipps. Wichtig sei, sich selbst in Sicherheit zu begeben, dann zeitnah die Polizei zu rufen, den Ort zu nennen und eine Personenbeschreibung abzugeben.
Vielfach kritisiert wurden Graffiti, vermüllte Ecken und Hundekot im Stadtgebiet. Auf mehr Sicherheit zielte der Vorschlag von mehr Zebrastreifen ab. Konkret genannt wurde die B420. Insgesamt mehr fußgänger- und fahrradfreundliche Wege seien in der Innenstadt nötig.
Roseninsel aufwerten
Alle Teilnehmenden erkannten das Potenzial der Roseninsel, wünschen sich aber eine Aufwertung. Ein, zwei Spielgeräte zum Austoben, neue Tische und Bänke oder ein sicherer Zugang zum Wasser wurden genannt. Vielfach gewünscht: ein Skatepark und Plätze für Ballspiele, um mehr Aktivitäten nach der Schule zu ermöglichen, weil „man nicht nur in der Bude sitzen will“.
Bereits in Lauterecken vorhanden ist ein Jugendtreff im ehemaligen Forstamt, der zwar „schön“, jedoch räumlich begrenzt sei und keinen Außenbereich biete. Die Jugendlichen würden sich einen Treffpunkt etwas weniger zentral wünschen, der ebenfalls für Veranstaltungen geeignet wäre. Auch eine Straußjugend stand auf dem Wunschzettel.
Heimatfest: Straußjugend statt Eventteam?
Diese Straußjugend könnte auch mit der Stadt gemeinsam das Heimatfest in die Hand nehmen, denn „was Eventteams machen, war interessant“, wurde vorsichtig formuliert – worauf Szenenapplaus kam. Potenzial sehen Jugendliche auch in einem Gemeinschaftsgarten mit Picknick- und Grillmöglichkeiten, beispielsweise auf den Freiflächen im Watzkessel, und auch der Marktplatz sei möglicherweise für einen mobilen Skatepark eine Option.
Neben besseren Freizeit- und Einkaufsmöglichkeiten sowie weiteren erschwinglichen Imbissoptionen wünschen sich vor allem die älteren Jugendlichen mehr Transparenz und Einbindung bei politischen Entscheidungen der Stadt. Ein Jugendrat sei eine Möglichkeit. Während Wünsche wie ein H&M in Lauterecker Leerständen oder coole Clubs wohl eher schwierig bis unmöglich zu erfüllen sein dürften, wurden auch kleinere Dinge genannt, wie mehr Jugendliteratur in der Stadtbücherei oder Kinonachmittage. Gut fänden Jugendliche auch eine Jobbörse, um leichter Ferienjobs zu finden.
An einem Strang ziehen
Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen soll weitergehen. Die bisherigen Ideen würden konkretisiert, auf ihre Umsetzbarkeit geprüft und mit Argumenten versehen, erklärte Grammes. Diese Ergebnisse werden dem Rat präsentiert, um zu einer Vereinbarung zwischen Stadt und Jugendlichen zu kommen. „Jugendliche und Kommunalpolitiker sollen an einem Strang ziehen“, sagte Grammes, der versprach, am Ball zu bleiben.
Beim Termin dabei waren Valerie Barchet und Roland Kettering vom Büro BBP Stadtplanung. Im Anschlussgespräch mit der Stadtbürgermeisterin fragten sie konkreter nach dem Turnerheim, das die Jugendlichen mehrfach angesprochen hatten. Dieses ist in privater Hand und stand schon häufiger zum Verkauf – das jedoch hochpreisig. Dennoch wollen die Planer den Münchner Besitzer kontaktieren und Möglichkeiten ausloten. Die von den Jugendlichen vielfach angesprochene Roseninsel sei so ein zentrales Thema, dass man ihm Priorität eins einräumen könnte, erklärte Kettering.