Hinzweiler RHEINPFALZ Plus Artikel „Yeah-Yeah-Festival“ feiert 15 Jahre

Von der Ober- in die Westpfalz: Bassist Samuel Meier vom Trio „Filistine“ auf der Bühne der Königslandhalle in Hinzweiler.
Von der Ober- in die Westpfalz: Bassist Samuel Meier vom Trio »Filistine« auf der Bühne der Königslandhalle in Hinzweiler.

Manchmal versteckt sich Kunst dort, wo man sie nicht erwartet. Das „Yeah-Yeah-Festival“ in Hinzweiler hat in der Region schon einen guten Namen. Die Bands, die zur verspäteten Jubiläumsausgabe in die Königslandhalle kamen, staunten aber mitunter nicht schlecht, wie weit es sie ins „Hinterland“ verschlagen hatte.

Großen Spaß hatten die Musikgruppen an ihrem Auftritt aber dennoch. Daran konnte auch die letztlich schwache Besucherzahl des Festivals nichts ändern. Organisator Mario Gailing ließ sich trotz einiger Hiobsbotschaften am Veranstaltungstag nicht die Laune verderben.

Das fing schon mit dem Szenario, das wohl jedem Veranstalter Alpträume bereiten würde: Wenige Stunden vor dem Festival sagte der eigentliche Hauptact Beyond the Doors krankheitsbedingt ab. Bitter, denn die Coverband der Rock-Legende Doors sollte ein Zugpferd fürs ansonsten eher unbekannte Festival-Line-up sein.

Gute Laune trotz Enttäuschungen

Gailing versuchte zwar noch, kurzfristig einen adäquaten Ersatz zu bekommen, was sich aber in der Kürze der Zeit nicht realisieren ließ. „Wir haben dann den Eintrittspreis an der Abendkasse ein wenig gesenkt und den restlichen Bands ein bisschen mehr Spielzeit gegeben“, erklärte er. Dennoch habe er am Eingang mit einigen enttäuschten Besuchern sprechen müssen. Aber trotzdem fand man immer mal wieder einen Besucher mit einem T-Shirt der Doors tanzend vor der Bühne.

Doch da war schon das nächste Problem: sehr viel Platz in den vorderen Reihen. Statt wie bei früheren Ausgaben des „Yeah-Yeah-Festivals“ vor 300 bis 400 Besuchern spielten die Bands diesmal vor weniger als 100 Leuten. „Natürlich haben wir uns da mehr erwartet“, sagt Gailing. Ein Erklärungsansatz für die schwache Resonanz kann natürlich die wieder steigende Corona-Sorge sein. Außerdem sind potenzielle Besucher aktuell generell zögerlich, wenn es darum geht, Geld für Kulturveranstaltungen auszugeben. Nicht nur in Hinzweiler.

„Immer auch was Positives“

Als das Saarbrücker Duo Dizzy Dizzy den Abend eröffnete, verirrten sich gerade mal zehn Leute vor die Bühne - zum Großteil Musiker der anderen Bands. Bei den Auftritten von Filistine und der Berliner Band VUG war der Andrang dann mitunter größer, die Reihen schlossen sich. Als dann die Bamberger Paralyzed den Abend auf der Hauptbühne nach Mitternacht beschlossen, waren es dann jedoch wieder nur drei oder vier Handvoll Leute, die ausgelassen tanzten.

Lange Gesichter suchte man bei den Künstlern dennoch vergeblich. „Natürlich haben wir uns auch ein wenig mehr Leute erhofft, da das Festival früher ja auch besser besucht gewesen sein soll“, meinte Paralyzed-Sänger Michael Binder. „Aber man kann auch immer etwas Positives mitnehmen, allein schon überhaupt auf der Bühne stehen zu können.“ Außerdem sei es für die Bands immer wichtig, mit anderen Künstlern Kontakte zu knüpfen.

Ein Bundesland nach dem anderen

Samuel Meier von Filistine freute sich zudem darüber, in Hinzweiler direkt Anfragen für weitere Auftritte erhalten zu haben. „Außerdem konnten wir mit Rheinland-Pfalz auch das vorletzte Bundesland für uns abhaken“, lachte der Bassist der Band aus der Oberpfalz, der jetzt nur noch ein Auftritt in Sachsen fehlt.

Dizzy Dizzy war die Freude über ihren ersten Auftritt nach fünf Jahren ebenfalls ins Gesicht geschrieben, trotz aller Nervosität. Hinzweiler soll der Start sein, um im kommenden Jahr wieder öfter auf der Bühne zu stehen.

Handgemachter Rock von erlesener Güte

Ein Reinfall war das „Yeah-Yeah-Festival“ also auch bei seiner Jubiläumsausgabe keineswegs. Alle Bands lieferten feinste handgemachte Rockmusik: mal funkig (Filistine), mal wild (VUG) und am Ende noch mit einer Menge Wucht (Paralyzed). Die Bands feierten sich dabei auch gegenseitig und jubelten einander lautstark zu.

Kritische Töne gab es aber dennoch. Grund war der Electro-Floor, der traditionell im hinteren Hallenbereich den weiteren Programmpunkt lieferte. Allerdings war das während der Auftritte von VUG und Paralyzed mitunter so laut, dass man die Bässe auch vor der Hauptbühne hören konnte. Besonders bei ruhigeren Song-Intros war das störend. Wiederholt wurde die Lautstärke deshalb korrigiert.

Später wurden dann aber auch die DJs von der Leine gelassen und der kleine Electro-Floor war weit nach Mitternacht tatsächlich sehr gut gefüllt. Happy End also? Und Vorfreude auf das nächste Jubiläum zum 20. Geburtstag? „Schauen wir mal“, sagt Mario Gailing. Die aktuelle Ausgabe hat den Organisator schließlich vorerst genug Nerven gekostet.

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